Der gutmütige Riese ist nicht mehr

Er war – zusammen mit seinem Filmpartner Terence Hill – der schlagkräftige Held unzähliger Spaghetti-Western und Komödien. Nun ist Bud Spencer, der in Wahrheit Carlo Pedersoli hiess, in Rom im Alter von 86 Jahren gestorben.

Dominik Straub/Rom
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Im wirklichen Leben alles andere als streitsüchtig: Bud Spencer 2004 auf der Berlinale. (Bild: ap/Jockel Finck)

Im wirklichen Leben alles andere als streitsüchtig: Bud Spencer 2004 auf der Berlinale. (Bild: ap/Jockel Finck)

«Vier Fäuste für ein Halleluja», «Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle», «Sie nannten ihn Plattfuss»: Das waren die deutschsprachigen Filmtitel, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren alle kannten. Ebenso bekannt und beliebt waren ihre Helden: Bud Spencer und Terence Hill.

«Ich bin bestürzt»

Was ausserhalb Italiens viele nicht wussten: Die beiden Protagonisten waren waschechte Italiener, und die meisten ihrer Filme stammten aus italienischer Produktion. Bud Spencer hiess mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli, Terence Hill heisst eigentlich Mario Girotti. «Ich habe meinen besten Freund verloren, ich bin bestürzt», erklärte Girotti gestern, nachdem er vom Tod seines Filmpartners vernommen hatte. Tatsächlich waren die beiden Schauspieler auch privat befreundet.

Es war eine lange Freundschaft gewesen: Ihren ersten gemeinsamen Film «Gott vergibt... Django nie» (Originaltitel: «Dio perdona, io no») hatten Spencer/Hill im Jahr 1967 gedreht. Dieser erste gemeinsame Spaghetti-Western war noch halbwegs ernsthaft gewesen; in den folgenden Jahren wurden ihre Streifen immer komödiantischer. Aufwendig inszenierte Prügelszenen wurden zu ihrem Markenzeichen und zu einer neuen Kunstform entwickelt. Obwohl Bud Spencer sich im wirklichen Leben nur zweimal wirklich geprügelt hat, wie er in seiner auch auf Deutsch erschienenen Autobiographie «Mein Leben, meine Filme» erzählt. «Ich habe kein streitsüchtiges Temperament (wer hätte das gedacht?).»

«Mir genügen fünfzig Worte»

Die Rollenverteilung war immer die gleiche: Terence Hill, der schlanke Charmebolzen mit den blauen Augen, redete und haute; Bud Spencer, der bärtige Hüne mit dem guten Herzen, haute nur. «Mir genügten vierzig, fünfzig Worte, um einen ganzen Film zu bestreiten», erklärte der Schauspieler vor einigen Jahren in einem Interview.

Während Girotti seinen Künstlernamen aus einer Liste ausgewählt hatte, erfand sich Pedersoli den seinen selber: Er setzt sich zusammen aus Pedersolis Lieblingsbier, dem amerikanischen Bud, und seinem Lieblingsschauspieler Spencer Tracy.

Der erfolgreiche Schwimmer

Insgesamt haben Spencer/Hill 16 Filme zusammen gedreht; fast alle wurden Millionenerfolge. Daneben ist Bud Spencer auch noch in über hundert weiteren Filmen aufgetreten. Aber er sei eigentlich gar kein Schauspieler, betonte Pedersoli immer wieder; im Unterschied zu Terence Hill habe er nie Schauspiel studiert. «Und ich konnte weder Englisch noch konnte ich reiten, noch habe ich mich je rasiert. Sie brauchten für ihre Ulk-Filme einfach einen Charaktertypen mit einem Körper, wie ich einen habe.»

Zunächst hatte auch nichts darauf hingedeutet, dass der 1929 in Neapel geborene Carlo Pedersoli dereinst einer der bekanntesten und beliebtesten Darsteller Italiens werden sollte. Bekannt wurde er nämlich – wie einst der spätere «Tarzan»-Darsteller Johnny Weissmüller – zunächst als erfolgreicher Schwimmer.

Vieles fiel ihm in diesen jungen Jahren in den Schoss. Auch Frauen. Und «da ich damals ein ziemliches Rindvieh war, machte ich mir nicht im entferntesten Gedanken über die Rolle der Frau». Bis er Maria Amato kennenlernte, mit der er mehr als fünf Jahrzehnte verheiratet war – bis zu seinem Tod.

Zurück nach Südamerika

Pedersoli war schon vor seiner Filmkarriere viel in der Welt herumgekommen: Als er 18 war, zog seine Familie nach Südamerika; nach seiner Rückkehr nach Italien absolvierte er in Rom ein Jus-Studium – um danach auf eigene Faust wieder nach Südamerika zurückzukehren.

«Ich wollte wissen, wer ich bin»

Er habe es im Römer Snob-Quartier Parioli nicht mehr ausgehalten, begründete er seine Flucht nach Südamerika. «Ich wollte wissen, wer ich bin.» Anfang der Sechzigerjahre kehrte er nach Italien zurück, zum Film kam er über seinen Schwiegervater, den Produzenten, Regisseur und Kinobesitzer Peppino Amato, der unter anderem auch den Film «La dolce vita» von Federico Fellini produziert hatte.

In Italien wurde Pedersoli alias Bud Spencer liebevoll «il gigante buono» (der gutmütige Riese) und «il piedone» (Plattfuss) genannt. Seine immense Popularität erklärte er einmal so: «Wer von uns kennt nicht jemanden, im Büro oder sonstwo, dem er einfach einmal eine runterhauen möchte? Alle kennen so einen. In den Filmen haben wir das gemacht, und die Leute haben sich damit identifiziert.»

Gleichzeitig war Bud Spencer für Millionen Italiener das Gesicht des glücklichen und erfolgreichen Italiens ihrer Jugend, ein Held der inzwischen lange vergangenen Boom-Jahre. In seiner auch auf Deutsch erschienenen Autobiographie beschreibt er eine sorglose Kindheit als Industriellensohn, zu dessen frühesten Erinnerungen der amerikanische Strassenkreuzer des Vaters gehört – mit Chauffeur selbstverständlich.

Und er erzählt von seinem Lebenswahlspruch «Futteténne», zu Deutsch: «Scheiss drauf!» Für ihn bedeute er, «dass wir all die Probleme, mit denen wir konfrontiert werden, nicht zu schwer nehmen, sondern sie lieber mit Humor lösen sollten».

Das letzte Wort war «Danke»

«Er hat nicht gelitten, er hatte uns alle bei sich, und sein letztes Wort war <Danke>», erklärte Bud Spencers Sohn Giuseppe Pedersoli am Montagabend, als er den Tod seines Vaters bekanntgab. Und ein trauerndes Italien sagte gestern: «Addio, gigante buono!»