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DER ANDERE BLICK: «Den Leib können sie töten»

Sarah Sophia Meyer verkörpert in einem Film zum 500. Geburtstag von Huldrych Zwingli dessen Ehefrau Anna Reinhart. In der Fiktion nimmt sie Gestalt an.

Ungewöhnliches spielte sich in den Wochen vor Ostern im Zürcher Grossmünster ab. Die Statue des während fünf Jahrhunderten verbannten heiligen Antonius kehrte ebenso in die Kirche zurück wie der Choraltar mit Felix und Regula. Zudem vielerlei Zierrat, biblische Wandmalereien und das goldene Kreuz über dem Chorgestühl. Ein reaktionärer Akt? Eine neuerliche Gegenrefor­mation?

Um allfälligen Befürchtungen von Zürcher Zwinglianern vorzubeugen: Durch das Grossmünster wird auch nach Ostern durch und durch reformiert-nüchterne Luft wehen. Allerdings diente die Kirche mit den beiden markanten Doppeltürmen zuvor als vorreformatorische Kulisse für eine grosse Schweizer Filmproduktion, die sich pünktlich zum 500. Geburtstag des Reformators Huldrych Zwingli mit dessen Wirken befassen wird.

Spannend dabei ist nicht nur, dass das Bild des lange als humorlos und lustfeindlich beschriebenen Leutpriesters Zwingli gründlich revidiert wird. Noch spannender ist, dass die Geschichte aus der Perspektive seiner Frau Anna Reinhart erzählt wird. Dargestellt wird sie von der Schweizer Schauspielerin Sarah Sophia Meyer, die auf deutschen Bühnen ebenso wie in Fernsehfilmen Sinn für Sensibles und Tragisches verriet. Jedenfalls ist es eine schöne Vorstellung, Anna Reinhart mit den Augen von Sarah Sophia Meyer auf das Leben mit jenem Zwingli zurückblicken zu sehen, der ein den weiblichen Reizen und leiblichen Genüssen durchaus zugetaner Mensch war.

Turbulent war das Leben des Reformators, turbulent war auch jenes seiner Frau, die zuerst seine geheime Geliebte war, ehe sie den Bund der Ehe mit Zwingli schloss. Eine starke Frau war sie, ähnlich wie Katharina von Bora, die Frau von Luther, wie anzunehmen ist. Jedenfalls lässt Grossmünster-Pfarrer und Zwingli-Nachfolger Christoph Sigrist in seiner Romanbiografie das Bild einer ebenso geprüften wie prüfenden Frau erstehen. Fiktional ist vieles, weil es von Anna Reinhart weder Abbildungen noch Schriften gibt.

Doch das tut weder dem Buch Abbruch, noch wird es dem Film schaden. Ganz im Gegenteil. Weil sie durch Wort und Bild Gestalt annimmt. Nicht im Spiegel Zwinglis, sondern als Figur auf Augenhöhe. Mit eigenen Sorgen und Nöten. Mit eigenen Freuden. Mit eigenem Zu- und Widerspruch. Als Frau, deren Eheschliessung zur Spaltung zwischen Altgläubigen und Protestanten führt, als Mutter, die mit dem Krieg hadert, der ihr Sohn, Bruder und Gatte nimmt, als Zeitzeugin, welche die religiösen und politischen Verwerfungen am eigenen Leib erlebt.

Solches scheint auf, wenn man dieser Tage die Schritte durch das eindrückliche Hauptschiff des Grossmünsters lenkt, den Blick zu den Giacometti-Fenstern schweifen lässt und Zwingli zu predigen hören vermeint: «Den Leib können sie töten, die Seele nicht.» Auch eine Art Osterbotschaft. Eine, die auch von Anna Reinhart stammen könnte.

Balz Bruder

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