75-jährig
Der Kopf der Band ist nicht mehr: Ken Hensley von Uriah Heep ist überraschend gestorben

Der Keyboarder ist im Alter von 75 Jahren überraschend gestorben. In den frühen 1970er-Jahren zählte er zu den prägendsten Musikern des Hard- und Prog Rock.

Stefan Künzli
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Ken Hensley beim Interview im Restaurant Paparazzi am 8. Januar 2008 in Baden.

Ken Hensley beim Interview im Restaurant Paparazzi am 8. Januar 2008 in Baden.

Raphael Hünerfauth / KUL

Er war der Kopf der englischen Band Uriah Heep und prägte mit seinen Kompositionen und seinem Keyboard den Sound der Band. In den 1970er-Jahren zählte Uriah Heep zusammen mit Deep Purple, Led Zeppelin und Black Sabbath zu den erfolgreichsten Bands. Dabei wechselte die Band zwischen Hard und Prog Rock.

Seine erfolgreichster Song war «Lady In Black» aus dem Album «Salisbury» von 1971. Der Song, ein eingängiger Popsong, war eigentlich ganz untypisch für den damaligen progressiven Sound von Uriah Heep. Der damalige Sänger David Byron weigerte sich denn auch, den Song zu singen, weil er ihm «zu banal» war. Hensley sang deshalb selber. «Lady In Black» wurde zum grössten Hit der Band.

Ken Hensley ist am 24. August in London geboren und spielte in den 60er-Jahren zunächst Gitarre, bevor er 1965 in der Band The Gods mit Stones-Gitarrist Mick Taylor ans Keyboard wechselte. 1980 verliess er Uriah Heep aus musikalischen Gründen. Er wollte sich stärker Richtung Pop bewegen und startete deshalb eine Solokarriere. Mit mässigem Erfolg. Er zog sich vom Musikgeschäft zurück, lebte in Missouri, gab Mitte der 1990er-Jahre aber ein Comeback und veröffentlichte einige Solo-Alben.

Im Januar 2008 nahm er in der Schweiz mit dem Berner Oberländer Sänger Daniel Kandlbauer eine neue Version von «Lady in Black» auf, die vier Wochen lang in den Schweizer Charts vertreten war und Platz 38 erreichte Platz 38.

Ken Hensley und Daniel Kandlbauer im Musikgeschäft Zero Zero am 8. Januar 2008 in Baden.

Ken Hensley und Daniel Kandlbauer im Musikgeschäft Zero Zero am 8. Januar 2008 in Baden.

Raphael Hünerfauth / KUL

Stefan Künzi, der lange beim Schweizer Label Musikvertrieb arbeitete, kannte Ken Hensley persönlich und hatte über die Jahre immer wieder Kontakt. Er beschreibt ihn als «sehr liebenswürdig, unkompliziert und aufgestellt». In den 1970er-Jahren war er stark drogenabhängig und erlitt mehrere Herzinfarkte. Er konnte sich aber von seiner Abhängigkeit befreien, wurde stark gläubig und lebte seither sehr gesund. Vor zwei Jahren traf Künzi den Musiker zum letzten Mal in Fribourg, wo er ein Konzert gab. «Er war noch sehr fit», sagt Künzi. Im letzten Dezember 2019 gab Hensley das letzte Konzert in der Schweiz. In Biel trat er an einem Weihnachtskonzert auf und hinterliess immer noch einen sehr vitalen Eindruck.

Die traurige Nachricht vom Tod von Ken Hensley wurde heute, am 5. November von seinem Bruder Trevor auf Facebook übermittelt. «Ich schreibe dies mit schwerem Herzen, um Ihnen mitzuteilen, dass mein Bruder Ken Hensley am Mittwochabend friedlich verstorben ist», schrieb Trevor Hensley. «Seine schöne Frau Monica war an seiner Seite und hat Ken in seinen letzten Minuten getröstet. Wir sind alle am Boden zerstört von diesem tragischen und unglaublich unerwarteten Verlust und bitten Euch, uns etwas Raum und Zeit zu geben, um uns damit abzufinden. Ken wird in einer privaten Zeremonie in Spanien eingeäschert. Bitte fragen Sie nicht nach Informationen über die Beerdigung. Ken ist gegangen, aber er wird niemals vergessen werden und wird immer in unseren Herzen sein. Bleibt sicher da draussen.»