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Oscar Wilde: Der gefallene Dichter und Dandy im Exil

Der Spielfilm über die letzten Jahre von Oscar Wilde in Paris ist Rupert Everetts Herzensprojekt. «The Happy Prince» zeigt Wilds Absturz vom Superstar zum Niemand. Der Schauspieler spielt den Schriftsteller gleich selbst.
Regina Grüter

Seine Mutter las ihm den «Glücklichen Prinzen» aus dem jahr 1888 als Gutenachtgeschichte vor, dann kam Rupert Everett erst an der Schauspielschule wieder mit dem Schriftsteller Oscar Wilde (1854–1900) in Berührung, wie der 59-jährige Engländer der «Welt» berichtete. Und er mochte ihn zunächst nicht. Es waren dann ausgerechnet zwei Wilde-Filme, welche die Berühmtheit des Schauspielers festigten: «An Ideal Husband» (1999) und «The Importance Of Being Earnest» (2002). Das traurig-schöne Märchen vom «Glücklichen Prinzen» und der Schwalbe zieht sich wie ein metaphorischer roter Faden durch Everetts gleichnamiges Regiedebüt «The Happy Prince», für das er das Drehbuch schrieb und in dem er auch gleich die Hauptrolle übernahm.

Everett setzt da an, wo die früheren Filme über Wilde aufhörten. Er interessiert sich für den Absturz vom Superstar zum Niemand, vom Reichtum in die Armut. «Ermordung in Zeitlupe» nennt Everett das. Wilde verbrachte wegen homosexueller «Unzucht» zwei Jahre im Gefängnis und musste harte Zwangsarbeit leisten, was seine Gesundheit ruinierte. Nach der Entlassung floh er vor der gesellschaftlichen Ächtung nach Paris.

Der Mann im Rinnstein schaut hoch zu den Sternen

Es ist der erste Film über Wildes Exil, und Everett nimmt das Ende gleich vorweg. Selbst auf dem Sterbebett erweist sich Wilde als glänzender Erzähler. Der Gassenjunge hängt an seinen Lippen wie damals seine Söhne – die halluzinierte Erinnerung illustriert die Liebe zu seinen Söhnen und steht für das, was er aufgeben musste. Nun ist er selbst eine Elendsgestalt, wie der gefallene Prinz, und muss noch lange auf seine Rehabilitation warten.

«The Happy Prince» war für Everett ein Herzensprojekt, mehr noch eine Obsession, die ihn ein Jahrzehnt fast gänzlich absorbierte. Damals auf der Schauspielschule hat er Richard Ellmanns Wilde-Biografie gelesen und war erschüttert von Wildes letzten Jahren in Paris; er, der sagt, dass sein Outing als Homosexueller seiner Schauspielkarriere geschadet habe.

Projekte, die von so viel Emotion und persönlicher Betroffenheit abgetrieben werden, drohen nicht selten ins Pathos zu kippen. Davon ist «The Happy Prince» nicht ganz frei. In erster Linie aber ist es glänzendes Dialog-, Kostüm- und Schauspielkino, realisiert mit Freunden (Colin Firth spielt Dichterfreund Reggie Turner, Emily Watson Ehefrau Constance Wilde). Everett beschönigt nichts. Die Episode in Neapel mit Wildes jungem Liebhaber Alfred Bosie (Colin Morgan) gehört zu den authentischsten und eindrücklichsten.

«Der Mann im Rinnstein, der hoch zu den Sternen schaut, der Drinks auf den Pariser Boulevards erbettelt, das ist für mich die Essenz von Wilde», sagt Everett. «Er ist für mich der letzte Vagabund des 19. Jahrhunderts.»

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