Den Geist sensibilisieren

Mit Luigi Nonos Streichquartett «Fragmente – Stille, an Diotima» erklingt morgen in der Kunstbibliothek im Sitterwerk ein zentrales Werk des italienischen Komponisten. Die St. Galler Contrapunkt-Reihe hat das hochkarätige Minguet Quartett Köln eingeladen.

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Der italienische Komponist Luigi Nono (1924–1990). (Bild: pd/Fernando Pereira)

Der italienische Komponist Luigi Nono (1924–1990). (Bild: pd/Fernando Pereira)

Luigi Nonos Musik hat aufrüttelnde Kraft und vermag den menschlichen Geist ungeheuer zu sensibilisieren. Er wolle «die Wahrnehmung und das Denken des Menschen durch das Eintauchen ins Innere der Klänge schärfen», hat es der italienische Komponist, der in Venedig lebte, selbst formuliert. Sein 1980 entstandenes Streichquartett «Fragment – Stille, an Diotima» leitet den Spätstil Nonos ein.

Schweigende Gesänge

Mit diesem Werk ist Nono Musik von ausgesuchter Zartheit gelungen, Klänge voller Geheimnis und innerer Kraft. Nono begriff sich als Wanderer, der sich noch einmal ins Ungewisse vortastete. An über fünfzig Stellen in der Partitur dieses Streichquartetts sind Fragmente aus Gedichten Friedrich Hölderlins notiert, die nicht gesprochen werden, sondern vom Komponisten als eine Art inneres Programm, als «schweigende Gesänge aus anderen Räumen, aus anderen Himmeln» verstanden wurden.

Selten aufgeführt

Den Organisatoren der St. Galler Contrapunkt-Reihe ist es gelungen, für diese seltene Aufführung von Nonos Streichquartett das renommierte Kölner Minguet Quartett zu engagieren. Es wurde 1988 gegründet und spielt in seiner heutigen Besetzung mit Ulrich Isfort, Annette Reisinger (Violinen), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello). Für die Gesamteinspielung sämtlicher Werke für Streichquartett von Peter Ruzicka wurde das Minguet Quartett 2010 mit dem Echo Klassik ausgezeichnet.

Vor Luigi Nono interpretiert das Quartett im speziellen Ambiente der Kunstbibliothek im Sitterwerk Werke aus der Renaissance (Johannes Ockeghem), der Romantik (Verdi) und Klassik (aus Beethovens Streichquartett op. 132) und zeigt mit diesen Werken auch die Bezüge auf, die in Nonos Streichquartett zu diesen Kompositionen auszumachen sind. Mit Egbert Hiller ist ein ausgewiesener Musikpublizist anwesend, der in das Programm einführen wird. (map)

Morgen Fr, Kunstbibliothek Sitterwerk. Einführung: 19 Uhr; Konzert: 20 Uhr; www.contrapunkt-sg.ch

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