«Der dicke Zuckerguss, der typische Puccini-Sound ist weg»

Der Konstanzer Eckart Manke ist neuer musikalischer Leiter der Rathausoper Konstanz. Dort dirigiert «Gianni Schicci» als Kammeroper und freut sich auf musikalische Kontur und Schärfe.

Hans-Jürgen Becker
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Dirigent Eckart Manke leitet auch den Meisterkurs in Uttwil sowie das Collegium Musicum Ostschweiz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dirigent Eckart Manke leitet auch den Meisterkurs in Uttwil sowie das Collegium Musicum Ostschweiz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Konstanzer Eckart Manke ist an Opernhäusern und in Konzertsälen tätig, widmet sich aber ebenso der Chorarbeit. Er ist etwa künstlerischer Leiter der Internationalen Meisterkurse in Uttwil und dirigiert das alljährliche Preisträgerkonzert. Seit zwei Jahren leitet er das Collegium Musicum Ostschweiz, neu ist er musikalischer Leiter der Rathausoper Konstanz.

Sie debütieren mit Giacomo Puccinis komischer Oper «Gianni Schicci». Was gefällt Ihnen daran besonders?

Eckart Manke: Das Stück dauert eine Stunde, da ist keine Note zu viel. Nichts ist überflüssig. Die Handlung zeigt eine menschliche Unart, die Gier, und zu was sie fähig ist: erben zu wollen um ­jeden Preis. Nachdem Buoso Donati verstorben ist, setzen Erbschleicher alles daran, das hinterlassene Vermögen zu kassieren, auch vor Testamentsfälschung schrecken sie nicht zurück. Am Ende gehen sie dennoch leer aus. Ein grossartiges Stück! Wie die Charaktere von Puccini gezeichnet werden. Vielleicht eine der besten Puccini-Opern. Eine Liebesgeschichte wird eingeflochten, um dem Erbgezänk etwas Reizvolles beizumischen. Da kommt dann die bekannte «Papa-Bezirz-Arie» «o mio babbino caro» vor, die Lauretta singt, um endlich ihren Rinuccio freien zu dürfen.

Unterstreicht Puccini die komischen Momente der Handlung musikalisch?

Die Erbschleicher weinen erstmals ehrlich, als sie merken, nicht im Testament bedacht worden zu sein, das ist ein komischer Moment. Wie Schopenhauer sagt: Das Komische ist die paradoxe Unterordnung von Dingen, wenn etwas nicht zusammengeht. Das zeigt Puccini, wenn jemand umgarnt wird, der nicht wirklich gemocht wird. Das ist auf geistreiche Weise komisch. Und komisch sind nicht die Leute auf der Bühne, sondern vielmehr die Situationen, in die sie geraten.

Freiluftaufführungen ­gewinnen durch den Zauber ihres Ortes. Wie sieht es mit der Akustik des schönen Renaissance-Innenhofs im Konstanzer Rathaus aus?

Da die Proben vor Ort erst beginnen, fehlt mir die akustische Erfahrung hier noch. Das wird sich zeigen. Wir führen eine kammermusikalische Fassung der Oper auf. Was bei grosser Besetzung zur Farbe wird, gerät hier zur Kontur und Schärfe. Der dicke Zuckerguss, der typische Puccini-Sound ist weg, das ist gewollt. Und sicher wird es spannend klingen. Wir möchten echte Kammeroper geben.

Haben Sie einen Favoriten für das kommende Jahr?

Den gibt es bereits, aber ich verrate nichts vorher. Das erfährt der Förderverein der Rathausoper frühestens im Dezember.

Wie heissen Ihre Lieblings-­Opernkomponisten?

Für mich sind das die drei grossen Opernkomponisten: Mozart, Verdi und Wagner. Aber auf meine alten Tage entdecke ich Puccini neu. Übrigens habe ich früher in Mannheim einmal «Madame Butterfly» dirigiert. Puccini ist wirklich ein grossartiger Komponist, den man schnell unterschätzt, da er als nicht sonderlich intellektuell anspruchsvoll gilt und oft als Meister des oberflächlichen Glanzes ab­getan wird. Dabei hat Puccini wirklich Substanz und echtes Genie.

«Gianni Schicci», 17.–24.8., rathausoper.de

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