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Der gruusige Herbert

2000 sollen es werden. Clarissa Schwarz kreiert Sockenmonster. In der Galerie vor der Klostermauer zeigt die St. Gallerin, dass sie Monsterkunde auch im zweidimensionalen Bereich beherrscht.
Kristin Schmidt
So viel ist zu entdecken: Clarissa Schwarz in der Galerie vor der Klostermauer. (Bild: Michel Canonica)

So viel ist zu entdecken: Clarissa Schwarz in der Galerie vor der Klostermauer. (Bild: Michel Canonica)

Neugierig grüssen sie durchs Fenster auf die Gasse: zwei frech-fröhliche Monster, solche von der harmlosen Sorte. Zum Glück, denn sie haben Hunderte von Geschwistern. Überall wimmeln sie herum in der Galerie vor der Klostermauer. Sie lümmeln sich in Ecken und auf Balken, sie tummeln sich in Bildern und treffen sich auf der Wand oder in einem Mobile. Unter ihnen sind so seltsame Wesen wie das Zwanzig-Herbert-Augenmonster, der hippe Paul, der durchgedrehte Harald und der gruusige Herbert. Erfunden hat die ganze Sippe Clarissa Schwarz.

Jedem seinen Planeten

Die Grafikerin und Illustratorin entwirft mit Tusche und Faserstift linear durchgestaltete Parallelwelten, die sich immer wieder auf die reale Welt beziehen. Zunächst erscheint alles abgehoben, verträumt, phantastisch, verspielt, aber dann tauchen im Bild «Planeten» auch der Friedhof, der einsame Voyeur oder Kanonen auf. Clarissa Schwarz spielt hintersinnig auf das Bedürfnis an, sich möglichst von anderen abzugrenzen: Jedem seinen Planeten, jeder bekommt, was er braucht. Ganz gleich, ob es Glace oder Tankstellen sind, Ferien oder Zigaretten. Und selbstverständlich fehlt im Liebesnest der Darkroom nicht.

Leicht zu entdecken sind diese kleinen Anspielungen in den dicht gezeichneten Blättern freilich nicht. Drum gibt Schwarz eine Hilfestellung: Zur Ausstellung hat sie eigens ein mehrseitiges Heft entworfen. Es funktioniert wie eine Gebrauchsanweisung für ihre Bilder. Sie gibt darin erste Anstösse, bestimmte Details zu suchen. Der besondere Reiz dieser Vorschläge: Ständig kommen andere Einzelheiten in den Blick, das Auge bleibt hängen. Ist dann das gesuchte Wesen oder Ding gefunden, hat schon vieles mehr den Weg gekreuzt und einen das Bild schon völlig in den Bann gezogen.

Alles begann mit Socken

So viel ist zu entdecken. Wer gern in den Wimmelbüchern der Kinder unterwegs ist, wird an den Bildern von Clarissa Schwarz das grösste Vergnügen finden. Sie sind jedoch nur ein Aspekt ihrer Arbeit. Eigentlich begann alles mit Socken. Die gebürtige Toggenburgerin verwandelt sie in geringelte, knopfäugige Sockstar-Monster. Sie präsentiert sie auf Kreativ- und Weihnachtsmärkten oder auch im Flon. Aber nicht nur das, sie gibt jedem der Gefährten eine Geschichte mit und einen Charakter. Folgerichtig ist jeder Kauf eine Adoption, selbstverständlich mit einer von Schwarz aufwendig gestalteten Adoptionsurkunde. Die Grafikerin überlässt nichts dem Zufall, alles ist mit ihrer zeichnerischen und ihrer typographischen Handschrift durchgestaltet und damit in den Schwarzschen Kosmos eingebunden.

Schlüssel zum Glück

So steht auch die Schlüsselinstallation im Obergeschoss der Galerie vor der Klostermauer nicht einfach für sich. Zu jedem der 149 weiss angemalten Schlüsselchen gibt es ein kleines Zertifikat. Es bezeichnet den dazugehörigen Ort, so gibt es den Schlüssel zum Glück oder jenen zum Herzen. So einfach ist das. Hier oben wogen Wolken des Wohlgefühls. Aber im Erdgeschoss bebt es manchmal auch, da blitzt es von Nord nach Süd, Flämmchen züngeln und Dornenranken breiten sich aus.

Clarissa Schwarz durchsetzt ihre heiteren Welten mit kleinen Stacheln und gibt ihnen damit die Würze.

Ausstellung bis 29. Juni. Geöffnet: Do/Fr, 18–20 Uhr; Sa, 11–15 Uhr; So, 10–12 Uhr.

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