Der besondere Rilke

Hörbuch Es ist ein seltsam schönes Projekt, das die Komponisten Angelica Fleer und Richard Schönherz seit mehreren Jahren verfolgen - und für das sie mit dem internationalen Buchpreis «Corine» ausgezeichnet worden sind: Texte des Dichters Rainer Maria Rilke, gelesen von

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Hörbuch

Es ist ein seltsam schönes Projekt, das die Komponisten Angelica Fleer und Richard Schönherz seit mehreren Jahren verfolgen – und für das sie mit dem internationalen Buchpreis «Corine» ausgezeichnet worden sind: Texte des Dichters Rainer Maria Rilke, gelesen von eindrucksvollen Stimmen und begleitet von eigenwillig-stimmungsvoller Musik.

«Weltenweiter Wandrer» ist der vierte Teil des Vorhabens, das, wie die Liste der Beteiligten zeigt, stets breiteren Sukkurs bekommt. Man hört Katja Flint und Hannelore Elsner, man vernimmt Hardy Krüger und Pater Maffay. Patricia Kaas rezitiert Rilke auf Französisch, und jedes Gedicht bekommt seine eigene Orchestrierung, die vom Flügelhorn bis zum Kontrabass und bis zu Sol Gabettas Cello reicht. Auch die Gedichte sind anhand der Stimmen ausgewählt, zu denen sie passen sollen.

Und während sich Sprecher und Gesprochenes aufeinander abstimmen, wird separat Musik eingespielt. Nicht wenige Produktionsabschnitte entstanden am anderen Ende der Welt: Bei Salif Keita in Mali, bei Patricia Kaas in Südfrankreich oder bei Hardy Krüger in Palm Springs. Es ist, mit anderen Worten, ein traumhaftes Vorhaben, das den Zuhörer, die Zuhörerin leicht fortträgt.

Rilke Projekt – Weltenweiter Wandrer, Sony Music, Fr. 29.90

Der skurrile Sterne

Bescheiden war der Autor nicht, obwohl er, als Provinzgeistlicher, im grossen London keinen Namen hatte. Doch kaum waren 1759 die ersten zwei Bände von «Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman», draussen, mutierte Laurence Sterne zum Salonlöwen.

Fleissig blieb er trotzdem, obschon es im Begleitheft dieses nicht weniger als 22 CDs umfassenden, von Harry Rowohlt gelesenen Hörbuchs heisst, Sterne sei «notorisch faul» gewesen– ein «Träumer, Lebemann, Exzentriker und Hypochonder», der 1768 vereinsamt mit 55 starb. «Leben und Ansichten von Tristram Shandy» aber ist ein Monumentalwerk voller Abschweifungen, das bis heute seinen Charme bewahrt hat.

Ein frühes Zeugnis experimenteller Literatur, dessen titelgebende Figur bis zum Ende des dritten Bandes braucht, bis sie überhaupt zur Welt kommt. Dafür schweift Sterne unzählige Male in die entlegensten Felder skurriler Theorien ab – was nicht nur Lese-, sondern auch Hörvergnügen ist.

Laurence Sterne: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman. Alle neun Bände gelesen von Harry Rowohlt, Eichborn-Verlag, Frankfurt, Fr. 77.–

Rolf App

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