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Der Fluch der Pelztasse

Meret Oppenheim wäre am 6. Oktober 2013 hundert Jahre alt geworden. Die Künstlerin liebte nichts mehr als die Freiheit. Dies macht sie noch heute zum Vorbild für junge Künstler wie den Ostschweizer Francisco Sierra.
Christina Genova
Meret Oppenheim – eine beeindruckende Frau und eine eigenwillige Künstlerin. (Bild: ky)

Meret Oppenheim – eine beeindruckende Frau und eine eigenwillige Künstlerin. (Bild: ky)

Wer war sie denn nun, diese Pelztassen-Künstlerin? Meret Oppenheim zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, doch kennen viele von ihr nur ihre berühmte Pelztasse. Am kommenden Sonntag wäre Meret Oppenheim 100 Jahre alt geworden. 23 Jahre jung war die Künstlerin, als sie für eine Ausstellung das Werk «Le déjeuner en fourrure» (Das Frühstück im Pelz) schuf. Es besteht aus Teller, Tasse und Löffel, die mit Gazellenfell überzogen sind. Das Werk wurde von der Ausstellung weg angekauft für die Sammlung des Museum of Modern Art in New York, bald schon zur Ikone des Surrealismus und Meret Oppenheim damit schlagartig berühmt. Sie lebte damals in Paris und verkehrte im Kreise der – vorwiegend männlichen – Surrealisten. Max Ernst war ihr Liebhaber, sie war bekannt mit Alberto Giacometti, André Breton und Marcel Duchamp. Man Ray machte von der verführerischen jungen Frau eine Serie von Porträtaufnahmen und Aktfotos.

Zu früher Erfolg

«Die Pelztasse war Fluch und Segen zugleich», sagt Bice Curiger, Kuratorin am Kunsthaus Zürich und Meret-Oppenheim-Biographin. Der frühe Erfolg war nicht einfach für die junge Künstlerin. Sie kehrte zurück in die Schweiz und geriet in eine Krise. 1938 entstand das Ölbild «Steinfrau» als Sinnbild für ihre innere Versteinerung. Am Ufer liegt eine aus Steinen geformte Frau. Lebendig sind nur ihre ins Wasser hängenden Beine. Zwar arbeitete Meret Oppenheim weiter, vernichtete aber auch viel. 1954 ging die Schaffenskrise zu Ende, und sie bezog ein Atelier in Bern. Meret Oppenheim widerstand der Versuchung, fortan einen Gegenstand nach dem andern mit Pelz zu überziehen, aber die Pelztasse verstellte trotzdem den Blick auf ihr äusserst vielseitiges Werk. Sie schuf Zeichnungen, Objekte, Plastiken, Modeentwürfe, Gedichte; sie setzte sich auseinander mit der Rolle der Frau, mit dem Unbewussten, mit der Natur.

Die fehlende Tasse

Diese Vielfalt wurde Meret Oppenheim auch gerne zum Vorwurf gemacht. Sie habe keinen Stil, hiess es, sie probiere alles mal aus. Heute hingegen würdigt man diese Vielfalt als besondere Qualität, die ihr Werk immer noch aktuell erscheinen lässt: «Ihr Werk wurzelt im Surrealismus und spannt gleichzeitig den Bogen hin zu Nachmoderne. Sie entwickelt Strategien, die heute in der zeitgenössischen Kunst anzutreffen sind», erläutert Heike Eipeldauer, Kuratorin der zurzeit laufenden Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau. In der Schweiz gibt es im Jubiläumsjahr keine Meret- Oppenheim-Ausstellung. Das Kunstmuseum Bern hat letztes Jahr mit «Merets Funken» Verbindungen der Künstlerin zur Gegenwartskunst präsentiert. Kathleen Bühler, Kuratorin der Berner Ausstellung, ist überzeugt: «Obwohl sie keine Schüler hatte, wirkt Meret Oppenheim im Denken weiter.»

Bewusst hat man in der Berliner Ausstellung darauf verzichtet, die Pelztasse zu zeigen. Auch der neue Dokumentarfilm von Daniela Schmidt-Langels und die im Christoph-Merian-Verlag erschienene, reich bebilderte Einführung in ihr Leben und Werk verbindet der Anspruch, Meret Oppenheim als vielseitige Künstlerin zu porträtieren und sie aus dem Schatten der Pelztasse treten zu lassen.

Spät war der Künstlerin dann nochmals Erfolg beschieden. Mit beinahe 70 Jahren nahm Meret Oppenheim 1982 an der Documenta 7 in Kassel teil. Zwei Jahre später wurde sie mit einer Retrospektive im Musée d'art moderne de la ville de Paris geehrt.

