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«Der Bestatter» war weit mehr als Mike Müller – eine Bilanz in 7 Punkten

Heute wird die letzte Folge von «Der Bestatter» ausgestrahlt. Sieben Gründe,
warum diese Serie mehr war als die mächtige Hauptfigur Luc Conrad alias Mike Müller.
Rolf App
Martin Ostermeier als Dr. Alois Semmelweis, Samuel Streiff als Reto Doerig, Barbara Terpoorten als Anna-Maria Giovanol und Mike Müller als Luc Conrad als Bestatter. (Bild:: SRF/Sava Hlavacek)

Martin Ostermeier als Dr. Alois Semmelweis, Samuel Streiff als Reto Doerig, Barbara Terpoorten als Anna-Maria Giovanol und Mike Müller als Luc Conrad als Bestatter. (Bild:: SRF/Sava Hlavacek)

Heute Abend ist also Schluss, zum vierzigsten Mal ermittelt der Bestatter. Mit der siebten und letzten Staffel gehen Luc Conrad (Mike Müller) und Fabio Testi (Reto Stalder) beruflich wieder andere Wege. Müller wird man schon bald im Zirkus wiedersehen. Zeit also, in sieben Punkten Bilanz zu ziehen, und dabei für einmal nicht auf die unüberschaubar mächtige Hauptfigur zu schauen. Denn «Der Bestatter», das war weit mehr als Mike Müller. Sondern auch:

1. Semmelweis

Zu Beginn war da ein wortkarger Gerichtsmediziner mit berufs­bedingt makabrem Humor und ­österreichischem Akzent. Doch dann ist Martin Ostermeier als dieser Semmelweis mehr und mehr aufgeblüht, hat Luc Conrad nach dem Brand seines Bestattungsunternehmens sogar bei sich aufgenommen, mit ihm gekocht – und geredet wie ein Wasserfall. Seinem schrägen Wesen hat dies keinen Abbruch getan. Und seine Hemden waren Kult.

2. Erika Bürgisser

Sie hat ihre beiden Bestatter im Griff, was auch dringend nötig ist. Sie bugsiert sie sogar durch private Krisen, etwa indem sie Fabio Testi bei einer Dating-Plattform anmeldet. Ja, Suly Röthlisberger lässt als die gute Seele des Bestattungsunternehmens nichts anbrennen und bewahrt sich ein erfrischendes Mass an Unkonventionalität, obwohl sie nicht mehr jung ist. Doch trotz ihrer Umsicht kann Erika manches nicht verhindern. Zum Beispiel, dass Pfarrer und Trauergesellschaft zähneknirschend auf die eine oder andere Urne warten müssen, weil Luc Conrad gerade einen Fall löst und alles andere vergessen hat.

3. Fabio Testi

Zu Beginn ist er dieser seltsame Goth-Freak namens Fabio Testi, den kein normaler Bestatter je einstellen würde, und den Reto Stalder mit viel Liebe zum Detail spielt. Dann aber wandelt er sich, und kommt am Ende in unserer Welt an. «Och, der Fabio schaut gar nicht mehr so goth aus», merkt eine Beobachterin im Netz an. Und fügt hinzu: «Wir werden wohl alle konservativer mit dem Alter.» Jetzt ist der sensible Mann schon fast eine Mustervorlage für jenen «neuen Mann», über den der «Club» zwei Sendungen lang diskutiert hat.

4. Reto Doerig

Unter seinen Bekannten hat jemand eine Umfrage veranstaltet darüber, wer unter den «Bestatter»-Figuren ihr Favorit sei. Gut abgeschnitten hat mit 32 Prozent Mike Müller als Luc Conrad – aber noch besser, mit 34 Prozent, «Spinnschenart Dörig». Gemeint ist mit Reto Doerig der wohl ungeschickteste Polizeibeamte weit und breit – und sicherlich auch der charmanteste. Das ist das Werk von Samuel Streiff; wenn er Fragen stellt, blitzt in seinen ­Augen Schläue auf. Sein argloses Wesen täuscht, andererseits geht ihm so mancher Verdächtige zunächst einmal durch die Lappen. Was aber nicht immer ihm selber anzulasten ist. Denn oft ist dieser Doerig auch auf sich allein gestellt. Was uns zum nächsten Punkt führt.

5. Aargauer Kantonspolizei

Wie effizient doch im schönen Mittelland gearbeitet wird. Die Aargauer Kantonspolizei hat keinen Chef, grössere Aufmärsche sind auch selten, Staatsanwalt oder Untersuchungsrichter: nicht nötig. Anna-Maria Giovanoli – von Barbara Terpoorten wenig überzeugend verkörpert – und Reto Doerig regeln die Dinge gern allein, bestenfalls begleitet von einer Pistole, was aber auch eher den Ausnahmefall darstellt. Besonders erfolgreich amten sie nicht, statistisch betrachtet. Denn der Blutzoll im friedlichen Aarau ist hoch. Vielleicht sollte man sich Verstärkung überlegen.

6. Tschudi, Gnädinger, Gemsch & Co.

Spätestens in der letzten Staffel wird klar, wie sehr «Der Bestatter» vom Kleinen, Feinen lebt. Esther Gemsch und Patrick Frey bekommen zwei Kurzauftritte, die sie mit ihrem enormen Können ebenso ausfüllen wie in früheren Staffeln Mathias Gnädinger und Gilles Tschudi. Manche Szene bekommt ihren Witz erst durch das richtige Timing. Etwa, wenn Doerig mit seiner Tochter und ihrem neuen Liebhaber beim Morgenessen sitzt, er durch Nachfragen herauszufinden sucht, wer der junge Mann denn nun ist, und die Tochter ins allgemeine Schweigen hinein fragt: «Papi, musst Du nicht arbeiten?» Worauf der antwortet: «Es gibt Wichtigeres als Arbeiten.»

7. Die Handlung

Man ist, am Ende eines sehr erfolgreichen Unternehmens, wie es «Der Bestatter» ist, auch als Kritiker milde gestimmt. Gleichwohl hinterlässt manches keinen besonders überzeugenden Eindruck. Unglaubwürdig wirkte das Liebespaar Anna-Maria Giovanoli und Luc Conrad. Ab und zu musste etwas hingebogen werden, um den einen Fall abzuschliessen, und den andern Staffel-übergreifend fortzuführen. Dennoch etwas Positives zum Schluss: Nach dem Start hob die Schweizerische Bischofskonferenz hervor, wie selbstverständlich und würdevoll mit dem Thema Tod umgegangen werde. Und kritisierte, dass in der ganzen ersten Staffel kein Pfarrer vorgekommen sei. Das hat sich stark gebessert.

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