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«Manchmal bekommt man auf die Fresse»: Der «Agent-Terrorist» Deniz Yücel liest in St.Gallen

Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel sass ein Jahr lang in der Türkei in Untersuchungshaft. Jetzt erzählt er im Palace von dieser Zeit.
Roger Berhalter
Wieder frei: Der deutsch-türkische Journalist und Autor Deniz Yücel. (Bild: Urban Zintel)

Wieder frei: Der deutsch-türkische Journalist und Autor Deniz Yücel. (Bild: Urban Zintel)

Nach der Isolationshaft brauchte er zuerst einmal ein Haus mit Garten in Sizilien. Privatsphäre, darauf hatte Deniz Yücel ein Jahr lang verzichten müssen, weil er in einem Gefängnis in der Türkei festgehalten wurde. In Sizilien holte sich der deutsch-türkische Journalist seine Privatsphäre und ein Stück Normalität zurück.

Er verbrachte viel Zeit mit seiner Frau, die er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung erst seit acht Monaten gekannt und im Gefängnis geheiratet hatte. «Ohne Dilek hätte ich diese Zeit nicht überstanden», sagt Yücel im Interview mit der «Zeit».

Jetzt ist Deniz Yücel zurück in Berlin und hat seinen Kampf gegen das türkische Regime wieder aufgenommen. Der 46-Jährige arbeitete vor seiner Verhaftung als Türkei-Korrespondent der «Welt»-Gruppe und fiel an Medienkonferenzen mit kritischen Fragen auf.

Dass dies in einem zunehmend autokratisch geführten Land gefährlich war, wusste Yücel, und er nahm es in Kauf. In der «Zeit »sagt er:

«In Sonntagsreden hört man immer: Wir müssen die Freiheit und die Demokratie verteidigen. Das heisst aber auch: Manchmal bekommt man dafür auf die Fresse.»

Im Februar 2017 wurde Yücel in der Türkei verhaftet und wegen angeblicher Terrorpropaganda in Untersuchungshaft gesteckt. Ein Jahr lang sass er ohne Anklage in einer Einzelzelle. In dieser Zeit wurde er zu einer Ikone der Pressefreiheit, es gab vor allem in Deutschland viele Solidaritätskundgebungen, hupende Autokolonnen und «Free Deniz»-Aufrufe.

Der Fall Deniz Yücel wurde zur Staatsaffäre, schliesslich setzte sich sogar die deutsche Bundesregierung für den Journalisten ein. Im Februar 2018 kam Deniz Yücel frei.

Lesungen in Zürich, St.Gallen und Basel

Dreimal stellt Deniz Yücel sein Buch «Agentterrorist» in diesen Tagen in der Schweiz vor. Am 3. November liest er im Kaufleuten in Zürich, der Anlass wird moderiert von «Tages-Anzeiger»-Chefredaktorin Judith Wittwer und Autor Res Strehle. Am Montag, 4. November, 20.15 Uhr, ist Yücel im Palace in St.Gallen zu Gast und wird mit WOZ-Journalistin Anna Jikhareva über seine Erfahrungen in der Haft reden. Am 13. November schliesslich liest er in der Kaserne Basel mit dem freischaffenden Reporter Christoph Keller als Moderator.

Schon während seiner Zeit im Gefängnis gelang es dem Reporter immer wieder, Artikel aus der Zelle zu schmuggeln, getarnt als Schreiben an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Jetzt hat Yücel über sein Jahr in Haft ein Buch veröffentlicht: «Agentterrorist: Eine Geschichte über Freiheit und Freundschaft, Demokratie und Nichtsodemokratie».

Er ist derzeit auf Lesetour, und auch in St.Gallen wird Yücel von seiner Zeit im Gefängnis erzählen. Der Buchtitel «Agentterrorist» ist eine Anspielung auf die Reden des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der den Journalisten mehrfach als Agenten und Terroristen bezeichnet hat.

Das türkische Regime als Gangsterclique

Zur türkischen Regierung äussert sich Deniz Yücel unverändert kritisch. Als «Gangsterclique» bezeichnet er das Regime in Interviews, und Präsident Erdogan vergleicht er mit einem Teppichhändler. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» stellt Yücel fest, dass das türkische Angstregime nun immerhin etwas nachlasse. Er bezieht sich dabei auf den Sieg der Opposition bei der jüngsten Bürgermeisterwahl in Istanbul, als Erdogans Partei AKP klar unterlag. «Die Macht des Regimes ist tatsächlich am Bröckeln», analysiert Yücel. In die Türkei zurückkehren werde er aber vorerst nicht, «das würde weder meine Frau noch meine Redaktion zulassen».

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