Freilichttheater: Der alte Mann und Marilyn

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 Frauenfeld inszeniert Hemingways «Der alte Mann und das Meer» unter freiem Himmel in Islikon.

Dieter Langhart
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Jean Martin Roy und Adele Raes (Marilyn) während der Proben zu «Der alte Mann und das Meer» im Greuterhof Islikon. (Bilder: Dieter Langhart)

Jean Martin Roy und Adele Raes (Marilyn) während der Proben zu «Der alte Mann und das Meer» im Greuterhof Islikon. (Bilder: Dieter Langhart)

Das Glück ist am alten Fischer Santiago vorbeigeschwommen, 84 Tage schon. Er fährt nochmals aufs Meer hinaus, wirft seine Leinen aus, will es wissen. Dann endlich beisst ein mächtiger Marlin an. Die beiden kämpfen – wer von ihnen wird gewinnen? Wer kennt sie nicht, die dramatische Novelle Ernest Hemingways, der sie 1951 auf Kuba geschrieben hat, selber ein passionierter Hochseefischer.

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 aus Frauenfeld hat den Stoff für ihr viertes Kammerspiel unter freiem Himmel gewählt; Schauplatz ist erneut der Greuterhof in Islikon. Und hier wird der Innenhof plötzlich zum weiten Meer. Hier dreht sich Santiagos Boot im Kreis, hier wirft er seine Angeln aus, hier wartet er, bis ein Speerfisch sich auf den Kampf einlässt. Drei Tage wird der Kampf dauern.

Marilyn Monroe und Joe DiMaggio werden lebendig

Noce Noseda, Mitgründer der Theaterwerkstatt, hat bei den ersten drei Freilichtspielen im Greuterhof Regie geführt, diesmal konzentriert er sich auf die Dramaturgie, und Regie führt Carin Frei. Während «Am Hang» nach Markus Werners Roman vergangenen Sommer dialoglastig war, setzt Noseda in «Der alte Mann und das Meer» Dialoge sparsam ein. Er lässt die Figur des Manolin weg, des Gefährten des alten Fischers, und führt zwei Figuren ein: Baseballspieler Joe DiMaggio, über den sich der alte Mann und Manolin häufig unterhalten – und Marilyn Monroe, die mit DiMaggio kurz verheiratet war.

«Ich lasse DiMaggio und Monroe als Personen und als Erzähler auftreten», sagt Noseda während der gestrigen Probe. Er sieht das schlichte Leben des Fischers und die ebenso glamouröse wie tragische Laufbahn des Weltstars als Kontrapunkt: «Beide sind Teil derselben Welt.»

«Der alte Mann hat ­Humor – er ist ein Poet.»

Diese Welt besteht nicht nur aus dem Meer. Das Boot des Fischers (es stammt von einem Bootsbauer in Altnau) wirkt gleichsam gestrandet auf dem Kopfsteinpflaster des Innenhofs. Und doch bleibt es wendig, kann sich drehen, wird im Kreis gedreht von Joe und Marilyn, und so bleibe das Spiel lebendig, sagt Noseda. Heuer sitzen die Zuschauer ringsum vor den Mauern: auf vier niederen Tribünen statt einer hohen. Er lacht: «Jeder von ihnen sitzt einmal auf dem besten und einmal auf dem schlechtesten Platz.»

Livemusik für einen ­«humorvollen Poeten»

Den alten Mann spielt Jean Martin Roy, früherer Leiter der Accademia Teatro Dimitri und bis vor zwei Jahren verantwortlich für das Fach Theaterimprovisation. Adele Raes als Marilyn im weissen Faltenrock hat für die Theaterwerkstatt bereits in «Zeitstillstand» gespielt und war vergangenes Jahr in «Am Hang» zu sehen. Noce Noseda, der Joe DiMaggio spielt, sagt: «Marilyn und der alte Mann hätten sich sicher gut verstanden.»

Noseda bringt ein weiteres Element mit ins Spiel: die Musik. Vincenzo Ciotola ist Komponist, Gitarrist und Spezialist für mediterrane Volksmusik. Er hat Melodien für «Der alte Mann und das Meer» geschrieben und mit dem Akkordeonisten Goran Kovačević einen ebenso virtuosen Mitspieler mit ins Boot geholt. Ciotola hat schon mehrmals mit Noce Noseda und Carin Frei gearbeitet, Kovačević ist erstmals hier; am See-Burgtheater in Kreuzlingen hat er in «Die schwarze Spinne» und «Romeo und Julia auf dem Dorfe» mitgewirkt.

«Marilyn und der alte Mann hätten sich sicher gut verstanden.»

In den Szenen, die während der Proben angespielt werden, trägt die Musik die Figuren. Ciotola nennt sie «musica emotiva, non pesante»: gefühlsbetont statt schwer. Sie passt zum alten Mann, den Noce Noseda einen humorvollen Poeten nennt.

Premiere: Do, 15.8., 20.30 Uhr, Greuterhof Islikon; bis 31.8.
Karten: www.mannundmeer.ch