Dem Jazz im Thurgau geht’s gut – aber geht’s ihm auch besser?

Die Reihe jazz:now im Eisenwerk Frauenfeld legt heuer ein Konzert zu, im Kult-X Kreuzlingen startet heute eine neue Jazz-Reihe.

Dieter Langhart
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Jazz:now mit Melanie Wenger und Ruth Bommer.

Jazz:now mit Melanie Wenger und Ruth Bommer.

Bild: Dieter Langhart

Eine Wildsau blinzelt verwundert vom Programmflyer, der Schaffhauser Wildfotograf Tobias Rüeger hat sie nachts überrascht. «It’s jazz o’clock now ... mir verwütsched au dich», steht drunter. Keck wirbt die Programmgruppe Kultur im Eisenwerk für die neue Spielzeit von jazz:now. Ruth Bommer und Melanie Wenger kümmern sich seit 2019 um den Jazz im Frauenfelder Mehrspartenhaus. Er nehme immer noch eine Nische ein, «aber es bessert», sagen sie. Weil die vergangene Spielzeit gut lief, haben die Kuratorinnen heuer neun statt acht Konzerte programmiert. Bommer und Wenger empfehlen die Member-Card – sie ist übertragbar.

«Wir sind hier auf dem Land», sagen sie, «aber mit unserem clubartigen Ambiente und dem persönlichen Kontakt können wir dem Jazz seinen elitären Touch nehmen.» Gerade unter jüngeren Zuhörern soll sich jazz:now herumsprechen. Perfekt passt da das zweite Konzert mit «Kaos Protokoll» und seinem Stilmix aus Elektrojazz und Punk, meditativen Beats und cineastischen Klängen.

Anschubfinanzierung und zappaeske Zugänge

Begonnen hat jazz:now auf Initiative der Thurgauer Kulturstiftung und ihres Beauftragten Steff Rohrbach vor bald zwanzig Jahren, genau so wie tanz:now im Phönix-Theater Steckborn und theater:now. Die Anschubfinanzierung ist 2018 ausgelaufen, seither wird jazz:now vom Verein Pro Eisenwerk getragen und über Leistungsvereinbarungen durch das Kulturamt und die Stadt finanziell unterstützt. Denn auch der Jazz lebt nicht allein von Eintritten; sie decken knapp die Hälfte des Jahresbudgets von 35000 Franken.

Sieht man von den beiden Festivals Generations und Jazzmeile Kreuzlingen ab, ist Jazz:now der einzige etablierte Veranstalter dieser Musiksparte im Kanton – das Kult-X in Kreuzlingen muss sich seinen Jazz-Ruf erst noch erarbeiten. Und selbst drüben in St.Gallen fragt sich der Jazzverein Gambrinus, ob die Stadt gross genug ist für einen Jazzclub.

Jazz:now setzt auf Genrevielfalt. So beginnt die Spielzeit mit einem zappaesken Zugang: Das Trio Morgenthaler Röllin Ruben erweist dem Klanggenie alle Ehre. Und im Mai wird eine 19-köpfige Big Band fast das Theater sprengen, denn in den nüchternen Saal im Parterre will man nicht ausweichen: das Orchestra der Bandleaderin Sarah Chaksad. Wer 2018 am Generations war, wird die junge Baslerin wiedererkennen – sie hat mit Maria Schneider gearbeitet und ist mit der Generations Big Band aufgetreten.

Jazz:now setzt auf musikalische Projekte aus der Schweiz, darunter einem von Albin Brun und Bruno Amstad, die mit Jazz-World-Fusionen international für Aufsehen sorgen, oder jiddischer Musik von «Playin' Tachles». Und mit der Sängerin Nicole Herzog tritt eine gebürtige Thurgauerin auf. Auch sie hat schon bei Generations Aufsehen erregt mit ihrer mal zerbrechlichen, mal gewaltigen Stimme, die alle Stile abdeckt, von Blues und Soul über Swing bis hin zu Latin.

It’s jazz o’clock now: Programm 2020
• 22.1. Morgenthaler Röllin Ruben «Mister Z»
• 26.2. Kaos Protokoll
• 25.3. Nicole Herzog/Stewy von Wattenwil Group
• 5.5. Sarah Chaksad Orchestra
• 3.6. Yves Theiler Trio
• 11.9. Playin’ Tachles
• 16.10. Le string ’Blö
• 11.11. Albin Brun/Bruno Amstad
• 4.12. Marena Witcher
www.eisenwerk.ch/kultur/konzerte/ jazznow