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Den Kampf gegen den Krebs verloren

Schauspieler Jörg Schneider ist tot. Er starb in der Nacht auf Samstag im Alter von 80 Jahren nach schwerer Krankheit. Mit ihm verliert die Schweiz einen äusserst vielseitigen Künstler, der in ernsthaften Stücken ebenso zu Hause war wie im heiteren Volkstheater.
Der Vorhang des Lebens hat sich für Jörg Schneider geschlossen. (Bild: Benjamin Manser)

Der Vorhang des Lebens hat sich für Jörg Schneider geschlossen. (Bild: Benjamin Manser)

Schneider erlag seiner Krebserkrankung, wie Regisseur Paul Riniker gegenüber der Nachrichtenagentur sda bestätigte. Die Krankheit hatte Schneider Ende September 2014 gezwungen, seine Abschiedstournee "Happi Änd" abzubrechen.

Dieses Porträtbild von Jörg Schneider entstand Anfang 2014 anlässlich eines Auftritts in Aadorf. (Bild: Benjamin Manser)
Bereits schwer gezeichnet von seiner Krankheit, nahm Jörg Schneider im vergangenen April an der Trauerfeier für Schauspieler-Kollege Mathias Gnädinger teil. (Bild: Keystone)
Jörg Schneider und Beat Gärtner in einer Szene des Lustspiels "Dure bi rot", aufgenommen 2003. (Bild: Keystone)
Vier Grosse der Schweizer Unterhaltung auf einem Bild: (v.l.) Jürg Randegger, Jörg Schneider, Ines Torelli und Paul Bühlmann auf einer undatierten Aufnahme. (Bild: Keystone)
Jörg Schneider und Melitta Gautschi gehörten 1975 zu den Hauptdarstellern des TV-Kriminalrätselratens "Sie sind Augenzeuge". (Bild: Keystone)
An der Seite von Silvia Jost spielte Jörg Schneider in den 80er-Jahren auch in der TV-Serie "Motel". (Bild: Keystone)
Im Stück "Der eingebildete Kranke" von Molière spielte Jörg Schneider 1991 die Hauptrolle. (Bild: Keystone)
Erich Vock (links) und Jörg Schneider im Stück "Alles uf Chrankeschii" 1998 im Zürcher Bernhard-Theater. (Bild: Keystone)
Voll im Saft: Jörg Schneider 1998 bei der Verleihung des Prix Walo. (Bild: Keystone)
Im Stück "Endspiel" traten Jörg Schneider und Walter Andreas Müller 2002 gemeinsam auf. (Bild: Keystone)
Jörg Schneider im Jahr 2011 bei der Trauerfeier für Schauspielerkollegin Stephanie Glaser. (Bild: Keystone)
Im Jahr 2011 trat Jörg Schneider im Rahmen des Stücks "Total dureknallt" auf. (Bild: Donato Caspari)
Im Mai 2014 wurde Jörg Schneider mit dem Prix Walo für sein Lebenswerk ausgezeichnet. (Bild: Keystone)
Zwei Urgesteine bei der Premiere ihres Films "Usfahrt Oerlike": Mathias Gnädinger (links) und Jörg Schneider. (Bild: Keystone)
Der letzte Vorhang ist gefallen - Jörg Schneider hat den Kampf gegen den Krebs verloren. (Bild: Benjamin Manser)
15 Bilder

Danke, Jörg Schneider!


Die erste ernste Hauptrolle
Noch Ende Januar 2015 nahm der schwer kranke Schauspieler an den Solothurner Filmtagen an der Premiere seines letzten Kinofilms teil: "Usfahrt Oerlike". Darin spielte er seine erste ernste Filmhauptrolle überhaupt. Bei den Dreharbeiten im Mai 2014 unter der Regie von Paul Riniker wusste noch niemand, auch Schneider selbst nicht, dass er an Leberkrebs erkrankt war. Der Film erntete in Solothurn Standing Ovations und erhielt den Publikumspreis.

Der Durchbruch gelang Schneider 1966 mit dem Hörspiel, der Bühnenproduktion und der TV-Serie "Polizischt Wäckerli". Vor allem aber in einer Rolle wurde Jörg Schneider in wohl jedem Schweizer Kinderzimmer bekannt: Ab 1967 schrieb und vertonte er die Chasperli-Geschichten. Die 40 Stücke wurden zu Dauerbrennern. Sie verkaufen sich bis heute bestens. Schneiders "Tri-tra-trallala, dr Chaschperli isch wider daa!" entzückte Generationen von Kindern.

Lange Zeit verkannt
Schweizer Theater− und Filmschaffende würdigten Schneider am Samstag als grossartigen Schauspieler, der die Schweizer Theater− und Filmszene geprägt habe, aber lange Zeit unterschätzt worden sei. In gewisser Hinsicht sei der Zürcher Schauspieler seiner Zeit voraus gewesen, erklärte Ivo Kummer, Filmchef des Bundesamtes für Kultur, auf Anfrage. Während lange Zeit die Meinung galt, Kunst und Unterhaltung hätten keine Berührungspunkte, habe sich Schneider stets zwischen diesen Welten bewegt. Erst im Alter habe er die Anerkennung erhalten, die ihm gebühre.

"Es ist ein trauriger Moment für die Schweizer Filmlandschaft", sagte Kummer weiter. Der letzte Kinofilm "Usfahrt Oerlike" sei zum Vermächtnis von Schneider geworden.

Schneider übersetzte auch englische Stücke
Für die Bernhard-Theater-Leiterin Hanna Scheuring hat Schneider eine ausgesprochene Wärme ausgestrahlt. "Ein wahnsinnig berührender Anlass" sei in diesem März sein letzter Auftritt auf einer Theaterbühne gewesen: Die Präsentation seines Buches "Äxgüsi! Aus meinem Leben" im Zürcher Bernhard-Theater. Schneider habe Texte aus der Biografie vorgetragen. Im Mai habe sie ihn nochmals zu Hause besucht und ihn bewundert, wie er mit seiner Krankheit umgegangen sei, sagte Scheuring der Nachrichtenagentur sda.

Als "sehr angenehmen Kollegen" hat der Schauspieler Vincenzo Biagi Jörg Schneider in Erinnerung, mit dem er seit Jahrzehnten zusammen auf der Bühne stand. Hervorragend hat Schneider laut Biagi auch viele englische Stücke in Schweizer Mundart übersetzt. Unzählige Stücke spielten die beiden etwa gleichaltrigen Schauspieler zusammen − vor allem im Bernhard-Theater und im "Hechtplatz" in Zürich, aber auch auf vielen Tourneen. Dabei war es gemäss Biagi nie langweilig. Humorvoll und lustig sei er nicht nur auf der Bühne, sondern auch im privaten Rahmen gewesen. (sda)

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