Der Alpen-Elvis

Mit schwingenden Hüften will Andreas Gabalier die Volksmusikszene neu beleben. Doch das Strahlemann-Image und die fröhlichen Texten trügen: Er blickt auf eine tragische Familiengeschichte zurück.

Kathrin Reimann
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Andreas Gabalier singt den WM-Song. (Bild: Keystone)

Andreas Gabalier singt den WM-Song. (Bild: Keystone)

Wie er tanzt und singt, fast nackt, nur mit feschen Lederhosen bekleidet. Andreas Gabalier könnte mit seinen Auftritten glatt ein neues Kapitel in der Sexismus-Debatte eröffnen. Das ist aber nicht sein Ziel. Der 28jährige Österreicher will neuen Schwung in die Volksmusikszene bringen und über Engel, Liebe und sein «Sweet little Rehlein» singen. Der neuste Streich des «steirischen Bauernbua» auf dem Weg zum Schlagerolymp: Er singt die offizielle Hymne der Ski-WM in Schladming «Go for Gold». «Die für Stimmung sorgen soll und aufgrund englischer Passagen internationales Format hat», wie die WM-Presseleute betonen.

Na ja, ob «On a mountain high where the eagles fly» tatsächlich internationalen Standards entspricht, bleibt fragwürdig. Wenn alle betrunken in einer Festhütte schunkeln, könnte der Song jedoch durchaus völkerverbindende Fähigkeiten entwickeln. Der selbsternannte Volks-Rock 'n'-Roller scheint jedenfalls mit Ziehharmonika, Haartolle und einem Hüftschwung, der an den jungen Elvis erinnert, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Auszeichnungen en masse

Einmal Gold und 16mal Platin staubte er ab, 700 000 Tonträger wanderten über die Theken. 2012 gewann er einen Echo in der Kategorie Volkstümliche Musik. Bei der Verleihung des österreichischen Musikpreises Amadeus wurde er in den Sparten Schlager und Live Act ausgezeichnet, und den Bambi als Shooting-Star heimste er ebenfalls ein. An seinen Konzerten bringt er Massen zum Kochen. Frauen in Dirndln kollabieren und es wird gekreischt, dass Justin Bieber vor Neid erblassen würde. Doch auch wenn der «Elvis der Volksmusik» von Seen, Mädchenaugen oder Bergsteigen singt: Sein Leben ist bewegter, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Tragische Familiengeschichte

Anfang zwanzig verlor er den Vater, dann die Schwester – beide begingen Suizid. «Wir waren eine Paradefamilie, ich weiss nicht, warum er das getan hat», so Gabalier zum Freitod des Vaters. Er begreife aber, dass man nie ganz in einen Menschen reinsehen könne. «Und meine Schwester war das totale Papamädel, konnte nicht mehr ohne ihn leben.» Sein eigenes Leben habe er nach dem Schicksalsschlag nicht wegschmeissen wollen. «Dafür bin ich zu jung.»

Vier Jahre lang studiert Andreas Gabalier Jura – «mehr wegen der schönen Mädchen als des Studiums wegen». Seine Demo-CD bringt er persönlich bei einer Radiostation vorbei. 2009 kommt die Schlager-Karriere dann ins Rollen. Nach einem Auftritt beim «Musikantenstadl» nimmt er am Vorentscheid zum «Grand Prix der Volksmusik» teil und schafft es auf den zweiten Platz. Für sein Débutalbum erntet er nach einem Monat Gold, für sein Albumcover den Vorwurf, es bilde ein nationalsozialistisches Motiv ab. Gabalier tut es als Missverständnis ab und konzentriert sich auf seine Karriere. Ihr zuliebe weilt er momentan in Nashville, wo er auf den Spuren von Johnny Cash sein viertes Album aufnimmt – und vielleicht ein wenig von einem internationalen Durchbruch, fernab der Volksmusikschiene, träumt.