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Der Herbe und Hoffnungsvolle

Ausstellung Christian Lippuner erweist sich in Kreuzlingen erneut als Meister der grossen Gesten und der zarten Linien. Der Künstler reagiert kritisch auf das Verlustige in unserem Alltag und stellt ihm Hoffnung und Heiterkeit entgegen.
Dieter Langhart
"Digitaler Rausch", Acryl, Öl, Ölkreide auf Leinwand, 200x130 cm. (Bilder: Dieter Langhart)

"Digitaler Rausch", Acryl, Öl, Ölkreide auf Leinwand, 200x130 cm.
(Bilder: Dieter Langhart)

Christian Lippuner mit einer Vernissagenbesucherin.

Christian Lippuner mit einer Vernissagenbesucherin.

Allein an einer Wand hängt das Bild «Digitaler Rausch». Es ist das grösste und ein Schlüsselwerk Christian Lippuners. Der Mensch: schemenhaft, gesichtslos. Der Kopf nicht als Porträt, sondern schemenhaftes Schaltzentrum voller Knäuel, die Ohren weit aufgesperrt wie Antennen, daneben baumelt ein lächelnder Ballon. «Lacht das grinsende Smiley uns nun an oder aus?» Das fragt Publizist János Stefan Buchwardt in den Gedanken, die er als Bildtexte zu einigen Werken des Künstlers in der aktuellen Ausstellung verfasst hat. Die Galerie Andre Veith in Kreuzlingen hat sie dem Künstler ausgerichtet, der gleich um die Ecke wohnt und in Ermatingen arbeitet. Gestern war Vernissage.

Hingabe hilft gegen die Bedrohungen der Welt

«Fehlen und Hingabe» nennt Christian Lippuner seine Ausstellung. Er meint das Fehlen von Menschlichkeit, von Gefühlen, von Wärme in einer kalt und hart gewordenen Welt mit ihren unübersichtlichen und bedrohlich gewordenen Verflechtungen. Diesem Fehlen stellt Lippuner die Hingebung an sein Werk entgegen, das ihm zum eigentlichen Lebenselixier geworden ist, wie János Stefan Buchwardt in seiner Rede sagte. Er beobachtet und begleitet den Künstler seit langem und sagt: «Christian Lippuner ist an seiner Kunst gereift und sie an ihm.»

Buchwardt zitiert Lippuner: «Es geht um das Verfangensein in bedrohlich gewordenen Flechtwerken. Wo ich vor wuchernder Urbanisierung, vor dem Abgrund politischer Irrwege und einem Verlorensein in virtueller oder digitaler Hingabe warne, da möchte ich philosophisch reich und allegorisch bunt visualisieren und stets lachend sagen können: Guten Morgen, Hoffnung!»

Buchwardt erwähnt neben der Hingabe auch Rückschläge, Sinnkrisen, Unterbrüche im Erdenken und Erschaffen, das vergebliche Ringen, das Lippuner, Jahrgang 1947, mit nicht wenigen Künstlern teilt. Er übe Kritik an stadt- und landplanerischen Konstrukten und werfe Schlaglichter auf Verfassungen unseres Daseins. «Er spricht vom Innenliegenden, das nach aussen wächst, und umgekehrt.» Buchwardt erkennt in den Bildern oft metaphysische Rätsel; die schemenhaften Wesen seien autark und verletzlich zugleich, sie versuchten, Endzeiten zu überwinden in ihrer Sehnsucht nach Verbundenheit mit dem Sein.

Christian Lippuners Werke tragen praktisch immer Titel: «Kopf Geschehen», «Landfresser», «Am Rand der Welt» oder «Korruption im stillen Dialog».

Wir sollen sehen, hinsehen, handeln

Denn dieser Künstler will nicht gefällige Kunst machen, die über Reader’s-Digest-Auswahlbänden an die Wand gehängt wird. Dieser Künstler will zeigen, aufzeigen, aufrütteln – und ist sich doch stets seiner beschränkten Einflussnahme auf die Welt bewusst. Christian Lippuner nutzt seine künstlerischen Mittel nicht als herbe, intellektuelle Waffe, sondern für feinsinnige, fein ziselierte Hinweise an die Hoffnungsvollen unter uns. Christian Lippuner ist ein zutiefst menschlicher und auch verletzlicher Künstler, der im Hier und Jetzt lebt und weiss, dass wir nur das Hier und Jetzt beeinflussen können.

Christian Lippuner will, dass wir sehen, hinsehen, bewusst handeln. Er will nichts weniger, als dass wir nicht untergehen in unsrer selbstgeschaffenen Welt, dass wir neue Übergänge finden wie in seinen Holzschnitten, die er «Passfahrten» nennt.

Aus dem Galeriefenster blickt eine schwarze Skulptur aus Stahl, Gips und Leinenschnur. «Los in Leinen» heisst sie. Los als Aufruf oder als Schicksal?

Galerie Andre Veith, Kreuzlingen, 1.-29.9.2018 www.galerie-veith.ch

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