Der «Agoal» muss bleiben

Villa Kunterbunt

Roger Berhalter
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Im Moment kämpfe ich noch dagegen an, auch wenn ich weiss, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist. Oder genauer: ein Kampf gegen die mit spitzer Zunge redende Stadtsanktgaller Übermacht. Es wird nichts helfen: Spätestens wenn meine Söhne beide im Kindergarten sind, werden sie fremd reden. Schon jetzt sprechen sie derart spitzen St. Galler Dialekt, wie er mir als ursprünglichem Rheintaler nie in den Mund käme. Und es kann nur noch schlimmer kommen.

Auch in meiner Aussprache haben sich die Rheintaler Ecken und Kanten längst abgeschliffen. Auch ich rede mittlerweile diesen nicht verortbaren Ostschweizer Allerweltsdialekt. Meine St. Galler Kollegen betonen zwar stets, man höre mir das Tal noch an. Für meine Verwandten dort muss sich mich aber inzwischen anhören wie ein fremder Fötzel.

Jetzt folgt also die nächste Generation. Noch gebe ich mich nicht geschlagen. Ich lese den Kleinen im breitesten Widnauerisch aus Dialektbüchern vor. Ich baue bewusst Kriessner Ausdrücke in meinen St. Galler Alltag ein. Ich spiele ganz sicher nicht «I gseh öppis, wo du nöd gsehsch», sondern «I seach öppis, wo du nöd seachsch». Der Baum im Park ist der «Bomm», und der Anschnitt eines Brotlaibs war und ist und bleibt der «Agoal».

Hoffentlich übernehmen sie das eine oder andere Wort. Und wenn nicht, «dänn kond’s a paar a d’Schnoara haa».

Roger Berhalter