Der Blues Brother

Das Bluesfestival Frauenfeld hat sich in sechs Jahren als wichtigster Musikanlass neben dem Open Air und dem zweijährlichen Jazzfestival Generations etabliert. Wer ist der Mann, der im Frühling die Thurgauer Hauptstadt nach Downtown Chicago klingen lässt?

Dieter Langhart
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Für einmal privat: Rudolf Laubacher, der künstlerische Leiter des Bluesfestivals Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

Für einmal privat: Rudolf Laubacher, der künstlerische Leiter des Bluesfestivals Frauenfeld. (Bild: Dieter Langhart)

FRAUENFELD. Rudolf Laubacher sagt Sätze wie: «Ich bin ein Idealist und ein Schaffer.» Oder: «Blues ist keine Blasmusik.» 2010 hat er den Blues nach Frauenfeld gebracht. Der Stadt sagte er damals, er benötige vier, fünf Jahre, bis das Festival einen Namen habe. Sie hat seine Idee von Anfang an unterstützt.

Neben Luzern, Basel und Baden hat sich Frauenfeld «fest etabliert im Schweizer Blueskalender», hat «Jazz'n'More» schon vor zwei Jahren geschrieben. Das Bluesfestival Frauenfeld ist Jahr für Jahr gewachsen, nach zwei Jahren aus den Nähten geplatzt und vom Casino in die Festhalle Rüegerholz umgezogen. Unter dem Motto «Blues for the Ladies» geht es in die sechste Runde mit Zugpferd Zakiya Hooker, der Tochter des legendären John Lee Hooker. Das Festivalbudget beträgt inzwischen 180 000 Franken, unter den Besuchern sind die Thurgauer inzwischen in der Minderheit.

«Eine kleine Familie»

Drei Jahre hat Laubacher das Festival allein gestemmt, dann gründete er einen Verein. Weil der Blues Brother heuer 76 wird, hat ihn der Stadtammann «wie weiter?» gefragt. Nächstes Jahr übernimmt Andrea Läderach die Festivalleitung, er bleibt künstlerischer Leiter.

Denn er ist derart gut vernetzt in der Szene, dass er innert 24 Stunden eine Ersatzband auftreiben kann, sollten Künstler plötzlich erkranken. Schon zweimal hat er das tun müssen. «Die Blues-Familie ist eine kleine Familie.» Laubacher kennt die Musiker, die er einlädt, manche sind Freunde geworden.

Stets ist Rudolf Laubacher voller Tatendrang gewesen. Er liebte edle Pferde, gründete den Verein Achal-Tekkiner und veranstaltete Pferdeshows in ganz Europa. Geld habe das kaum eingebracht: «Ich bin ein Idealist.» Gut verdient hat er später im EDV- und Bankensektor: «Ich war immer auf Achse und nie daheim.» Was sich nicht für das Eheleben geeignet hat.

Folgt der Liebe in den Thurgau

Um die Jahrtausendwende entschliesst sich Rudolf Laubacher, das zu tun, was ihm Freude bereitet, und widmet sich seiner Leidenschaft, dem Blues. Flims bekommt sein Festival, dann Frauenfeld. Hier lebt er seit sechs Jahren, der Liebe wegen. «Alles, was man tut im Leben, ist eine Beziehungsangelegenheit.» Laubacher besitzt die grösste Blues-Platten-Sammlung in der Ostschweiz und spielt daheim noch immer Tenorsax und Klarinette.

2011 bringt Laubacher den Blues auch nach Münchwilen, doch in der «Bluesfabrik» reicht das Budget nicht für bekannte Bands, die ausreichend Publikum in den Hinterthurgau locken. Vor einem Monat hat er deshalb als künstlerischer Leiter eine Konzertreihe im Frauenfelder «Dreiegg» gestartet.

Möglichst exklusiv

Weit über 300 Musiker und Bands hat Laubacher in all den Jahren verpflichtet, darunter zweimal den Thuner Philipp Fankhauser, die Kanadierin Shakura S'Aida, den Texaner Eugene Hideaway Bridges. Wann immer exklusiv, wie heuer Zakiya Hooker und den Dänen Mike Andersen, der nach ihr die Long Blues Night beschliesst.

Laubacher hat 10 000 Franken in bessere Technik investiert, hat die Bühne erneut verbreitert, den VIP-Bereich nochmals vergrössert, Clips auf die Webseite geladen. Fast alle der 300 Sponsorenplätze sind verkauft. Zwölf davon hat der Bandleader und Wahlfrauenfelder Pepe Lienhard erstanden – zwölf auch Rudolf Laubacher selbst. Aber letztlich ist Rudolf Laubacher seine eigene Defizitgarantie.

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