Der Balladen-Flüsterer

Nach Jahren als Strassenmusiker gelang Mike Rosenberg alias Passenger der Durchbruch. Er selbst hatte nicht daran geglaubt. Im Juli steht er in Montreux und Luzern auf grossen Bühnen.

Reinhold Hönle
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Mike Rosenberg alias Passenger spielte jahrelang auf der Strasse. Auch in der Schweiz. Aber nur einmal. (Bild: pd)

Mike Rosenberg alias Passenger spielte jahrelang auf der Strasse. Auch in der Schweiz. Aber nur einmal. (Bild: pd)

Wann haben Sie das letzte Mal jemandem ins Ohr geflüstert?

Mike Rosenberg: Das ist länger nicht passiert. Ich habe das Album «Whispers» (Geflüster) getauft, weil die Welt, in der wir leben, lärmig und laut ist, auch visuell. Es ist ein steter Angriff auf die Sinne, der kaum Raum lässt, Stille zu finden.

Seit Ihrem Durchbruch dürfte das für Sie noch schwieriger sein…

Rosenberg: Ja, einige der Lieder sind entstanden, als «Let Her Go» zum Hit wurde. Ich war begeistert, aber es hat mir auch Angst gemacht. Ich hatte zehn Jahre auf der Strasse und in Pubs gespielt. Und plötzlich hat sich mein Leben verändert.

Sind Sie der Balladen-Flüsterer?

Rosenberg: Ich flüstere nicht nur, sondern schreie auch. So hört man auf meiner sechsten CD auch bissige und laute Elemente.

Wünschte das die Plattenfirma, weil Radios fröhliche Songs spielen?

Rosenberg: Da ich «Whispers», wie alle Alben selbst finanziert habe, muss ich mir von keinem etwas sagen lassen. Ich habe die totale Kontrolle, auch in Bezug auf meine Videos, meine Kleider und meinen Bart!

Fühlen Sie sich heute freier?

Rosenberg: Früher bin ich ohne Terminplan herumgereist. Der Druck war weniger gross. Aber die letzten anderthalb Jahre waren phantastisch. Ich habe unglaubliche Dinge erlebt und bin an wunderbare Orte gereist.

Wie hat Sie die Zeit als Strassenmusiker geprägt?

Rosenberg: Ich habe Erwartungshaltungen aufgegeben, habe mir gesagt: Du wirst keinen Nr.1-Hit haben, keinen Plattenvertrag und du wirst auf keine grossen Bühnen treten. Aber dafür habe ich immer die Musik gemacht, die ich liebe und auf die ich stolz bin. Ich war glücklich, kleine Gigs vor wenigen Fans zu spielen.

Haben Sie gleich gespürt, dass «Let Her Go» etwas Besonderes ist?

Rosenberg: Ich habe nur 45 Minuten gebraucht, um «Let Her Go» zu schreiben. Ich fand, dass die Melodie etwas Spezielles hat und der Text einfach, aber ergreifend ist. Aber ich habe nie gedacht, dass das eine Hitsingle sein und mein Leben verändern könnte.

Wer hat damals an Sie geglaubt?

Rosenberg: Meine Familie, meine Freunde und mein Manager. Alle haben mich unterstützt, sogar, als ich kein Geld hatte und nicht wusste, was ich tun soll.

Nun haben Sie Geld und sich ein Haus gekauft, werden Sie sesshaft?

Rosenberg: In den letzten Jahren war ich ständig auf Achse und wohnte bei meiner Mutter. Das war schön, aber nicht sehr cool für mein Alter! Nun bin ich 30 Jahre alt und gebe immer noch gerne Konzerte, auch auf der Strasse. Aber ich finde es schwierig, aus dem Koffer zu leben. Da fühle ich mich nicht geerdet.

Und wie spielt es sich als Strassenmusiker in der Schweiz?

Rosenberg: Das war schwierig! Die Polizei war sehr streng. Ich habe es deshalb nur einen Tag lang gemacht.

Passenger: «Whispers» (Warner Music). Live: 7. Juli, Jazz Festival, Montreux/19. Juli, Blue Balls, Luzern

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