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Der harte Alltag

Niklaus Wenk hat spät begonnen zu malen. Wenige Monate nach dem 100. Geburtstag ist er gestorben. Ein Porträt. Peter Schaufelberger
Niklaus Wenk: Alpabfahrt Kreialp in den Zwanzigerjahren, 1982, Öl auf Holz. (Bild: Sammlung Erna und Curt Burgauer)

Niklaus Wenk: Alpabfahrt Kreialp in den Zwanzigerjahren, 1982, Öl auf Holz. (Bild: Sammlung Erna und Curt Burgauer)

Er habe sich schon immer einen Sennenstreifen gewünscht, doch seien ihm diese Bilder zu teuer gewesen, und so habe er eben selber einen gemalt, erzählte der Wildhauser Niklaus Wenk, wenn er nach den Anfängen seiner Malerei gefragt wurde. 67 war er, als er sich diesen Wunsch erfüllte, nachdem eine schwere Operation ihn gezwungen hatte, kürzerzutreten und die Hauptarbeit auf dem Hof seinen beiden Söhnen Josef und Karl zu überlassen.

Erinnerungen an Katastrophen

Doch es blieb nicht bei diesem einen Werk. Weitere Sennenstreifen folgten, vor allem aber Motive aus dem harten Alltag des Bergbauern und Älplers, Erinnerungen an Naturkatastrophen wie etwa die verheerenden Lawinenniedergänge von 1945, deren Verwüstungen er auf der Rückseite des Bildes noch schriftlich mit akribischer Genauigkeit dokumentiert, das Grippejahr 1918 oder ein heftiges Hagelgewitter auf der «Chreialp», das er ebenfalls noch als Knabe erlebte.

Auch Begebenheiten und Menschen aus der weitläufigen Nachbarschaft oder aus dem Dorf Wildhaus sind ihm des Malens wert, genauso wie der mühselige Kartoffelanbau auf einem abhäldigen Acker, das «Mistfläscheln», wie das Ausbringen von Mist mit Hilfe eines Flaschenzugs genannt wurde, oder der gefährliche Holztransport im Winterwald, bei dem auch Sohn Josef einmal verunfallte: «Wenn ich's nicht male, wer weiss denn noch, wie es einmal gewesen ist ?», pflegte er zu sagen, wenn er auf all diese – der herkömmlichen Bauernmalerei fremden – Themen angesprochen wurde.

Die eigene Handschrift

Niklaus Wenk war denn auch kein Bauernmaler im engeren Sinn. Mit diesen verbinden ihn einzig gewisse Motive wie etwa die Alpfahrt oder Arbeiten während des Alpsommers – und auch da unterscheidet er sich durch seine durchaus eigene, unverwechselbare Handschrift. Proportionen kümmern ihn wenig; Bergblumen etwa, die er besonders liebte, erscheinen bisweilen gross wie Bäume, im Hagelgewitter rettet er sich als Bub unter das Dach eines Stadels, dessen First ihm kaum über den Kopf reicht.

Und noch weniger kümmert er sich um Perspektiven oder darum, wie eine Kuh in enger Spitzkehre darzustellen sein. Da findet er ebenso überraschende wie unerwartete Lösungen, auch wenn's dann aussieht, als sitze die Kuh auf ihrem Hinterteil und drehe sich so um die Kurve herum.

Wenks Vierteldrehung

Und wenn's sein muss, wendet er das Bild während des Malens einfach um eine Vierteldrehung, so dass die Geissen den engen Felskamin hinaufklettern, als gingen sie auf ebenen Wegen.

Reiche Farbigkeit

Und dann erst die satte, dennoch unendlich reich abgestufte Farbigkeit! Bei wem sonst fände man so viele unterschiedliche Grün wie auf Wenks Alpen, so viele Nuancen von Weiss wie in seinen Winterbildern, ähnlich reich blühende Wiesen und blumendurchsetzte Geröllhalden?

Niklaus Wenk war, bei aller formalen Unbekümmertheit, ein genauer Beobachter, einer, der hinschaute und stets von neuem auch staunen konnte. Und es war wohl – trotz der zufälligen Umstände – kein Zufall, dass das ebenso eigenwillige, nur dem eigenen Gespür vertrauende Sammlerpaar Erna und Curt Burgauer das Schaffen Wenks entdeckte und förderte, und dass sich zwischen dem Bergbauern und dem welterfahrenen Textilunternehmer eine bis zu dessen Tod 2002 dauernde Freundschaft entwickelte.

Niklaus Wenk hat seinen Freund Curt Burgauer um elf Jahre überlebt; im Alter von 100 Jahren und knapp acht Monaten ist er am 12. August gestorben.

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