Der kalte Nachbar

Ein neuer Bildband zeigt gestochen scharfe Bilder vom Planeten Mars.

Rolf App
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Die Oberfläche des Mars. (Bild: «Mars – Eine fotografische Entdeckung» von Xavier Barral)

Die Oberfläche des Mars. (Bild: «Mars – Eine fotografische Entdeckung» von Xavier Barral)

Seit sieben Jahren kreist eine Kamera um den Mars, und dieses «High Resolution Science Experiment» liefert einen enormen Schatz an Bildern und an Erkenntnissen über den Nachbarplaneten der Erde. 28 000 gestochen scharfe Aufnahmen sind es bisher, eine ganze Reihe davon zeigt und kommentiert ein eindrückliches Buch. Tiefe Einschlagkrater und gigantische Höhenzüge sind da zu sehen; Canyons und Vulkane, Gletscher und Geysire zu bestaunen. Was da wohl alles passiert ist in Milliarden Jahren?

Narben erzählen Geschichte

Fachleute können solche Landschaften «lesen»: Das Bild rechts zum Beispiel zeigt Noctis Labyrinthus, ein von Dünen bedecktes Gebiet, dessen dunkle Farbe auf bestimmte Mineralien zurückzuführen ist. Die eingestreuten helleren Flächen weisen einen grossen Anteil an Eisen- und Aluminiumsulfat auf.

So wird die wechselvolle Geschichte des Mars in seinen Strukturen sichtbar, in Narben und Dünen. Zahlreiche Vulkanausbrüche haben das Äussere geformt, enorme Mengen an Staub sind emporgewirbelt worden und haben gewaltige Lavaströme zutage treten lassen. Bizarre Oberflächen sind die Folge. Und Gebirge, die im Sonnensystem ihresgleichen suchen. Der mächtige Olympus Mons zum Beispiel ist so hoch wie Alpen, Rocky Mountains und Himalaja, wenn man sie aufeinander schichtet.

Die Hitze weicht

Von den Geologen wissen wir: Einst gab es auf dem Mars warme und feuchte Perioden, Wasser floss in Hülle und Fülle. Für seine weitere Entwicklung entscheidend war sein geringes Gewicht. Mit einem Durchmesser von 6400 Kilometern ist der Mars nur halb so gross wie die Erde und hat sogar nur ein Zehntel von ihrer Masse. Zu Beginn war er im Innern relativ heiss, dann ist er aber rasch abgekühlt – rascher als die grössere Erde. Deshalb herrschen auf dem Mars geradezu eisige Temperaturen von null Grad am Tag und minus hundert Grad in der Nacht.

Ein Bote des Chaos

Schon vor Jahrtausenden haben sich die Menschen für den Mars interessiert und ihn zunächst mythisch, dann wissenschaftlich gedeutet. Weil er sich mal vorwärts und mal rückwärts zu bewegen schien, brachten ihn Babylonier und Ägypter in Zusammenhang mit dem Kriegsgott Ares und mit dem Chaos.

Ellipsen, keine Kreisbahnen

Anders Johannes Kepler im 16. Jahrhundert: Er nutzte die genauen Bahnaufzeichnungen des Astronomen Tycho Brahe, um am Beispiel des Mars zum Schluss zu kommen, dass die Umlaufbahnen der Planeten nicht kreisförmig sind, sondern Ellipsen beschreiben. Alle 15 bis 17 Jahre nähern Erde und Mars sich auf ihren Bahnen bis auf etwa 56 Millionen Kilometer an, der Mars wirkt dann dreimal so gross wie normal. In früheren Jahrhunderten ist dies die Gelegenheit, Beobachtungen zu machen. 1877 entdecken Italiener ein System von «canali» – Anzeichen dafür, dass auf dem Mars einmal Wasser geflossen ist.

Der Rover ist unterwegs

Der Annäherung aus der Ferne, mit dem Fernrohr, folgt die Erkundung aus der Nähe. 1965 fliegt die Sonde Mariner 4 als erste am Mars vorbei, später dann Mariner 6 und Mariner 7. Immer präziser wird dabei das Wissen des Menschen – bis dann 2011 der Rover «Curiosity» zum Roten Planeten geschickt wird. 900 Kilo schwer, hat er zwei Minilabors an Bord und ein Lasergerät für Gesteinsanalysen. Allzu rasch bewegen kann er sich nicht, dafür ist «Curiosity» gründlich. Er erkundet den Boden so gründlich wie, aus der Luft, das «High Resolution Science Experiment».

Xavier Barral (Hg.): Mars – Eine fotografische Entdeckung, Hatje Cantz 2013, 267 S., 79 Euro