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Arbeiten an Weihnachten:
Der Floh im Ohr des Christkindes

Die Pfarrerin Kathrin Bolt ist an Weihnachten im Einsatz, um den Menschen in der Hektik etwas zu geben, was sie zur Stille kommen lässt.
Rolf App
Pfarrerin Kathrin Bolt: «Weihnachten soll eine beschauliche Zeit sein.» (Bild: Urs Bucher)

Pfarrerin Kathrin Bolt: «Weihnachten soll eine beschauliche Zeit sein.» (Bild: Urs Bucher)

Es ist beschaulich still in der reformierten Kirche St. Gallen Bruggen. Den quadratischen, hellen Kirchenraum beherrscht die grosse Krippe, in den Fensternischen lehnen die Heiligen Drei Könige. Kathrin Bolt hat ihr Büro gleich nebenan, im Alten Pfarrhaus. In einem 50-Prozent-Pensum betreut die Pfarrerin die Erwachsenen in der Kirchgemeinde Straubenzell, zu Hause hat sie zwei kleine Kinder. Sie ist also vor Weihnachten doppelt gefordert.

«Das Kind in der Krippe bildet den totalen Kontrast»

Trotzdem hinterlässt Kathrin Bolt einen entspannten Eindruck. Im Privaten hält sie die Ansprüche an sich selber bewusst tief. «Weihnachten soll eine beschauliche Zeit sein», sagt sie. Auch in der Gemeinde. Sie bereitet die Gottesdienste vor und nimmt in ihnen über Lieder und Geschichten die Weihnachtsbotschaft auf. Diese Geschichte haben Kinder und Jugendliche auch im Weihnachtsmusical erzählt.

In früheren Jahren hat sie den Zugang auch über einzelne Protagonisten gesucht und die Weihnachtsgeschichte über Josef, über Maria oder auch ein Hirtenkind erzählt. Diesmal handelt ihre Predigt im Weihnachtsgottesdienst von einem Floh im Ohr des Christkindes, der es zum Lächeln bringt. Die Weihnachtsgeschichte stehe in ihrer Einfachheit «vor allem gegen unsere Macht- und Stolz-Gesellschaft», sagt Kathrin Bolt. «Das Kind in der Krippe bildet den totalen Kontrast gegen einen Donald Trump und andere Herrscher in unserer Zeit.»

Es sind aber noch andere Gegensätze, die sich auftun. Da sind die vielen Menschen beim Einkaufen; man sieht jene Hektik, die auch das Ladenpersonal zu spüren bekommt. «Unsere Mesmerin, die in einem Grossverteiler arbeitet, hat mir erzählt, dass sie den Advent als ­Horrorzeit erlebt – und ganz bewusst alle Geschenke schon vor dem Dezember einkauft», erzählt Kathrin Bolt. Sie selber macht es anders: Beim Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) gibt es die Möglichkeit, mit einer Spende andere zu beschenken – also etwa einer Kleinbäuerin eine Geiss zu kaufen oder armen Menschen in Simbabwe, die das Heks zu Imkern ausbildet, einen Bienenstock. «Sollte ich irgendwo ein Geschenk mitbringen, dann nehme ich einfach eine solche Geschenkkarte mit.»

«Die Sehnsucht nach Stille und Unerreichbarkeit»

So entflieht Kathrin Bolt selber der Hektik dieser Wochen und kommt jener Sehnsucht entgegen, die sie bei den Menschen spürt. «Es ist die Sehnsucht nach Stille und nach Unerreichbarkeit –für mich ein ganz wichtiges Thema.» Die Krippe, sagt sie, «steht auch fürs Jetzt-ganz-da-Sein». Das wird sie auch an Weihnachten vermitteln in einer Kirche, die voller sein wird als unter dem Jahr. Und obwohl sie das nachlassende Interesse an der Kirche durchaus registriert, empfindet sie ihren Beruf als schön und erfüllend. «Als Pfarrerin bekomme ich viel Anerkennung, und ich bin immer im Kontakt mit Menschen.»

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