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Den Faulen spielen

Der Schauspieler Thomas Fuhrer gehört zu den Mitbetreibern des neuen Theaters 111. Dort wird ab heute abend sein Solostück «Elzéard Bouffier – der Mann, der Bäume pflanzte» nach einer Erzählung von Jean Giono zu sehen sein.
Brigitte Schmid-Gugler
Der Schauspieler Thomas Fuhrer im noch nicht ganz fertigen Bühnenbild im Theater 111. (Bild: Luca Linder)

Der Schauspieler Thomas Fuhrer im noch nicht ganz fertigen Bühnenbild im Theater 111. (Bild: Luca Linder)

Der dreissigminütige gleichnamige Zeichentrickfilm des kanadischen Regisseurs Frédéric Back erhielt 1988 den Oscar als bester animierter Kurzfilm und war zudem für die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes nominiert. Der Film bezaubert auch heute noch – wie ein Bilderbuch hat Back die fein schraffierten und konturierten Szenen mit Buntstiften gemalt und so auch die Landschaft, die der Autor Jean Giono vor sich hatte, einfühlsam übersetzt.

Der französische Schriftsteller galt als sehr naturverbunden. In seiner Kurzgeschichte aus dem Jahr 1953 schildert er die Wanderung eines jungen Mannes durch die Haute-Provence. Unterwegs trifft er den Schafhirten Elzéard Bouffier, der nach dem Verlust von Frau und Sohn ein Leben in Einsamkeit führt. Er verbringt seine Zeit damit, jeden Tag eine grosse Anzahl Eicheln im kargen Boden zu vergraben. Der Wald gedeiht, und als der Wanderer den Mann nach vielen Jahren wieder aufsucht, ist der nun zum Imker gewordene Schäfer immer noch am Bäumepflanzen. Und: Die Gegend ist nun wieder von Menschen bewohnt– es gibt Wasser und kultivierbares Land.

Schnurz, der Prinz

Im Jahr 2005 entdeckte Thomas Fuhrer den Text für die Bühne. Er fügte sich als einstündiges Solostück in der Regie von Pierre Massaux gut ein in sein bisheriges Schaffen. Die Aufführungen in Zürich und einige Gastspiele erhielten viel Lob. Seither ruhte der Stoff in der Schublade, um nun im passenden Ambiente des neuen Kleintheaters neu «aufgelegt» zu werden. Während des Einrichtens ist Zeit für ein Gespräch über Schauspielerei und Lebensentwürfe, die manchmal sonderbare Bahnen ziehen.

Noch heute scheint da ein Staunen in seinem Blick, wenn er erzählt, wie «faul» er gewesen sei als Kind. Keine Lust auf gar nichts, vor allem nicht aufs Aufgabenmachen, und man muss lachen, wenn er auf «Schnurz» zu sprechen kommt, seine erste Rolle eines stummen Prinzen am Theater Luzern. «Die Reise durch das Schweigen» ist ein Kinderstück des «Sams»-Autors Paul Maar, und man erlaubt sich den Blitzgedanken, er habe bei der Niederschrift an Thomas Fuhrer gedacht. Der Sohn eines Künstlers und einer Lehrerin lässt sich in Bern erst zum Keramiker ausbilden und arbeitet danach einige Jahre als Betreuer in einer therapeutischen Wohngemeinschaft. Bei der Aufnahmeprüfung an die Schauspielschule Bern musste er in einer improvisierten Szene spielen, wie er zu Hause erzählt, er sei durch die Prüfung gefallen. «Ich wurde angenommen», sagt Fuhrer, und man weiss nicht recht, ob er die Rolle vom Faulen aus der Trickkiste zieht, wie der Zauberer das Kaninchen aus dem Hut…

Von Basel nach Trogen

Zu seinem Vorsprechen in Esslingen begleitete ihn seine frühere Studienkollegin Christine Lauterburg – ja, die –, mit welcher er eine Szene einstudiert hatte. Auf der Bühne hätten sie sich so verkracht, dass diese ihm eine Ohrfeige verpasste. Die ungewollte Komik erheiterte die Jury dermassen, dass sie nicht nur ihn, sondern gleich beide ins Ensemble holten. Danach folgten Engagements an verschiedenen Häusern in Deutschland und in der Schweiz. Nirgends wollte Thomas Fuhrer für längere Zeit bleiben, und wieder kommt so ein Satz: «Ich bin so gerne auf den Proben und so froh, wenn sie fertig sind.»

In Basel lebte er mit seiner Familie und den beiden Kindern bis vor fünf Jahren, als seine heute von ihm geschiedene Frau ihren Job als Schulleiterin kündigte und nach Trogen zog, wohin ihr später Fuhrer folgte und blieb. Seither sind etliche weitere Produktionen in der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Pierre Massaux entstanden. Diese begann mit der Umsetzung der Johannesevangeliums in der Offenen Kirche in Basel. Die Aufführung gefiel einem Zuschauer so gut, dass er anbot, eine grössere Summe in die nächste Produktion der beiden Theatermänner zu stecken. Mehr als Faultierglück.

Vorstellungen heute Mi sowie 2., 3., 9.11., 20 Uhr; 10.11.: 11 Uhr, Theater 111, Grossackerstrasse 3, 079 436 59 35; th111sg@gmail.com

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