Der Flamingo grüsst aus San Domingo

Lesbar Lyrik

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Mascha Kaléko: Träume, die auf Reisen führen. Gedichte für Kinder, mit Bildern von Hildegard Müller. dtv 2016, 168 S., Fr. 23.90

«Das lyrische Stenogrammheft» machte Mascha Kaléko berühmt; mit ihren geistreich-melodischen Strophen, in denen sie die Liebe und anderes Allzumenschliches verdichtete, war die 1907 im galizischen Chrzanóv geborene Lyrikerin Erich Kästner ebenbürtig. Weniger bekannt sind ihre Gedichte für Kinder, entstanden vor allem in den New Yorker Jahren, nachdem sie 1938 aus Nazi-Deutschland emigriert war. Aus den gesammelten Werken hat Eva-Maria Prokop nun eine schöne Auswahl getroffen, von Hildegard Müller mit feinem Humor und zartem Strich illustriert. Sicher ist manches Wort darin Kindern von heute nicht mehr so ganz geläufig – und damit auch nicht jedes Wortspiel unmittelbar einleuchtend. Umso schöner, wenn (Gross-)Eltern und Kinder Mascha Kalékos Gedichte gemeinsam entdecken und sich von ihren skurrilen, oft auch poetisch zarten Träumen auf Reisen führen lassen; etwa mit einem täglichen Gutenachtgedicht. «Zum Einschlafen und Träumen» gibt es ein eigenes Kapitel, aber auch fabelhafte Tiergedichte; Verse für jedes Wetter und jede Jahreszeit, gereimte Kochrezepte und überhaupt: eine Fülle wertvoller Rezepte für das Abenteuer Leben.

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Erwin Grosche: Und Löffel zu

Löffel ins Löffelfach. Mit Bildern von Lars Baus, Boje 2016, 62 S.,

Fr. 17.50

Im Gedicht hat alles Platz

Staubsauger, Klospülungen, Helikopter und Toaster sind praktische Sachen – doch selten ein Gedicht wert. Erwin Grosche, Kinderlyriker und Kabarettist aus Paderborn, sieht das anders: Er macht sich seinen Reim auf Nützlichkeit, Fleiss und Eigenarten der kleinen und grossen Helfer aus dem täglichen Leben. Manchmal liefert er gleich noch die Regieanweisung für den Vortrag mit. Zum Beispiel «begleitet mit Elektrozahnbürste» oder: «saug beim Sprechen die Buchstaben ein». Schwierig, denn Loskichern ist dabei garantiert. Grosche bedient sich bei Volksweisen und Schlagern, erzählt bekannte Märchen etwas anders und richtet sich mit überraschenden Wendungen an aufgeweckte Kinder und alle, die es bleiben wollen. Die Zeichnungen von Lars Baus machen augenzwinkernd das Eigenleben der Dinge sichtbar.

Bettina Kugler