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Dieser demütige Altmeister trifft stets den Kern der Musik

Heute feiert der Ausnahme-Dirigent Bernard Haitink seinen 90. Geburtstag. Trotz seines hohen Alters ist er noch immer dirigierend unterwegs – gerne mit Anton Bruckner und oft auch in der Schweiz.
Rolf App
Dirigieren sei auch ein wenig die Kunst des Weglassens, sagt Jubilar Bernhard Haitink. (Bild: Eveline Beerkircher)

Dirigieren sei auch ein wenig die Kunst des Weglassens, sagt Jubilar Bernhard Haitink. (Bild: Eveline Beerkircher)

Er sucht das Rampenlicht nicht. Man braucht Bernard Haitink nur einmal zuzuschauen, wie er auf die Bühne kommt. Oder ihn zu beobachten, wenn er den Applaus entgegennimmt. Beinahe verlegen steht er dann da. Und demütig. Das Wort fällt rasch, wenn Michael Haefliger, der Intendant des Lucerne Festival, den Mann beschreibt, der unter den Dirigenten einen Ausnahmerang belegt und der heute seinen 90. Geburtstag begeht.

«Haitink war immer ein Künstler, der sich nicht in den Vordergrund drängte. Das hat sich mit zunehmendem Alter eher noch verstärkt. Seine Interpretationen sind grossartig, denn er trifft den Kern einer Partitur. Und er hat dem Lucerne Festival viel geschenkt: mit seinen Beethoven-, Brahms- und Schumann-Zyklen, und mit dem Chamber Orchestra of Europe, das für uns ein zweites Festivalorchester ist», sagt Haefliger. Haitink selbst hat dieses Orchester, das er von Claudio Abbado übernommen hat, in der «Luzerner Zeitung» «ein Geschenk in den späten Jahren» genannt und dessen «unglaubliches Engagement» hervorgehoben: «So kommt es vor, dass ich mit Proben aufhören will und die Musiker weitermachen wollen. Das sind fantastische Vor­aussetzungen.»

«Ein wunderbarer Mensch mit grossartigem Humor»

Immer weitermachen: Das ist die Devise eines Dirigenten, der nicht ans Aufhören denkt, weil er im Strom der Musik sein Alter gar nicht mehr spürt. Fast drei Jahrzehnte an der Spitze des Concertgebouw-Orchesters, lange Jahre beim London Philharmonic Orchestra, an der Royal Opera London und beim Boston Symphony Orchestra sind vergessen, wenn Bernard Haitink vor ein Orchester tritt. So hat ihn denn Ilona Schmiel, die Intendantin des Tonhalle-Orchesters Zürich, bei seinem letzten Auftritt im vergangenen September als «ausgesprochen energiereich» erlebt. «Er ist ein wunderbarer Mensch mit grossartigem Humor. Und er verfügt über natürliche Autorität. Faszinierend ist, wie er sie einsetzt. Denn er sagt nicht: Das muss so oder so interpretiert werden. Sondern er lässt sich ein auf die Eigenheit jedes Orchesters, das er leitet.»

Bei diesem Zürcher Auftritt habe Haitink «wie so oft, seit er 1964 ein erstes Mal bei uns dirigiert hat, Bruckner aufs Programm gesetzt.» Eine Musik, die er liebt und bewundert, über die er aber auch sagt: «Sie muss ein Erlebnis sein, keine Routine.» Denn Routine ist das Schlimmste, was grosser Musik drohen kann. So hat denn Haitink selber seine eigenen Interpretationen immer wieder überdacht, hat etwa Beethoven in seinem Luzerner Zyklus ein beweglicheres, schärferes Klangbild verliehen, als er es selbst gelernt hat.

Nicht nur in Sachen Interpretation ist Bernard Haitink ein staunend Lernender geblieben. Noch etwas anderes hat er gelernt: Dass weniger oft mehr ist. «Die Kunst des Dirigierens ist auch ein bisschen die Kunst des Weglassens», sagt er. «Man fängt an, dass man viel unnötige Sachen macht als junger Dirigent. Und das nützt einem Orchester nichts.»

Dirigieren ist die Kunst des Weglassens

«Natürlich muss man ein Orchester leiten, aber noch wichtiger ist, dass man ein Orchester motiviert und inspiriert.» Und weil er selber schon in jungen Jahren an die Spitze des Concertgebouw-Orchesters gerückt ist – «viel zu früh», wie er heute sagt –, hat Haitink auch ein grosses Herz für junge Dirigenten bewahrt.

In Dirigierkursen in Luzern und Zürich bringt er ihnen bei, wie aus den toten Noten einer Partitur lebendige, atmende Musik wird. Und er versucht auch da, sich auf jeden Teilnehmer einzulassen. Amüsiert hat er dem «Tages-Anzeiger» erzählt, ein grosser Dirigent habe einmal zu einem seiner Schüler gesagt: «Aha, du sagst also dem Herrn Haitink, was er tun soll. Das fand ich lustig. Vielleicht ist es ja so. Aber man muss nun mal einen eigenen Weg finden, auch wenn das schwieriger geworden ist.»

Bevor er vor ein paar Jahren nach London umgezogen ist, hat Bernard Haitink zusammen mit seiner Frau Patricia am Vierwaldstättersee gewohnt. Eine Scheune seines Hauses hat er zu einem Konzertraum umbauen lassen. «Er hat dann Kammerensembles eingeladen», erzählt Michael ­Haefliger, «und ihnen mit grossem Interesse zugehört. Dabei hat er sich – typisch für ihn – gern nach hinten gesetzt.»

Haitink live erleben an Ostern in Luzern

Wer Bernard Haitink aber vorne erleben will, als Dirigenten, der hat bald Gelegenheit. Schon am 14. April steht sein nächster Auftritt in Luzern an. Haitink wird am Abschlusskonzert des Oster-Festivals das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks leiten, zuerst den Pianisten Till Fellner bei Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 503 begleiten und dann Bruckners sechste Sinfonie in Angriff nehmen.

Anton Bruckner wird wiederkehren im Sommer-Festival, wenn Haitink mit den Wiener Philharmonikern gastiert (und ausserdem mit dem Chamber Orchestra of Europe mit Schubert und Mahler).

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