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Lesetipps Familie: Knausgård mäht den Rasen

Ein literarisches Sommertagebuch aus Schweden und ein lebensklug erzählter amerikanischer Roman schauen Kindern beim Wachsen zu.
Bettina Kugler

Der ewige Sommer der Kindheit

In diesen heissen Augusttagen ist kein Buch nötig, um über Rasenmäher nachzudenken, über kurze Hosen, Campingplätze, Eiswürfel und Mücken, Schmetterlinge oder rote Johannisbeeren. Gleichwohl verstärkt die Lektüre der sommerlichen Miniaturen und Tagebuchaufzeichnungen in Karl Ove Knausgårds viertem Jahreszeitenband das Glück über die grosse Pause zwischen Juni und Anfang September – selbst wenn man keine Ferien macht, sondern die Tage im Büro verbringt. Mit der Genauigkeit eines Forschers beschreibt Knausgård die Dinge und Phänomene und kommt dabei zuverlässig ins vertraute autobiografische Erzählen und Philosophieren. Gewidmet ist der Band wie alle vier Jahreszeitenbücher seiner jüngsten Tochter. Wohltuende Haltepunkte im Strom der Selbstmitteilung setzen dabei die zart leuchtenden Aquarelle Anselm Kiefers.

Karl Ove Knausgård: Im Sommer. Mit Aquarellen von Anselm Kiefer. Luchterhand, 496 S., Fr. 35.–

Plötzlich Leihoma in Baltimore

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Diese Einsicht zieht sich wie ein roter Faden durch die Romane der 1941 geborenen Pulitzer-Preisträgerin Anne Tyler. Umbrüche und überraschende Wendungen sind ihr bevorzugter Stoff; meist passiert das Unerwartete dort, wo jedermann mitdenken, mitfühlen und mitreden kann: in der Familie oder der Paarbeziehung. Ein Unfall, der Verlust des sicher geglaubten Jobs werfen die Helden ihrer geradlinig, aber mit ironischem Biss erzählten Geschichten aus der Bahn einer durchschnittlichen Existenz. Im neuen Roman strukturiert Tyler das Leben der sympathisch unkomplizierten Hauptfigur Willa in Jahrzehntsprüngen. Die Kindheit mit einer exaltierten Mutter richtet keine bleibenden Schäden an. Den College-Abschluss opfert Willa einer frühen Ehe, die auch früh endet, denn Sunnyboy und Freewaydrängler Derek verursacht seinen Verkehrstod. Willa trauert, rappelt sich aber bald wieder auf; sie heiratet noch einmal, die Söhne werden selbstständig. Das wahre Leben hat Willa jedoch noch vor sich: Der Zufall ruft sie als Ersatzoma nach Baltimore. Dort wartet eine ganze Nachbarschaft von schrägen Typen auf sie. Ein wunderbarer Spielplatz für Tylers feine, treffende Figurenzeichnung.

Anne Tyler: Launen der Zeit. Kein & Aber, 350 S., Fr. 29.–

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