Gegen intellektuelle Kunst

Wichtig war Meret Oppenheim die Freiheit in der Phantasie und in der Kunst. Sie hatte ein tiefes Vertrauen in die Intuition. Seit ihrer Jugend beschäftigte sie sich mit Träumen, die sie auch aufschrieb. Sie fanden immer wieder Eingang in ihr Werk und sind ein Muster für ihre Arbeit: «Träume sind die einzige Verbindung, die auch der Erwachsene noch mit dieser Urwelt hat. Man kann nicht mit dem Intellekt Kunst machen. Mit dem Intellekt produzierte Kunst ergreift den Betrachter nicht in seiner Seele», meinte die Künstlerin.

Vorbild für Künstlerinnen

Meret Oppenheim rebellierte schon als junge Frau gegen die überkommenen Frauenrollen. Bewusst entschied sie sich mit 18 Jahren gegen Kinder. Damals entstand das gewaltvolle Aquarell «Votivbild (Würgeengel)». Dargestellt ist eine Mutter, die alles Blut aus ihrem Neugeborenen presst. Zwar verstand sie sich nicht als feministische Künstlerin und wurde nicht müde zu betonen, dass es die weibliche Kunst nicht gebe, denn der Geist jedes Menschen sei männlich und weiblich. Doch ihre Überzeugung war auch: «Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen.» Ein wichtiges Vorbild war ihr dabei ihre Grossmutter Lisa Wenger. Die Frauenrechtlerin und Künstlerin ist Autorin des berühmten Kinderbuches «Joggeli wott go Birli schüttle».

Viele junge Künstlerinnen fanden sich durch Meret Oppenheim über ihren Tod 1985 hinaus bestätigt und beflügelt. Besonders eng verbunden fühlt sich ihr die Wiener Künstlerin Valie Export. Aber auch Werke von Künstlerinnen Hanna Villiger oder Pipilotti Rist wären ohne ihre Pionierarbeit nicht denkbar.

Meret Oppenheim: Eine Einführung, Simon Baur und Christian Fluri (Hg.), Christoph-Merian-Verlag 2013, 144 S., Fr. 29.–. Morgen wird auf SRF Info um 12.50 Uhr «Meret Oppenheim – Eine Surrealistin auf eigenen Wegen» ausgestrahlt.

Meret Oppenheim Das Paar, 1956 Privatsammmlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 2013 Das Bildmaterial dient ausschließlich zur aktuellen redaktionellen Berichterstattung über die Ausstellung „Meret Oppenheim. Retrospektive“ (16. August – 1. Dezember 2013) im Martin-Gropius-Bau. Die Berichterstattung von Text und Bild muss im Verhältnis 1:1 stehen, dann ist das Bildmaterial für 5 Bilder kostenfrei. Die Bilder dürfen nicht beschnitten, überdruckt oder manipuliert werden. Bitte vermerken Sie bei der Veröffentlichung die Angaben der Bildlegende. Die Rechte für Titelbildnutzungen und Bildstrecken sind bei dem jeweiligen Rechteinhaber direkt einzuholen und können kostenpflichtig sein. Wir bitten um Zusendung von 2 Belegexemplaren an folgende Adresse: Martin-Gropius-Bau Presse und Öffentlichkeitsarbeit Niederkirchnerstraße 7 10963 Berlin

Meret Oppenheim Das Paar, 1956 Privatsammmlung © VG Bild-Kunst, Bonn, 2013 Das Bildmaterial dient ausschließlich zur aktuellen redaktionellen Berichterstattung über die Ausstellung „Meret Oppenheim. Retrospektive“ (16. August – 1. Dezember 2013) im Martin-Gropius-Bau. Die Berichterstattung von Text und Bild muss im Verhältnis 1:1 stehen, dann ist das Bildmaterial für 5 Bilder kostenfrei. Die Bilder dürfen nicht beschnitten, überdruckt oder manipuliert werden. Bitte vermerken Sie bei der Veröffentlichung die Angaben der Bildlegende. Die Rechte für Titelbildnutzungen und Bildstrecken sind bei dem jeweiligen Rechteinhaber direkt einzuholen und können kostenpflichtig sein. Wir bitten um Zusendung von 2 Belegexemplaren an folgende Adresse: Martin-Gropius-Bau Presse und Öffentlichkeitsarbeit Niederkirchnerstraße 7 10963 Berlin

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