«Der Hammer schlechthin»

Messerscharfe Gitarrenriffs, dichter Elektropop und bunte Ganzkörperanzüge: Das «Musig uf de Gass» bot am Freitag einen Überblick über die aktuelle Ostschweizer Bandszene. Zwei Rundgänge durch sechs Konzertlokale mit 18 Bands.

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Buntes Spektakel: Als letzte Band im Waaghaus zeigten die Musiker, Tänzer und Sängerinnen von Pirmin Baumgartner eine farbig-fröhliche Show. (Bild: Urs Bucher)

Buntes Spektakel: Als letzte Band im Waaghaus zeigten die Musiker, Tänzer und Sängerinnen von Pirmin Baumgartner eine farbig-fröhliche Show. (Bild: Urs Bucher)

Zwar herrscht im Talhof erst Aufwärmstimmung, doch A Phobic Smile proben schon die «Wall of Death»: Das Publikum teilt sich in der Mitte und kracht auf Kommando gegeneinander. «Habt Spass!», ruft Sänger Cedric Ziegler von der Bühne herab, und die weiblichen Fans in den vorderen Reihen folgen ihm aufs Wort. Auch A Phobic Smile haben Spass. Das junge Quartett aus Widnau zeigt mit seinem Mix aus Melodien und brachialen Hardcore-Riffs, warum es 2011 zu Recht den Bandwettbewerb «BandXost» gewann. Das Klangbild franst da und dort zwar aus und könnte noch kompakter sein. Aber das kann noch werden, ist doch das Début-Album erst für 2013 geplant.

Zwischen Rock und Elektronik

Düsterer geht es ab 23 Uhr in der Grabenhalle zu und her. Die fünf Herren von Mephistosystem betreten in dunklen Kutten die Bühne und breiten einen wuchtig-melancholischen Klangteppich aus. Souverän bewegt sich die St. Galler Band an der Schnittstelle zwischen Rock und Elektronik, verbindet verzerrte Gitarren mit Synthesizern und Samples. Etwas gar viel Technik ist im Spiel: Einmal muss die Band pausieren, weil ein Kabel streikt, und Sänger Abele Franzé kommuniziert vor allem mit dem Tontechniker statt mit dem Publikum.

Voller Witz und Ironie

Fröhlicher wird's nach Mitternacht im Waaghaus. Zehn Herren in farbigen Ganzkörperanzügen und zwei als Häschen geschminkte Damen veranstalten ein Spektakel voller Witz und Ironie. Pirmin Baumgartner heisst die bunte Truppe aus Wattwil und Degersheim. Die Musiker und Tänzer werfen mit Luftballonen um sich, der Sänger grüsst seine Eltern im Publikum und erklärt mit Floskeln seine Liebe: «Du bist der Hammer schlechthin!» Was schnell ins Doofe kippen könnte, ist stattdessen witzig, erfrischend, intelligent und erst noch gut gespielt. Jedenfalls geht man dank Pirmin Baumgartner im Ohr mit einem Lächeln nach Hause. Roger Berhalter