Der Almanach für Rampensäue

Dieser Tage hat das Kulturbüro St. Gallen die dritte Auflage seiner Bandbroschüre «Die kleine Rampensau» herausgebracht. Es ist eine Bedienungsanleitung für Nachwuchsbands mit Bühnendrang.

Michael Hug
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«Die kleine Rampensau» bietet Hilfe für Nachwuchsbands an. (Bild: pd)

«Die kleine Rampensau» bietet Hilfe für Nachwuchsbands an. (Bild: pd)

ST. GALLEN. «Wer bei uns einige Male gespielt hat, macht in der Regel auch den Schritt ans Open Air St. Gallen.» Das tönt doch ganz verlockend. Man, als junge Band, muss also nur ein paar Mal bei denen aufgetreten sein, dann klappt's mit der grossen Karriere. Also wer sind die? Es ist das Musikfestival «Musig uf de Gass» in St. Gallen, und gesagt hat den verheissungsvollen Satz dessen Bookerin Fabienne Wolfschläger. Es ist einer der Hinweise und Ratschläge, die in der neuesten Ausgabe von «Die kleine Rampensau» des Kulturbüros St. Gallen enthalten sind.

Sei dich selbst, aber extremer

Ein anderer grundlegenderer, auch überraschenderer Tip: «Sei dich selbst, aber extremer!» Die Aussage machte Philipp Schnyder, Festivalleiter bei «m4music» des Migros-Kulturprozents, im Vorwort zum überarbeiteten Almanach für Jungbands. «Was haben Züri West, Steff la Cheffe, Eminem und Bob Dylan gemeinsam? Sie haben nicht die besten Stimmen, aber sie sind unverwechselbar, charaktervoll, eindringlich.» Ähnlich tönt es auch an anderen Stellen: Es kommt nicht darauf an, seine Stimme perfekt zu beherrschen oder sein Instrument brillant zu spielen – es kommt auf Ausstrahlung, Ernsthaftigkeit und Eigenständigkeit an.

Aus dem Probenraum hinaus

Die Broschüre enthält auch in der dritten Ausgabe eine ganze Reihe guter Tips für Bands, die endlich aus dem Probenraum hinaus wollen. Sie gibt brauchbare Hinweise für die Bewerbung bei einem Veranstalter, für die Finanzierung einer Tournée oder die Produktion einer CD. «<Die kleine Rampensau> richtet sich an junge Bands und Künstler, die leidenschaftlich Musik machen und damit auf die Bühne wollen», lautet der Anspruch des Herausgebers. Doch auch Ausgabe 3 ist nicht allumfassend: «Inhalte, die das Rockproof 2.011 abdeckt und die allgemeine Gültigkeit haben, behandeln wir bewusst kein zweites Mal.» Das Rockproof 2.011 des Rockfördervereins RFV Basel ist eine an das selbe Zielpublikum gerichtete, umfassendere Anleitung für Nachwuchsbands.

Permanent nachfragen – nein

Neben einer mehrseitigen Auflistung von Ostschweizer Veranstalteradressen kommt in der Anleitung auch eine Auswahl von Programmverantwortlichen zu Wort. Darin erfährt der geneigte Bandmanager, wie Booker sich Anfragen wünschen: Per Mail, möglichst mit Live-Tonprobe, noch besser mit Video von einem Auftritt. Die Anfrage soll nicht aufdringlich und kurz gehalten sein. Eine Bewerbung wird sicher scheitern, so Jonas Traber vom Clanx Festival Appenzell, «wenn bereits bei der Bewerbung eine Wunschliste aufgeführt, eine bestimmte Gage verlangt und auch schon der Vertrag mitgeschickt wird». Permanentes Nachfragen mache sich ebenso wenig gut, wie wenn drei verschiedene Bandmitglieder die gleiche Bewerbung schicken.

Vorsicht bei der Wortwahl

Ein Kapitel widmet sich der materiellen Förderung. Sinnvoll: Sich im Vorfeld informieren, welchen Zweck eine Stiftung verfolgt, ob die kantonale oder kommunale Kulturförderung Tournées, CD-Produktionen oder Videoprojekte überhaupt fördert, welche Förderangebote Private oder Unternehmen bieten. Einen Fehler darf man dabei unter keinen Umständen begehen: «Sprecht mit Vertretern der öffentlichen Hand nie von Sponsoring!» Förderung ist das goldene Wort.

«Die kleine Rampensau» umfasst in seiner aktuellen überarbeiteten Auflage 72 Seiten und ist als Hardcopy zu 10 Franken erhältlich beim Kulturbüro am Blumenbergplatz 3 in St. Gallen. Digital ist sie kostenlos verfügbar unter www.kulturbuero.ch/sg.