Denn Kunst ist, was gefällt

Die Art-Thur bezeichnet sich als «grösste Ausstellungsplattform für ambitionierte Kunstschaffende in der Ostschweiz». Die siebente Runde zeigt viel U30-Kunst – und ist seit zwei Wochen ausverkauft.

Dieter Langhart
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Prix Art-Thur 2014: Wolfgang-A. Kappeler und Ernst Aeberli. (Bild: Nana do Carmo)

Prix Art-Thur 2014: Wolfgang-A. Kappeler und Ernst Aeberli. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Roland Friedl breitet den Belegungsplan der Festhalle Rüegerholz auf dem Tisch aus und schreibt «sold out» quer über die hundert Stände und sagt sec: «In zwei Worten: Das ist die siebente Art-Thur.»

Roland Friedl, Inhaber einer Werbeagentur in Weinfelden, und der Nebenberuf-Künstler Peter Guarisco haben 2009 eine eintägige, niederschwellige Ausstellung für Nachwuchskünstler ins Leben gerufen. Denn sie fanden, Kunst dürfe nicht elitär sein, solle nicht nur in Galerien und Kunstmuseen zu sehen sein.

Qualität steigt stetig

Die Art-Thur hat sich seither zu einer Plattform gewandelt, die nicht nur, pardon, Klubschul-Malkursabsolventen und Quilt-Näherinnen eine Gelegenheit gibt, mutig aus ihren Ateliers aufzutauchen und ein Publikum zu finden, das nicht einfach Ikea-Dekor übers Sofa hängen will. «Die Qualität der gezeigten Kunst ist Jahr für Jahr gestiegen», sagen die Organisatoren, «auch wenn es nicht die Kunst ist, die es ins Feuilleton schafft.»

Die Art-Thur werde immer beliebter, sagen Friedl und Guarisco. Nach einem Jahr musste sie von der Konvikthalle in die grössere Festhalle Rüegerholz umziehen; 2011 wurde der Prix Art-Thur eingeführt, bei dem eine Jury und die Besucher drei mit insgesamt 1000 Franken dotierte Preise vergeben. Mehr als 2000 Stimmkarten seien 2014 abgegeben worden.

Nachwuchs erhält Raum

Dieses Jahr zeigt Boesner, das Münchwiler Geschäft für Künstlermaterial und Art-Thur-Sponsor, an zwölf Ständen auf der Bühne die «besten U30-Künstler aus der Schweiz und aus Deutschland». Davon erhoffen sich Friedl und Guarisco mehr junge Besucher. Das Alter der Aussteller sei insgesamt leicht gesunken, liege um die 45 Jahre.

Erstmals erwähnen die Art-Thur-Macher in ihrer Werbung explizit, dass Werke zu kaufen sind. Sie verlangen keine Provision, sind sich aber des leichten Beigeschmacks bewusst und betonen, es gebe auch Kunstschaffende, die explizit nicht verkaufen. Roland Friedl wollte vergangenes Jahr ein Werk erstehen, und im letzten Moment hiess es: «Ich verkaufe nicht.»

Gut zwanzig der hundert Aussteller seien regelmässig dabei, einige seit Anbeginn. Und längst ist die Art-Thur keine Thurgauer Schau mehr – der Rayon hat sich bis Landeck und Zürich, Scuol und Chur geweitet.

So, 21.6., 9–17 Uhr, Festhalle Rüegerholz. www.art-thur.ch