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Der «Gebrauchsgrafiker»

Matthias Peter, Leiter der Kellerbühne St. Gallen, wartet in dieser Spielzeit mit zwei Eigenproduktionen auf. Am kommenden Montag wird die erste unter dem Titel «Nacht über Deutschland» Premiere haben. Sie ist dem Künstler Carl Meffert gewidmet.
Brigitte Schmid-Gugler
Carl Meffert alias Clément Moreau (mit Pfeife) im Selbstbildnis. (Bild: pd)

Carl Meffert alias Clément Moreau (mit Pfeife) im Selbstbildnis. (Bild: pd)

Würde er heute leben, wäre er vermutlich ein Trickfilmer. Vielleicht auch Illustrator. In mehrteiligen Zyklen stellte er seine ausdrucksstarken Schwarzweiss-Bilder her: Linolschnitte hauptsächlich, welche seine und die Geschichte von Leidensgenossen erzählen. Carl Meffert hatte viel zu leiden. Seine Mutter starb, als er elf Jahre alt war, von da an lebte er in einem katholischen Kinderheim, erzogen – oder besser gequält und gedemütigt von sadistischen Ordensbrüdern. Als junger Erwachsener schloss er sich dem «Spartakusbund» an, einer revolutionären Gruppe. Vom eigenen Vater verraten, landete Meffert für sechs Jahre im Gefängnis. Der 1903 in Koblenz Geborene lebte ab 1927 in Berlin und fand dort Anschluss zu Künstlerkreisen, zu denen auch die berühmte Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz gehörte.

Ein Leben auf der Flucht

1933 flüchtete Meffert vor den Nazis in die Schweiz und nannte sich als illegaler politischer Emigrant Clément Moreau. Hier lernte er seine spätere Frau, die Antifaschistin und Kinderpsychologin Nelly Guggenbühl, kennen, die ihm half, nach Argentinien auszuwandern und ihm später dorthin folgte. Doch auch dort wurde er aufgrund seiner politischen Einstellung mit dem Aufkommen der Militärjunta verfolgt und zensuriert.

1961 kehrte das Paar in die Schweiz zurück. «Man könnte von meinem Leben eigentlich sagen: von Beruf bin ich ein Emigrant. Wo ich auch hinkam, nach kurzer Zeit musste ich als Emigrant wieder weg. Einfach, man wird als Emigrant durch die Welt gehetzt», schrieb Clément Moreau.

In St. Gallen gewirkt

1988 starb er in Sirnach. Er hatte neben seiner künstlerischen Tätigkeit lange als Lehrer an der damaligen Kunstgewerbeschule, der heutigen Schule für Gestaltung in St. Gallen, gewirkt. Matthias Peter, damals Gymnasiast, lernte ihn anlässlich einer Ausstellung im Waaghaus persönlich kennen und schätzen. Jahre später lernte er dessen Enkelin kennen, er erfuhr von der inzwischen gegründeten Stiftung Clément Moreau, die sich darum bemüht, das Werk des Künstlers lebendig zu halten. «Ich war nie in einer Partei, ich bin ein menschlicher Gebrauchsgrafiker, und jedermann, der meine Arbeit gebrauchen kann, dem gehört sie», so die Worte Moreaus zu seinem Werk.

Matthias Peter, der dem Stiftungsrat angehört, tut dies zum 25. Todestages des Künstlers in Form von zwei Eigenproduktionen in dieser Spielzeit. Für die erste projiziert er Linolschnitte Moreaus über einen autobiographischen Text, den er selber liest und kommentiert, kombiniert mit der Livemusik von Stefan Suntinger. «Nacht über Deutschland», Moreaus berühmtester Linolschnitt-Zyklus, den er Ende der Dreissigerjahre in Argentinien gestaltete, gibt sowohl dem Abend als auch dem zweiten Teil der Aufführung den Titel. Hier fächert er diesen von Moreau gestalteten, erschütternden Zyklus wie einen Leporello auf.

Premiere: Montag, 21. 10., Kellerbühne, 20 Uhr

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