Dem Leisen zuliebe

Der Kulturvermittler Richard Butz hat vor zwei Jahren bei Kultur im Bahnhof endgültig aufgehört. Nun startet er mit dem Projekt «Klein, aber fein» eine neue Veranstaltungsreihe in intimem Rahmen.

Brigitte Schmid-Gugler
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Richard Butz, der unermüdliche Kulturvermittler, startet in der DKMS eine neue Veranstaltungsreihe. (Bild: Urs Bucher)

Richard Butz, der unermüdliche Kulturvermittler, startet in der DKMS eine neue Veranstaltungsreihe. (Bild: Urs Bucher)

Hinter der geheimnisvollen Abkürzung DKMS versteckt sich nicht eine «denkmalgeschütze» Strassenecke. Obwohl so ziemlich alles um diese DKMS herum denkmalgeschützt ist. Das neue Gebäude im Besitz der Katholischen Kirchgemeinde, die es ihrerseits der Katholischen Administration vermietet hat, liegt versteckt zwischen Damm und Mühlensteg. Die frühere Remise und Schreinerei hat der Architekt Daniel Cavelti nachgezeichnet und mit dem aufgesetzten Saal überhöht. Den Hinterhof-Komplex bekleidete er mit einer Kupferfassade, die sich farblich und atmosphärisch sehr gut an die historischen Gebäude anlehnt. Seit drei Jahren hat die Diözesane Kirchenmusikschule St. Gallen DKMS hier ein neues Zuhause.

Keine Konkurrenz

Ab dem kommenden Sonntag wird in der Schule, die dieses Jahr bereits 58 Jahre alt wird, das neue Projekt «Klein, aber fein» mit einer Reihe von Jazzkonzerten starten. Aufgegleist hat das neue Angebot der unermüdliche Kulturvermittler Richard Butz. Erst Ende 2011 gab er sein allerletztes offizielles Zepter, die Veranstaltungen der Jazzkonzerte in der Migros Klubschule, ab. Während 35 Jahren war er dort in verschiedensten Funktionen tätig gewesen – unter anderem als Lehrer, als Initiator und Kurator der Ausstellungen, als Kämpfer für die Jazzschule, als Veranstalter.

«Aus den Augen, aus dem Sinn», könnte man das nennen, was ihm schon gleich bei seinem Abgang passierte. Die Schule habe es nicht als notwendig erachtet, ihn zu verabschieden; den Abschiedsapéro mit den Mitarbeitenden habe er selber organisiert. Seither beobachtet er die St. Galler Szene mit wachsendem Unbehagen. «Es herrsche das Grosse, der Event, das Festival und ein in der Regel ausgedehntes Begleitprogramm vor», kritisiert Butz. Und was die Ausrichtung der Klubschule beziehungsweise Kultur am Bahnhof betreffe, befürchte er eine schleichende Abkehr vom ursprünglichen Gottlieb Duttweiler-Gedanken. Nun will Richard Butz dem Lauten erneut etwas Leises, «Kleines und Feines» entgegensetzen und gleichzeitig fortsetzen, was seit Jahrzehnten sein Herzblut ist. Als es in St. Gallen noch praktisch nie Jazz zu hören gab, organisierte er mit einigen Mitstreiterinnen und -streitern an unterschiedlichen Orten in der Stadt Konzerte. Dass die Ausgangslage heute eine vollkommen andere ist, dass Gambrinus Jazz Plus gerade im Begriff ist, sich neu zu etablieren, dass es den Raum für Literatur gibt und manche Kulturvermittler der Meinung sind, es gebe schon von allem zu viel, ist ihm bewusst: «Es wird keine Konkurrenz geben zu anderen Veranstaltungen», sagt Butz. Dies schon deshalb nicht, weil seine kleine Reihe, die auch mal in die literarische Richtung ausschlagen könne, jeweils auf den frühen Sonntagabend beschränkt sei.

Ein Ort für Debatten

Der Saal in der DKMS verfüge über eine hervorragende Akustik und habe mit circa sechzig Plätzen eine ideale Grösse für Veranstaltungen der intimeren Art. Ab kommenden Sonntag werden jeweils einmal im Monat jeweils von Januar bis Mai und von September bis Dezember um 17 Uhr Konzerte stattfinden. Er beginne nun erst einmal mit einer ersten Staffel Jazz, doch in Zukunft sei auch zeitgenössische Musik kombiniert mit einer Lesung denkbar. Es fällt auch das Wort «Debatte: dort könnte sie, im Hinblick auf kulturpolitische Fragen, in Einbezug eines kritischen und engagierten Publikums stattfinden», sagt Richard Butz.

Den Beginn macht der südafrikanische Pianist Kyle Shepherd, den er entdeckte und bereits für ein Konzert im Rahmen von Gambrinus Jazz Plus in die Schweiz holte. Butz ist der südafrikanischen Jazzszene seit Jahrzehnten sehr verbunden. Er war es, der in den 60er-Jahren Dollar Brand, heute Abdullah Ibrahim, das erste Mal nach St. Gallen einlud. Seine Sammlung an südafrikanischer und afrikanischer Musik ist legendär. Sein umfangreiches Wissen der Branche gibt er an Kursen und Vorträgen und auch in einer Zusammenarbeit mit der Afrika-Abteilung der Universität Basel weiter. «Klein, aber fein» wird von Kanton, Stadt, einer Stiftung und einem privaten Sponsor unterstützt.

So, 17. 2. DKMS, 17 Uhr; weitere Daten: 24.3.; 28.4.; 26.5.