Der Dicke, die Depressive, das kleine Glück

Der isländische Regisseur Dagur Kári mag ungewöhnliche Protagonisten. Bereits im Spielfilmdébut «Noi Albinoi» erzählte er von einem Aussenseiter, der zu sich selbst findet.

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Szene aus «Virgin Mountain». (Bild: pd)

Szene aus «Virgin Mountain». (Bild: pd)

Der isländische Regisseur Dagur Kári mag ungewöhnliche Protagonisten. Bereits im Spielfilmdébut «Noi Albinoi» erzählte er von einem Aussenseiter, der zu sich selbst findet. In «Virgin Mountain», seiner ebenso schrägen wie berührenden Tragikomödie, die am New Yorker Tribeca-Filmfestival drei Preise gewann, ist das nicht anders. Sein Held ist der dicke Mittvierziger Fúsi (Gunnar Jónsson). Der Flughafenangestellte lebt noch bei seiner Mutter, die ihm jeden Morgen einen Znüni zubereitet, während er sein Müsli isst und Milch trinkt. Sein Tag ist von Routine geprägt, wozu einmal in der Woche ein Besuch im Thai-Restaurant gehört, wo er stets das Gleiche bestellt. Hobbies: ferngesteuerte Autos und ein Tisch mit einem legendären ägyptischen Schlachtfeld, wo er mit Spielzeugsoldaten und Panzerli Schlachten nachstellt.

Grosse Hülle, grosses Herz

Im schüchternen Einzelgänger mit der grossen Hülle steckt eine herzensgute Seele. Das merkt Nachbarsmädchen Hera sofort, die Fúsi gelegentlich bittet, mit ihr zu spielen – etwas, was den gutmütigen Mann in für ihn völlig unverständliche Schwierigkeiten bringt.

Es ist dann die fast gleichaltrige Sjöfn, die er beim Tanzkurs kennenlernt, die Gefühle in Fúsi weckt. Und ihm bewusst macht, dass sein Leben schöner und vielfältiger sein könnte. Aber so einfach wird das nicht. Denn dies ist keine formelhafte Aussenseiter-Romanze; die wunderbar lakonisch erzählte Geschichte verläuft nicht in vorhersehbaren Bahnen. «Das Ende sollte ganz klein, aber eben doch auch gross sein», sagt Regisseur Dagur Kári. Eben ein prächtiges isländisches Happy-End.

Andreas Stock

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