«Der Hammer kam im Juni»: An der Mitgliederversammlung des Kunstvereins St.Gallen gibt die aufgeschobene Sanierung des Kunstmuseums zu reden

Präsident Lorenz Bühler gibt sich kämpferisch und alt Stadtrat Fredy Brunner redet Klartext. Ausserdem gewährte Museumsdirektor Roland Wäspe einen Ausblick auf das Ausstellungsprogramm 2021 und der Name der neuen Preisträgerin des Manor-Nachwuchspreises wurde verkündet.

Christina Genova
Drucken
Teilen
Die Sanierung und Erweiterung des Kunstmuseums St.Gallen verzögert sich um zwölf Jahre.

Die Sanierung und Erweiterung des Kunstmuseums St.Gallen verzögert sich um zwölf Jahre.

Bild: Trix Niederau

«Der Hammer kam im Juni», sagt Lorenz Bühler, der Präsident des Kunstvereins St. Gallen an dessen trotz Pandemie gut besuchten Mitgliederversammlung vom Dienstag. Rund 80 Personen waren anwesend. Mit «Hammer» ist der Entscheid des Stadtrats gemeint, die Sanierung des Kunstmuseums St. Gallen um fünf Jahre zu verschieben. Dies, weil er wegen der Pandemie empfindliche Steuerausfälle erwartet. Der Kunstverein hatte gehofft, die Wiedereröffnung des sanierten Kunstmuseums falle auf sein 200-Jahr-Jubiläum 2027. Die Aussichten dafür sind düster, aber Bühler sagt: «Wir knicken nicht ein.» Roman Griesfelder, der neben seiner Funktion als Vereinskassier auch Geschäftsführer des Museums ist, sagt:

Roman Griesfelder, geschäftsführender Direktor des Kunstmuseums St.Gallen.

Roman Griesfelder, geschäftsführender Direktor des Kunstmuseums St.Gallen.

Bild: Benjamin Manser
«Dass man ein 23 Jahre altes Anliegen um weitere zwölf Jahre verschiebt, war ein Schock für uns.»

Griesfelder stellt ernüchtert fest: «Die Unterstützer des Kunstmuseums haben in der Stadtregierung keine Mehrheit.» Der Stadtrat habe nun aber zugesichert, rasch den genauen Sanierungsbedarf und dessen Kosten abzuklären. Die Hoffnung, dass der Stadtrat auf seinen Entscheid nochmals zurückkommt, hat Griesfelder noch nicht aufgegeben: Vieles laufe momentan inoffiziell und hinter den Kulissen.

Sanierungsbedarf ausgewiesen: Im Kunstmuseum St.Gallen regnet es herein.

Sanierungsbedarf ausgewiesen: Im Kunstmuseum St.Gallen regnet es herein.

Bild: Benjamin Manser

Alt Stadtrat Fredy Brunner meldet sich als Mitglied des Kunstvereins mit einem klaren Statement: «Ich hätte erwartet, dass ein aktives Mitglied des Stadtrats anwesend ist.» Es sei bedenklich, dass acht Jahre nach dem Architekturwettbewerb noch keine Vorlage vorhanden sei. Den Vorstand des Kunstvereins ermutigt Brunner, den Stadtrat jetzt rasch um eine Aussprache zu bitten: «Soweit ich es einschätze, ist es im Stadtrat keine eindeutige Sache.»

Alt-Stadtrat Fredy Brunner.

Alt-Stadtrat Fredy Brunner.

Bild: Ralph Ribi

Um seine Anliegen besser zu kommunizieren, hat der Kunstverein online gleich doppelt aufgerüstet: Neu verfügt er über eine eigene Website, www.kunstverein.sg. Ausserdem wurde die Seite pro-kunstmuseum.sg aufgeschaltet, wo die Argumente für eine Sanierung aufgelistet werden und man das Museum mit einer persönlichen Stellungnahme unterstützen kann.

Sorgen bereiten dem Kunstverein die sinkenden Mitgliederzahlen. Laut Roman Griesfelder treten im Durchschnitt der letzten 15 Jahre 60 Mitglieder pro Jahr aus. Auch nach einem neuen Hauptsponsor sucht man bisher vergeblich.

Künstler Albert Oehlen.

Künstler Albert Oehlen.

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

Es gab aber auch Erfreuliches zu berichten. So schenkte der Künstler Albert Oehlen dem Museum eines seiner Werke. Der Wahl-Gaiser stellte 2019 in der Kunstzone der Lokremise aus. Das Lieblingsgemälde des Direktors Roland Wäspe hätte das Dreifache des Jahresetats des Kunstmuseums gekostet.

Ausblick auf Ausstellungen 2021 und Manor-Preisträgerin

Auch einen Ausblick auf das Ausstellungprogramm 2021 gewährte Roland Wäspe. Die Ausstellung «Città irreale», die auf den zehnten Geburtstag der Lokremise im September hätte eröffnen sollen, wurde auf den Februar 2021 verschoben. Im Rahmen der Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Theater St.Gallen geplant. Auch die Ausstellung zur legendären St.Galler Erker-Galerie fiel der Pandemie zum Opfer und wird um ein Jahr verschoben. Sie eröffnet im Juli 2021.

Eine Einzelausstellung ist mit dem deutschen Bildhauer Andreas Slominski geplant, der sich mit seinen Skulpturen nah an Alltagsgegenständen bewegt. Der 61-Jährige wird für das Kunstmuseum St.Gallen eine ortsspezifische Installation entwickeln. Der 1978 geborene Brite Michael Williams erhält im Juni eine Soloshow in der Kunstzone der Lokremise und wird dort seine grossformatige Malerei zeigen. Und auch die 44-jährige dänische Bildhauerin Marie Lund wir in St.Gallen mit einer Einzelausstellung zu sehen sein. Eine thematische Ausstellung mit dem Titel «Das unsichtbare Monument» ist auf den Septemer 2021 geplant. Darin vertreten sein werden Künstler wie Maria Anwander, Monica Bonvicini oder Valentin Carron.

Martina Morger 2018 bei einer Performance im Rahmen des ersten Performance Open-Air im St.Galler Stadtpark.

Martina Morger 2018 bei einer Performance im Rahmen des ersten Performance Open-Air im St.Galler Stadtpark.

Bild: Urs Bucher

Eine Einzelausstellung wird ausserdem Martina Morger erhalten. Die 31-jährige Künstlerin und gebürtige Liechtensteinerin wird mit dem Manor-Preis 2021, dem wichtigsten Nachwuchsförderpreis der Schweiz, ausgezeichnet. Damit verbunden ist auch ein Preisgeld und eine Publikation.

Mehr zum Thema