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Den Augenblick mit Bildern einfangen - neue Lyrikbände aus der Ostschweiz

Ist die Poesie aus der Mode? Von wegen. Auch einige Ostschweizer Verlage halten ihr die Stange. Und überraschen immer wieder mit Preziosen für aufmerksame Leser.
Dieter Langhart

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Ishikawa Takuboku: Einsamer als der Wintersturm, Waldgut 2018, 208 S., Fr. 28.–

Ishikawa Takuboku: Einsamer als der Wintersturm, Waldgut 2018, 208 S., Fr. 28.–

«Ich möchte ein Buch kaufen.» Ein harmloser, gar banaler Satz. Aber nicht beim Japaner Ishi­kawa Takuboku (1886–1912): Ich möchte ein Buch kaufen, ich möchte ein Buch kaufen, sage ich versuchsweise zu meiner Frau – obwohl ich sie nicht reizen will. Der früh verstorbene Meister des Tanka, der grösseren Schwester des Haiku, nannte seine mehr als 700 Kürzestgedichte «einzelne Sekunden»; Ruth Linhart hat sie für die zweisprachige Ausgabe übertragen. Sie machen «etwas von der Vergeblichkeit spürbar, die in jedem Versuch liegt, den Moment mit der Sprache einzufangen», wie die NZZ schrieb. Ach, das Gesicht des Kindes, das sich erstaunt freut, als es die Katze am Ohr zieht und diese Miau macht.

Erschienen ist Takuboku bei Waldgut. Beat Brechbühl, Verleger und Autor, kennt Japan wohl und hat sich auch selber in den japanischen Kurzformen versucht.

Zwölf Schweizer Autoren

Lyrikkalender 2019, Pro Lyrica, Fr. 19.–

Lyrikkalender 2019, Pro Lyrica,
Fr. 19.–

Warum nicht noch einen Kalender für 2019 kaufen? Das neue Jahr ist ja kaum angebrochen, die Buchhandlungen verscherbeln die liegen gebliebenen Jahres­kalender. Jener von Pro Lyrica gefällt mit seiner schlichten Gestaltung und je zwei Gedichten von zwölf Schweizer Autoren. Mit Irène Häne-Ebneter und Roland Hugelshofer präsentiert die Schweizerische Lyrische Gesellschaft mit Sitz in Winterthur eine Kirchbergerin und einen Frauenfelder. Von ihm stammen diese Verse: Mir kann man / Alles stehlen, / Aber / Nichts / Nehmen.

Wirbelflug und Grillenzirpen

Rüdiger Görner: An den Mond in der Nacht seiner Finsternis, Edition ­Signathur 2018, 50 S., Fr. 15.–

Rüdiger Görner: An den Mond in der Nacht seiner Finsternis, Edition ­Signathur 2018, 50 S., Fr. 15.–

Bruno Oetterlis Nischenverlag Signathur in Dozwil hat sich einen Namen gemacht vor allem mit Übersetzungen von Eugen Gomringer ins Englische (!) und Neuübertragungen von Byron, Milton oder Shakespeare-Sonetten ins Deutsche. Rüdiger Görner, Literaturprofessor in London, besingt den beglückenden und bedrohlichen vergangenen Sommer. Seine Gedichte erweisen Hölderlin oder Günter Eich die Ehre, entstehen vor Gemälden von August Macke oder Frida Kahlo – oder sind inspiriert von Landschaften und Orten um einen geliebten Bodensee: Lind­au, Gaienhofen, Arenenberg. Dieses hier entstand an einem Juliabend: Wirbelflug der Schwalben, / Grillenzirpen, Lispeln letzter Schatten; / und im Lagerfeuer am Ufer / knistern Ruderblätter. Einmal spielt Görner mit scheinbar trivialen Reimen, ein andermal nimmt er Prosa: Unverhofft ankert ein Regenbogen am Hafenrand; fächert seine Farben auf, bündelt sich wieder, wird zur Lichtfurt quer über den See, den Schwäne kreuzen und Möwen streifen …

Kein Wort zu viel

Dina Sikirić: Das Gelb der Quitten, Waldgut 2018, 44 S., Fr. 30.–


Dina Sikirić: Das Gelb der Quitten, Waldgut 2018, 44 S.,
Fr. 30.–

Die in Zagreb geborene, in Basel aufgewachsene und sechssprachige Schauspielerin und Übersetzerin Dina Sikirić ist 2016 mit ihrer Debüterzählung «Was den Fluss bewegt» aufgefallen, jetzt legt sie ihren ersten Gedichtband vor. Sie beschwört «Das Gelb der Quitten» in einer knappen, aber reichen Sprache. Sie braucht weder Versmass noch Reim; die Zeilen sind kurz, verbieten aber rasches Darübergleiten. Kein Wort zu viel. Beeindruckend, wie Dina Sikirić flüchtige und tiefe Augenblicke in Bilder und überraschende Vergleiche fasst: Die Blätter fallen / es fallen auch / die Hüllen / die Masken. Oder: Alles bricht auf / die Knospen / die Tumore. Sie beobachtet den Mohn und die Bäume, mehrmals den Mond; die Menschen, auch Liebespaare. Und dreimal übersetzt sie sich selbst aus dem Französischen oder Spanischen. Was mir für immer / in Erinnerung bleiben wird von / jenem Tag / ist das Gelb der Quitten.

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