Der Humor treibt Blüten

Diesen Sommer präsentiert das Theater Parfin de siècle in der Orangerie des Botanischen Gartens «Humor mit Biss», eine Collage aus Texten und Liedern von Busch, Morgenstern, Kreisler und anderen. Am Mittwoch ist Premiere.

Beda Hanimann
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Dem Humor auf der Spur: Theater Parfin de siècle mit Arnim Halter, Regine Weingart, Helmut Schüschner und Pia Waibel (von links). (Bild: Hanspeter Schiess)

Dem Humor auf der Spur: Theater Parfin de siècle mit Arnim Halter, Regine Weingart, Helmut Schüschner und Pia Waibel (von links). (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Rechnung ist verblüffend. Zwanzig Minuten Lachen entsprechen einer körperlichen Leistung von drei Minuten Laufen. Wer lacht, spart sich also das Abo für den Fitnessclub und die Sportausrüstung. Und weil Zeit Geld ist, kommt's noch drauf an, wer lacht. Bei Politikern oder Bankern kämen Millionen zusammen. Und so könnten am Ende mit Lachen Staaten saniert werden.

So ungefähr rechnet und kombiniert das Theater Parfin de siècle. Sein Beitrag zur grossen Krise, könnte man meinen. Aber das ist nur ein Aspekt. Hauptthema der diesjährigen Sommerproduktion in der Orangerie des Botanischen Gartens ist der Humor.

Beginn am Seerosenteich

Der lauschige Ort im Osten der Stadt ist seit dem Jahr 2000 die zweite Spielstätte des Theaters neben dem eigenen Theaterraum am Mühlensteg. «Es hat 1998 oder 1999 mit der Einweihung des Tropenhauses im Botanischen Garten angefangen», erklärt Arnim Halter, der zusammen mit Regine Weingart das Theater gegründet hat und nach wie vor leitet. «Wir waren mit einer Lesung am Seerosenteich dabei und genossen die besondere Atmosphäre.» Also habe man sich erkundigt, ob es möglich wäre, jeweils im Sommer da Theater zu machen.

Lockere Atmosphäre

So entstanden in den vergangenen Jahren fast ein Dutzend Produktionen. Mal war es ein Stück, mal waren es selbst erarbeitete Collagen, die entweder einem Dichter oder einem Thema gewidmet waren. Robert Walser, Friedrich Glauser, François Villon oder Johann Nestroy wurde die Ehre erwiesen, die poetischen bis skurrilen Titel lauteten «Tanzt solang der Atem hält», «Die Durchbohrung des Mondes mit Hilfe eines Kolossalbohrers», «Frölich Geschray, so well wir machen» – oder schlicht «Sommerabendgeschichten». «Wir wollen an diesem Ort nicht blutrünstiges oder hochintellektuelles Theater machen», sagt Halter. Literarisches Theater in lockerer Aufmachung, so lautet die Formel, ein wichtiger Faktor ist dabei auch die Beiz, die vor und nach den Vorstellungen betrieben wird. Die Bilanz gibt den Theatermachern Recht. 2000 Besucherinnen und Besucher oder gar mehr strömen in den knapp drei Wochen jeweils in den Botanischen Garten, das bringe auch diesem zusätzliche Aufmerksamkeit, wie Halter anfügt: «Das ist eine schöne Zusammenarbeit, die beiden etwas bringt.» Und auch dem Publikum, bleibt anzufügen.

Spielszenen, Texte und Lieder

Diesmal also geht es um Humor und darum, wie er funktioniert, wie er sich äussert, was er mit all seinen Facetten leistet. «Humor mit Biss» heisst das Programm, welches Halter und Weingart mit Ruth Erat erarbeitet haben. Spielszenen mit Halter und Weingart sowie den Schauspielern Pia Waibel und Helmut Schüschner und dem Musiker Urs C. Eigenmann bilden den Rahmen, darin verwoben sind Texte, Satiren und Lieder von Johann Nestroy, Christian Morgenstern, Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz, Eugen Roth, Erich Kästner, Georg Kreisler, Franz Josef Degenhardt und anderen. «Das sind Reflexionen, die mit Humor auf den Menschen und seine Welt blicken lassen», sagt Halter.

Das neue Programm ist auch eine Art Revue von Autoren, die für das Parfin de siècle in den vergangenen Jahren eine Rolle gespielt haben, wie Halter sagt. «Das Thema Humor ist bei diesen Autoren gut aufgehoben, finden wir», sagt Halter und lacht sein ansteckendes Lachen. Man darf getrost davon ausgehen: Auch bei Halter, Weingart und Co. ist es gut aufgehoben.

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