Den Süden im Handgepäck

Während der Herbstferienwochen war Gitarrist Antonio Malinconico in Buenos Aires auf Tournée. In sieben Konzerten stellte er seine aktuelle CD «Vamos al sur» vor – und fühlte sich in der Tangometropole ganz zu Hause.

Bettina Kugler
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Schöner Rahmen, gute Akustik: Antonio Malinconico solo im Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco in Buenos Aires. (Bild: pd)

Schöner Rahmen, gute Akustik: Antonio Malinconico solo im Museo de Arte Hispanoamericano Isaac Fernández Blanco in Buenos Aires. (Bild: pd)

Es kann so einfach sein: Kaum mehr als zehn Mails gingen zwischen Buenos Aires und St. Gallen hin und her, dann stand der Tournéeplan für sieben Konzerte zwischen dem 4. und dem 16. Oktober. Kontakte hatten sich aus früheren Argentinien-Aufenthalten ergeben, manche verdankte Antonio Malinconico auch dem Gitarristen Miguel Pesce. Er flog also Anfang Oktober in den argentinischen Frühling und hatte den Süden schon mit im Handgepäck – schliesslich wollte er unter anderem Stücke seiner im Frühjahr erschienenen CD «Vamos al sur» spielen.

Tatkräftig unterstützt

Ein Schweizer Gitarrist mit italienischen Wurzeln, der in der Tangometropole auftritt? Auf den ersten Blick könnte man sagen, das sei wie Eulen nach Athen zu tragen. Doch Malinconico hat es ganz anders erlebt: herzlich, leidenschaftlich; sowohl beim Publikum als auch unter den vielen Musikern, die er auf seiner unterdessen vierten Argentinienreise kennengelernt hat. Sie bilden, so seine Erfahrung, eine echte Community, unterstützen einander tatkräftig und neidlos. «Es geht ihnen nicht darum, dass eine Hand die andere wäscht», sagt er.

Weltoffen – und italienisch

Als Italo-Schweizer habe er einen Bonus gehabt: die Neugier darauf, was er wohl aus der argentinischen Nationalmusik macht. Dabei ist Malinconico vermutlich mehr als musikalisch seelenverwandt mit den Einheimischen: Rund sechzig Prozent haben italienische Vorfahren wie der gebürtige St. Galler. «Tango kam mir nie fremd vor, ich spüre darin die italienische Seele.»

Allerdings seien die Argentinier weltoffen, anders als die Südeuropäer. Viele kamen schnell ins Erzählen, wenn sie den italienischen Akzent in seinem Spanisch heraushörten. «Es besteht keine Gefahr, in Argentinien zu vereinsamen», sagt Antonio Malinconico schmunzelnd; die Fotos auf dem Tablet, die er zwischendurch zeigt, sind der beste Beweis dafür.

Er war nicht als ausländischer Musiker allein in der Fremde unterwegs, sondern Gast unter Freunden. «Das war sensationell, etwas vom Schönsten, was ich in letzter Zeit erlebt habe», schwärmt er. Seit der Krise 2003 geht es spürbar wieder aufwärts in Argentinien, die Stimmung hat sich entspannt. Ein Problem bleiben der Verkehr und die schlechte Luft in der 13-Millionen-Einwohner-Metropole.

Üben auf dem Bombo

Gespielt hat Antonio Malinconico unter anderem im Saal der Legislatura, im Konservatorium im Norden der Stadt, in einem prächtigen Museumsgewölbe mit guter Akustik – aber auch in Kleintheatern und auf dem Land, in einer Kathedrale, vier Autostunden von Buenos Aires entfernt. Natürlich waren drei Wochen viel zu kurz.

Zumal Malinconico die Reise nicht nur mit eigenen Konzerten verbunden hat. Schon in früheren Jahren nutzte er die Gelegenheit, Konzerte einheimischer Musiker zu hören – und Stunden zu nehmen. Dieses Mal hat er sich unter anderem als Percussionist weitergebildet: auf dem Bombo, der traditionellen argentinischen Trommel. «Letztlich muss ich die Rhythmen ja auf die Gitarre übertragen», sagt er; sie auf dem Bombo zu lernen, vertiefe sein Studium.

Das Ziel: «Guitarras del Mundo»

Vertieft haben sich auch die guten Kontakte. So kam er nach dem Eröffnungskonzert des Festivals «Guitarras del Mundo» ins Gespräch mit dem Solisten – einem angesehenen Dozenten an der Musikhochschule. Kein schlechter Ausgangspunkt, um im kommenden Jahr selbst an dem angesehenen Festival spielen zu können, hofft Malinconico. «Das ist eine wichtige Plattform, ein Grossanlass mit dreissig bis vierzig Konzerten landesweit», sagt er. «Man hat dort ein sehr interessiertes Publikum.»

In Gedanken reist er also schon wieder voraus in seine zweite, musikalische Heimat.

Am 2.11. spielt Antonio Malinconico mit seinen Triopartnern Thomas Sonderegger (Gitarre) und Martin Lorber (Akustikbass) in der Reihe „Kultour“ auf Vögelinsegg. Ab 18 Uhr. Reservation unter 071 340 09 01 oder info@kul-tour.ch.