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Der Gossauer aus Moskau, direkt aus der Pianistenschmiede

Simon Bürki ist ein aufstrebender, junger Klaviervirtuose. Sein Können, bereits vielfach prämiert an wichtigen Wettbewerben, zeigt er nächsten Sonntag in Gossau.
Martin Preisser
Simon Bürki kommt nur noch selten nach Gossau, jetzt aber für einen üppigen romantischen Solo-Abend. (Bild: Benjamin Manser)

Simon Bürki kommt nur noch selten nach Gossau, jetzt aber für einen üppigen romantischen Solo-Abend. (Bild: Benjamin Manser)

Im Februar ist er 19 Jahre alt geworden und spielt seit 14 Jahren Klavier. Simon Bürki, Sohn eines Ostschweizers und einer Ukrainerin, hat schon in jungen Jahren eine spezielle Biografie hinter sich. Sein frühes Talent hat seine Grossmutter in der Ukraine entdeckt und den Enkel erst einmal Balalaika spielen lassen. Streng war sie dahinter, dass Simon pianistisch bestmöglich ausgebildet werde. Zuerst in Kiew, wohin er als Kind regelmässig reiste, seit 2015 am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium, der weltweit wahrscheinlich strengsten Kaderschmiede für angehende Tastenlöwen und Klaviervirtuosen.

Dass Simon ein hochbegabter Klavierspieler werden würde, stand für die Oma ausser Frage. «Heute freut sie sich über meine Erfolge, aber wenn sie mich in Moskau besucht, schaut sie immer noch sehr genau auf mein aktuelles Klavierspiel und hat meine Entwicklung streng im Auge», erzählt Simon Bürki.

In Moskau herrscht eine beflügelnde Konkurrenz

Im Juni war Simon Bürki in der Tonhalle St.Gallen als Solist in Schostakowitschs erstem Klavierkonzert zu hören. Mit viel Brillanz und glitzernder Präsenz hatte er da punkten können. Der sehr höflich und ein wenig in sich gekehrt wirkende junge Musiker studiert derzeit bei beim russischen Meisterpianisten Andrey Pisarev.

Die Konkurrenz unter den Studenten sei hoch, aber «freundlich beflügelnd», erzählt Bürki. Und Moskau sei eine Stadt mit viel inspirierender Kultur, aber auch viel Alltagsstress, von dem sich der junge Pianist, fast schon mehr ein Moskauer als ein Schweizer, durch Üben abschirmt. Unter fünf Stunden rutscht sein tägliches Übpensum nie, nach oben ist es offen. Natürlich gibt es in Moskau den Drill, und Bürki ist froh, nicht das ganze Pianistensystem von unten nach oben dort durchlaufen zu haben. «Zum Glück habe ich, auch schon in der Ukraine, immer Lehrer gehabt, die auch meine Ideen zugelassen und mir Raum für meine interpretatorischen Ideen gegeben haben, natürlich immer in einem klaren Rahmen», sagt Bürki, dessen Karriere heute von seiner Mutter, einer HSG-Absolventin im Fach Wirtschaft, gemanaget wird.

Der russische Tastenstar Denis Matsuev hat Simon Bürki einst unter seine Fittiche genommen, nachdem dieser 2013 schon einen von Matsuev eingerichteten Wettbewerb in Kiew gewonnen hatte. Matsuevs kräftig zupackendes Spiel, vor allem dessen Fähigkeit, intensiv mit dem Publikum zu kommunizieren, bewundert der junge Simon Bürki sehr. Wettbewerbe hat er die letzten Jahre viele gewonnen, etwa 2017 in Weimar den internationalen Liszt-Wettbewerb für junge Pianisten. Im selben Jahr auch einen Wettbewerb in St. Petersburg. Bereits als Elfjähriger gewann er in Kiew den internationalen Vladimir-Horowitz- Wettbewerb in drei Kategorien.

Der Wettbewerb in der jungen Virtuosenszene ist riesig, das Niveau der technischen Beherrschung unwahrscheinlich hoch. Nicht nur der junge Simon Bürki, der sich auch sehr gerne im Jazz betätigt, beherrscht da Konzerte wie das dritte von Rachmaninow oder des zweite von Prokofjew. Oder Rachmaninows höllische Paganini-Variationen, die Bürki am Samstag in Bern zusammen mit dem Sinfonischen Blasorchester Bern aufführt.

Keine Karriere ohne wichtige Wettbewerbe

Eine erfolgreiche Karriere in diesem Umfeld gehe, neben einer grossen Portion Glück, nur über das Gewinnen von grossen Wettbewerben, weiss Bürki. Er hat sich für 2020 daher für die Teilnahme an zwei bedeutenden beworben: den Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv (mit einem Beethoven-Konzert) und den Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerb, wo Mozart im Zentrum steht.

Zum Gespräch in Gossau erschien Simon Bürki im Konzertoutfit und fragte den Hauswart gleich einmal, ob er noch bis in den späten Abend üben dürfe. Durfte er. Noten hatte er nicht dabei. Das ist alles verinnerlicht. Das Programm im Rahmen des Gossauer Abendmusikzyklus ist hochvirtuos und prall romantisch: Zwei Chopin-Balladen, eine Skrjabin-Sonate und Schumanns Sinfonische Etüden, ein Programm, wie es sich für einen in Moskau Studierenden einfach gehört. Auch aufs Programm gesetzt hat Simon Bürki für sein Heimspiel Sonaten von Scarlatti, mit denen auch Virtuosen wie Horowitz gerne ihre Rezitals begonnen haben.

Solo-Rezital: So, 15.9., 17 Uhr, Kirche Haldenbühl, Gossau; www.abendmusikzyklus.ch

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