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Klangausstellung in Gais: Bienen krabbeln durch den Schopf, der Bach rauscht durch den Synthesizer

Ab morgen tönen in Gais wieder die Holzhütten. In der Ausstellung «Klang-Moor-Schopfe» können die Besucher ein Bienenvolk belauschen und hören, wie der PH-Wert eines Baches klingt.
Roger Berhalter
Hinten der Schopf, rechts der Bienenstock, vorne der Klangkünstler: Ludwig Berger vor seiner Installation in Gais. Bild: Lisa Jenny

Hinten der Schopf, rechts der Bienenstock, vorne der Klangkünstler: Ludwig Berger vor seiner Installation in Gais. Bild: Lisa Jenny

Es knackt im Schopf. Der Boden vibriert, ebenso die Wände, weil mehrere verschraubte Lautsprecher das Holz zum Schwingen bringen. «Wir hören jetzt wie die Bienen», sagt der Klangkünstler Ludwig Berger. «Auch sie nehmen Vibrationen mit den Füssen wahr.» Das Knacken und ­Vibrieren stammt von Bienen, denn Berger belauscht gerade ein Bienenvolk.

Draussen auf der Wiese steht ein detailgetreues Minimodell des Schopfes. Ein Bienenhäuschen der anderen Art, das Berger mit Mikrofonen bestückt hat. Krabbeln die Bienen draussen über die Waben, knackt es drinnen im Schopf. Die Hütte wird zum Klangkörper, der Besucher wähnt sich mitten im Bienenstock.

80 Muscheln aus Plastik

Ludwig Berger ist einer von fast 20 Künstlerinnen und Künstler, die ab morgen zur Ausstellung «Klang-Moor-Schopfe» in Gais laden. Zum zweiten Mal nach 2017 verwandeln sich elf übers Hochmoor verstreute Holzhütten vorübergehend in Ausstellungsräume. Der Schopf wird zur Kunstinstallation, das Moor zur Galerie, das Schützenhaus zum Künstlertreffpunkt und zum Schauplatz von Konzerten und Diskussionen.

Festivalchef Patrick Kessler (Bild: Lisa Jenny)

Festivalchef Patrick Kessler (Bild: Lisa Jenny)

«Mit Stammtischatmosphäre und mit Gschwellti», verspricht Patrick Kessler. Der Kontrabassist aus Gais steckt hinter «Klang-Moor-Schopfe» und hat erneut die künstlerische Leitung. Dank ­guter Kontakte vor Ort konnte er die Bauern wiederum davon überzeugen, ihre Schopfe zu räumen und Künstlern aus aller Welt zu überlassen.

So wie Marco Barotti. Der hagere Berliner mit italienischen Wurzeln hat den Boden eines Schopfes mit Erde bedeckt und 80 durchsichtige Muscheln aus Plastik darauf verteilt. Er drückt eine Taste auf seinem Laptop, und die Muscheln beginnen zu sirren und zu zittern. Wie Wellen fegen Klänge über den Muschelboden hinweg.

Klangkünstler Marco Barotti. (Bild: Lisa Jenny)

Klangkünstler Marco Barotti. (Bild: Lisa Jenny)

Sie stammen vom nahe gelegenen Rotbach, wo Sensoren ständig Werte wie PH-Wert und Sauerstoffgehalt des Wassers messen. Der Bach ist drahtlos mit dem Schopf verbunden, wo Barottis Laptop die Daten in Musik übersetzt. Der Bach spielt sozusagen Synthesizer und interpretiert auf poetische Weise die Wasserqualität des Gaiser Gewässers.

Die sirrenden Muscheln auf dem Erdboden. (Bild: Lisa Jenny)

Die sirrenden Muscheln auf dem Erdboden. (Bild: Lisa Jenny)

Auf einem Spaziergang von Schopf zu Schopf begegnet dem Ausstellungsbesucher überall die grosse Welt. Im «Noise Aquarium» kann er zum Beispiel mit einer Virtual-Reality-Brille ins Meer tauchen und mit Pantoffeltierchen Kontakt aufnehmen. In einem weiteren Schopf sind aktuelle Videos aus dem brasilianischen Amazonas zu sehen, aufgenommen kurz vor den aktuellen Waldbränden.

Gleichzeitig ist «Klang-Moor-Schopfe» stark lokal verwurzelt. Am deutlichsten zeigt sich dies im Schopf von Georg Breinschmid und Theresa Pewal.

Georg Breinschmid und Theresa Pewal. (Bild: Lisa Jenny)

Georg Breinschmid und Theresa Pewal. (Bild: Lisa Jenny)

Die beiden österreichischen Musiker sind im Mai zwei Tage lang mit dem Mikrofon durch Gais spaziert und haben Passanten befragt. Anschliessend hat Breinschmid – er ist einer der besten Bassisten Europas – die aufgenommenen Wörter und Sätze zu kurzen Liedern montiert. Gais wird so selber zur Klanginstallation.

Elf Schopfe im Moor

Das Klangfestival «Klang-Moor-Schopfe» findet auf elf Holzschopfe verteilt im Hochmoor von Gais statt. Die Ausstellung ist vom 30.8. bis 8.9. täglich von 10–19 Uhr geöffnet. Tickets sind vor Ort erhältlich. Das Gelände ist ab Bahnhof Schachen (auf der Strecke Gais-Altstätten) in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar. Anreise-Infos sowie Infos zum Rahmenprogramm gibts hier.

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