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Wie lernt man als Sängerin Tschechisch für Opern wie die St.Galler «Rusalka»?

Der Weg zum perfekten Opern-Tschechisch geht nur über viel Üben. Zum Glück sind Sänger sehr sprachbegabt. In St.Gallen haben sie ausserdem eine Sprachtrainerin.
Martin Preisser
Die Opernsängerin Jennifer Panara spielt in «Rusalka» den Küchenjungen. Kollegin Lucia Blažíčková (rechts) kommt aus Bratislava und hat sie als Sprachtrainerin unterstützt. (Bild: Ralph Ribi)

Die Opernsängerin Jennifer Panara spielt in «Rusalka» den Küchenjungen. Kollegin Lucia Blažíčková (rechts) kommt aus Bratislava und hat sie als Sprachtrainerin unterstützt. (Bild: Ralph Ribi)

Viele Opernbesucher staunten, wie flüssig den Sängerinnen und Sängern in Dvořáks «Rusalka» die tschechische Sprache über die Lippen ging. Tschechisch ist eine schöne, weiche und klangvolle Opernsprache. Sechs Wochen wurde in St.Gallen für das Stück über die Wassernixe geprobt. Ihren Part in tschechischer Sprache hatten die Sängerinnen und Sänger schon vor dem Probenstart perfekt einstudiert, das ist heute Standard.

«Sänger sind sehr sprachbegabt», erzählt die Amerikanerin Jennifer Panara, die seit August fest am Theater St.Gallen engagiert ist. Für die Sängerin ist die Rolle des Küchenjungen die zweite tschechische Partie. «Am Anfang war es schwierig», erzählt sie, «dann habe ich Tschechisch mehr und mehr als sehr angenehm empfunden.» Jennifer Panara lernte zuerst eisern den reinen Text, erst dann kam die Musik dazu. Üben, üben und nochmals üben ist das einzige Rezept für den Erfolg.

Die Sängerinnen und Sänger aus aller Herren Länder, die von auswärts nach St.Gallen kommen, lernen ihre Partien bei Sprachcoaches, die sie sich privat organisieren müssen. «In der Opernwelt gibt es so etwas wie einen Coach-Markt für die verschiedenen Sprachen», erklärt Operndirektor Peter Heilker das System. «Wenn die Sänger zu uns kommen, sind sie perfekt trainiert.»

Für die fest Engagierten gibt es die Sprachtrainerin

Die fest am Theater angestellten Sänger und der Theaterchor hatten für «Rusalka» Glück: Mit Lucia Blažíčková hatten sie eine Sprachtrainerin, die selbst Sängerin und seit 15 Jahren Mitglied im Opernchor ist. Sie kommt ­ursprünglich aus Bratislava, zu einer Zeit, als Tschechien und die Slowakei noch ein Staat waren. Die Sprachen gleichen sich ziemlich. Für sie ist die Unterstützung der Sänger am Haus eine Premiere. Und sie bewundert, wie die Darsteller Tschechisch gelernt haben. Lucia Blažíčková sagt:

«Wir haben erst ganz langsam zusammen gesprochen. Viele haben die Texte aufgenommen. Eine Herausforderung im Tschechischen sind die vielen, oft geballt nebeneinander stehenden Konsonanten und die Akzente.»

Lucia Blažíčkovás Name ist ein gutes Beispiel dafür. Das ž wird wie ein französisches j ausgesprochen, das č wie ein tsch. Ein á bedeutet, dass man den Vokal lang ausspricht. Bei ihrer Arbeit als Sprachcoach galt es immer wieder, den Rhythmus von Dvořáks Musik mit dem Sprachrhythmus des Tschechischen in Balance zu bringen. Konsonanten müssen in den Arien oft mit einem leichten Vokal mitgesungen werden, damit sie klar und verständlich werden. Immer wieder hat Lucia Blažíčková ihre Tschechisch-Schülerinnen und -Schüler dazu angehalten, so zu artikulieren, dass man die Sprache auch in der hintersten Reihe des Theaters deutlich wahrnimmt.

Auch der Dirigent leistet einen wichtigen Beitrag

Für die Sängerinnen und Sänger aus dem slawischen Sprachraum ist Tschechisch etwas einfacher. Für den Prinzen in der «Rusalka», den Südkoreaner Kyongho Kim, war es ebenfalls leichter, hatte er doch schon Engagements an der Oper in Bratislava und war so mit dem Sprachduktus vertraut. Eine konzentrierte, anstrengende Zeit lag hinter der Sängercrew, bevor die eigentlichen Proben zu «Rusalka» losgingen.

Einen wichtigen Beitrag, dass das Tschechische als lyrische Opernsprache empfunden wird, leistet auch der Dirigent. Er muss sich in den Sprachduktus einfühlen und den speziellen musikalischen Rhythmus der Arien, der durch die Aussprache oft ein wenig modifiziert werden muss, spüren. Gelungen ist das Modestas Pitrenas, der selbst einmal in einem Chor gesungen hat, auf jeden Fall. Seine Nähe zu den Sängern auf der Bühne war hierbei nur ein Detail einer auch international gelobten St.Galler «Rusalka».

Rusalka: 20., 29.10.; 2., 14.11.; 8., 13., 17.12.; 7.2. theatersg.ch

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