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Den Kopf über Wasser: Sängerin Avril Lavigne meldet sich nach langer Krankheit zurück

Mehr als zwei Jahre lang war Popsängerin Avril Lavigne schwer krank. Jetzt ist die 34-Jährige zurück mit ihrem neuem Album «Head Above Water» und erzählt darauf musikalisch vom Drama ihres Lebens.
Steffen Rüth
Avril Lavigne zurück nach schweren Zeiten: «Ich habe viel durchgemacht, bin erwachsener geworden.» (Bild: Eric McCandless/Getty (Los Angeles, 19. November 2018))
Identifikationsfigur für Mädchen: Avril Lavigne 2003. (Bild: EPA)
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Den Kopf über Wasser halten

Avril Lavigne ist auf die ganz harte Tour erwachsen geworden. «Eines Nachts habe ich geglaubt, ich sterbe. Und irgendwie hatte ich meinen Frieden mit dem Tod gemacht», sagt sie, mehr als drei Jahre nach dieser traumatischen Erfahrung. «Meine Mutter lag neben mir im Bett und hielt mich fest. Ich hatte das Gefühl, dass ich ertrinke.» Mit letzter Atemkraft habe sie zu Gott gebetet, dass er ihr helfen möge, ihren Kopf über Wasser zu halten. «In diesem Moment», so Lavigne, «begann mein Songwriting für das neue Album. Es war so, als wäre ich auf eine sprudelnde Quelle gestossen. Das war ein unerwarteter Moment der grossen Befreiung. Die Worte und Melodien sprudelten ab diesem Zeitpunkt unablässig durch mich durch.»

Nun klingt die Schilderung, in einem Moment mit dem Leben abgeschlossen zu haben und im nächsten gleich wieder an die Arbeit zu denken, etwas verwegen. Aber so erinnert sich die 34-Jährige nun einmal an das Geschehen, und so wird sie nicht müde, es zu erzählen.

Hirnhautentzündung nach Zeckenbiss

Man muss etwas ausholen bei der Geschichte von Avril Lavignes sechstem Album «Head Above Water»: Lavigne war sehr krank. Während der Tournee zu ihrem vorherigen, 2013 erschienenen Werk, «Avril Lavigne» muss sie eine Zecke gebissen haben, sie fühlte sich schwächer und schwächer, doch bis die Diagnose Lyme-Borreliose (eine Form der Hirnhautentzündung) Ende 2014 endlich feststand, verging viel Zeit. «Ich war erleichtert, als ich endlich wusste, was los ist», sagte sie dem britischen «Guardian», aber sie sei auch verärgert gewesen, dass man die Krankheit nicht früher festgestellt hatte.

Am Klavier, so oft sie irgendwie konnte

In den folgenden zwei Jahren verbringt sie einen Grossteil ihrer Zeit zu Hause in Beverly Hills im Bett, umsorgt von ihrer Mutter. Die Genesung schreitet nur langsam voran, es dauert, bis die Antibiotika wirken. «Ich verlor viel Muskelmasse, wurde immer schwächer», erklärt Avril.

«Aber die Zwangspause hat mich wirklich zur Ruhe kommen lassen und mir geholfen, meine Gefühle zu Papier zu bringen. So wie früher, als ich Tagebuch schrieb. Das war ein tröstendes Gefühl und sicher eine Form der Heilung.»

Sie schleppt sich ans Piano, wann immer sie kann. Avril Lavigne war (entgegen der verbreiteten Überzeugung) nie ein Plattenfirmen-Püppchen, sondern immer schon massgeblich am Komponieren der eigenen Lieder beteiligt. So federführend wie bei «Head Above Water» jedoch noch nie. «Vor allem empfinde ich die Songs als sehr ehrlich und aufrichtig», sagt Lavigne. «Ich hatte so viel Zeit, dass ich mir selbst sehr nahegekommen bin. Ich verheimliche nichts, ich erzähle darüber, wie es mir in den vergangenen Jahren ergangen ist.»

