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«Green Book» ist der ideale Film zum Start des Zurich Film Festival

Im Eröffnungsfilm «Green Book» brilliert Viggo Mortensen als übergewichtiger Bodyguard. Der Schauspieler sagte gestern in Zürich, seine Gewichtszunahme habe sogar seinen Arzt beunruhigt.
Lory Roebuck

Mit Eröffnungsfilmen ist es so eine Sache. Sie sind nicht bloss der Startpunkt eines Festivals, sondern sollen auch bereits eine Stossrichtung vorgeben, eine Stimmung, die das Publikum durch die restlichen Festivaltage begleitet. Am besten geht das mit einem Star, der die Premierengäste verzückt, mit einem aufbauenden Film, der alle glücklich nach Hause schickt, oder mit einer filmischen Botschaft, auf deren Wichtigkeit sich alle einigen können. «Green Book», der Film, der gestern Abend das 14. Zurich Film Festival eröffnet hat, gelang das Kunststück, gleich alle drei dieser Kriterien zu erfüllen.

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und handelt von einem schwarzen Weltklasse-Pianisten namens Dr. Don Shirley (Mahershala Ali), der 1962 eine Konzerttournee durch die US-Südstaaten unternimmt. Weil vielerorts der Rassismus immer noch in den Köpfen und Gesetzen fest verankert ist, engagiert er Tony Lip (Viggo Mortensen) als Fahrer und Bodyguard, einen grobkantigen Türsteher aus der Bronx. Zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten – eine Konstellation, die immer wieder für Lacher sorgt und an den Kinohit «Les Intouchables» erinnert.

Sich wie immer intensiv auf die Rolle vorbereitet

Tony-Darsteller Viggo Mortensen, bekannt als Aragorn aus den «Lord of the Rings»-Filmen, war an der Festivaleröffnung gestern anwesend. Der 60-jährige Schauspieler hat den Ruf, sich auf jede Filmrolle intensiv vorzubereiten. Bei «Green Book» sei das nicht anders gewesen, erzählte er in Zürich: «Der echte Tony Lip war übergewichtig und ständig am Essen. Ich habe für den Dreh so viel Gewicht zugelegt, dass sogar mein Arzt sich Sorgen machte.»

Ein paar dieser Extra-Kilos waren Mortensen auch gestern noch anzusehen. «Ich bin erst die Hälfte davon wieder losgeworden», sagte er mit einem Lachen. Mit Mortensen angereist war auch Regisseur Peter Farrelly, der sich in den 90er-Jahren mit ­erfolgreichen Schenkelklopfer-Komödien wie «Dumb and Dumber» und «There’s Something About Mary» einen Namen gemacht hat. Er habe schon immer einen ernsteren Filmstoff angehen wollen, sagte Farrelly mit Blick auf «Green Book». Das grüne Buch, das dem Film den Titel gibt, war in den 60er-Jahren eine Art Reiseführer, der auflistete, zu welchen Hotels, Restaurants und Musikclubs Afroamerikaner ­Zutritt hatten. Farrellys Film zeigt, wie Tony und Dr. Shirley während ihrer monatelangen Tour durch die Südstaaten langsam ihre gegenseitigen Vorurteile abbauen und schliesslich zu ­lebenslangen Freunden werden. «Green Book» sei ein hoffnungsvoller Film, sagte Farrelly.

Die beiden Hauptdarsteller Mahershala Ali und Viggo Mortensen. (Bild: PD)

Die beiden Hauptdarsteller Mahershala Ali und Viggo Mortensen. (Bild: PD)

Die Filmcrew konnte während der Produktion von einzigartigen Einblicken in Tonys Geschichte profitieren. Das Drehbuch, das Farrelly mit seinem Witz anreicherte, stammt aus der Feder von Tonys Sohn Nick Vallelonga. Nick sei auch während der Dreharbeiten immer beratend zur Seite gestanden, verriet Mortensen – und er hat den Darsteller vor allem im amerikanisch-italienischen Slang seines Vaters gecoacht. Tony Lip war für sein loses Mundwerk bekannt und hatte den Ruf, jeden zu allem überreden zu können. Eine Rolle, die Mortensen laut eigenen Angaben unheimlich viel Spass bereitet hat.

Trotz über zwei Stunden Dauer nie langweilig

Mit einer Länge von über zwei Stunden legt «Green Book» zwar wie Tony ein paar Kilos zu viel auf die Waage. Doch weil Farrelly der Spagat zwischen Ernst und Humor so prächtig gelungen ist und weil Mortensen und die weiteren Darsteller mit spürbar viel Herzblut ans Werk gehen, wirkt der Film nie langweilig. Belohnt wurde dies vor ein paar Wochen bereits am internationalen Filmfestival in Toronto, wo «Green Book» mit dem renommierten Publikumspreis ausgezeichnet worden ist. Das ist traditionellerweise ein Anzeichen dafür, dass der Film bei der nächsten Oscarverleihung ganz vorne mitmischen wird.

Ein Start nach Mass also für das Zurich Film Festival – an dem während der nächsten zehn Festivaltage noch viele weitere Oscar-Kandidaten zu sehen sein werden.

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