Abschied von der «Leck-mich-Attitüde»

Die neuen Lieder haben nicht mehr viel mit der alten Avril Lavigne gemeinsam. Mit der knapp 18-Jährigen, die 2002 mit ihrem Début «Let Go» sowie den Singles «Complicated» und «Sk8ter Boi» für Millionen vor allem weiblicher Teenager eine lebensnähere Identifikationsfigur abgab als etwa eine Britney Spears.

Lavigne, im kanadischen Städtchen Napanee in Ontario geboren, früh gesangsverliebt und nach einem gemeinsamen Auftritt mit Shania Twain bald von Musikmogul LA Reid unter Vertrag genommen, punktete mit einer latent mürrischen, aber auch kecken Leck-mich-Attitüde. In ihren Songs rief sie zu Baby-Revolutionen auf, wie einfach mal durch den Gang zu skaten, die Botschaft war: Jungs sind cool, aber auch egal. Entscheidend ist: Spass haben.

Zwei Hochzeiten, zwei Scheidungen

Das ging noch ein paar Jahre gut, irgendwann allerdings klaffte die Schere zwischen Teenagerhymnen wie «Girlfriend» (2007, ihre einzige Nummer 1 in den USA) oder «Here’s To Never Growing Up» zu weit auseinander. Lavigne verrannte sich in dem Bemühen, in ihrer Musik für immer 17 zu bleiben und in ihrem Leben schon lange kein Kind mehr zu sein. Zweimal ist sie geschieden. 2010 endete die Ehe mit ihrer Jugendliebe Deryck Whibley, dem Sänger der Funpunkband Sum 41. Und nach einer etwas seltsamen Blitzbeziehung mit Nickelback-Frontmann Chad Kroeger (Kennenlernen, Verlobung, Hochzeit, Scheidung innerhalb von zwei Jahren) sind jetzt zunächst mal Musik und Gesundwerden wichtiger als die nächste Liebelei.

Kein doofes Blondchen mehr

Auf «Head Above Water» ist die Unbeschwertheit der bisherigen Avril Lavigne verschwunden. Auch die Berufsjugendlichkeit ist passé. Endlich klingt ihre Musik nicht mehr halb so alt, wie sie ist. Als Soundtrack zur Kissenschlacht taugt lediglich die fetzige Retropopnummer «Dumb Blonde», in deren Text die Kanadierin freilich mit dickem Kuli unterstreicht, eben kein doofes Blondchen zu sein. Vorsichtig fröhlich ist vielleicht noch «Love Me Insane», in «Crush» und «Goddess» nähert sie sich gar dem Jazz.

«Hauptinstrument soll meine Stimme sein»

Aber im Mittelpunkt des Albums stehen Ermutigungs- und Selbstertüchtigungshymnen wie «Birdie» («You can’t chain me down no more»), «It Was In Me» oder «I Fell In Love With The Devil». Das ist Drama-Pop allererster Güte, im Stil von Christina Aguilera oder Anastacia. Um welche toxische Beziehung es in den diversen Liedern geht, will sie aber dann doch nicht verraten, um Chad Kroeger («Wir mögen uns noch immer») jedenfalls nicht. «Mir war wichtig, dass das Hauptinstrument auf diesem Album meine eigene Stimme ist», sagt Lavigne zu dem mit einer Vielzahl von Produzenten verwirklichten «Head Above Water». «Ich wollte nicht alles mit irgendwelchen Beats und Rhythmen zukleistern.» Die meisten Hitsongs seien ja heutzutage so aufgebaut, dass man die Stimme kaum noch wahrnehmen kann.

Lavigne verabschiedet die Hörerinnen aus diesem Album mit einer Kampfansage, der trotzig-zuversichtlichen Piano-Powerballade «Warrior». Ernst, nordamerikanisch, aber auch wirkungsvoll. «Wir alle haben Herausforderungen zu bestehen. Ich selbst bin lebendig und stärker als je zuvor aus der Schlacht meines Lebens hervorgegangen. Und ich hoffe, dass dieses Album anderen Menschen Mut macht.»

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