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Dem eigenen Sein nachspüren

Seit Anfang Jahr touren Nelly Bütikofer und Karin Minger samt einer Pianistin durch die Deutschschweiz. Nun zeigen sie ihr neuestes Tanzstück zweimal in der St. Galler Lokremise.
Brigitte Schmid-Gugler
Im Zwiegespräch um Sein und Vergehen ohne ein einziges Wort: Karin Minger und die Tanzpionierin Nelly Bütikofer. (Bild: Christian Glaus)

Im Zwiegespräch um Sein und Vergehen ohne ein einziges Wort: Karin Minger und die Tanzpionierin Nelly Bütikofer. (Bild: Christian Glaus)

«Ja sagen zum bin ich geworden so sein.» Man könnte denken, da seien ein paar Wörter aus dem Satz gepurzelt. Wie ein Fehlschritt beim Tanzschritt. Aber nein, das Zitat stammt aus einem Gedicht des in Berlin lebenden Autors und Lyrikers Wolfgang Heyder. Geschrieben hatte er es für die grosse Pina Bausch, die 2009 starb. Sie war mit Jahrgang 1940 acht Jahre älter als Nelly Bütikofer, die dieses Jahr siebzig wird. Tänzerisch kann sie ihrer viel jüngeren Kollegin Karin ­Minger leicht das Wasser reichen. Die beiden Performerinnen für ­Zeitgenössisches betiteln ihre neueste gemeinsame Arbeit mit Heyders Satz und feierten im Januar Premiere in Bern. Auch im Kulturparkett Rapperswil waren sie neulich zu Gast, und man konnte miterleben, wie sie Ly- rik und Musik von Beethovens «Eroica»-Variationen tänzerisch kombinieren.

Die Schraffur des Lebensweges

Einem Abzählreim gleich die ersten Töne der Pianistin Stefi Spinas. Wie Karin Minger gehört auch sie seit Jahren zur wechselnden Truppe um die Tanzpionierin Nelly Bütikofer und ihren spartenübergreifenden Choreografien. Die beiden Frauen reagieren auf ganz unterschiedliche Weise auf das «Heroische» des gurgelnden Klangteppichs. Sie nähern sich und fliehen, tasten und ­behaupten, flirten tänzerisch im Stil einer romantischen Lebens­komödie. Repetitive Strukturen werden immer wieder durchbrochen, die Bewegungsmöglichkeiten der einzelnen Körperteile nutzend und auslotend. Mal scheint’s ein Eiertanz, dann wieder ein Gegen-die-Wand-Rennen. Die Jüngere greift zur Decke oder wickelt sich ein, die Ältere schüttelt etwas von sich ab, befühlt den Kokon ihrer eigenen Verletzlichkeit mit Fingerspitzen. Der über die Brust gezogene Plisseerock der Bütikofer (Kostüme: Gabi Rahm) verleiht dieser einen Hauch von verträumter Renitenz. Alt werden? Wohlan denn! In ihren Tanz- und Bewegungsabläufen spiegelt sich das Ja-Sagen zum Gewesenen genauso wie die Frage nach dem Wie. Wie alles werden wird, wenn die Erinnerungen und der eigene Leib zu schrumpfen beginnen.

Ausdrucksstarkes Duo

Nelly Bütikofer stellt sich ih- rem aktuellen Lebensabschnitt mit einer ans Herz rührenden Zärtlichkeit und Hingabe. Wenn sie plötzlich innehält und wie ein altes Kind an sich herunter und dann in die Weite blickt. Den Mund öffnet und wieder schliesst. Sogar ihre Mimik ist Tanz.

Karin Mingers jugendlich-performativer Gegenpart ist pure Lebendigkeit und Stimulation. «Wortwechsel» könnte man es nennen, wie sie an der Seite der älteren Kollegin das «Va­riationen»-Thema künstlerisch modelliert. Ihre tänzerische ­Präsenz ist manchmal ein Echo, dann Reibung, Balance, dann wieder ein entschlossenes Raumnehmen, bestimmt und weich zugleich. Aus der Gemeinsam-keit des Duos strahlt ein einfühlsames, künstlerisch bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Werk um Sein und Vergehen. Es wird alles gesagt und verstanden. Ohne ein einziges heroisches Wort.

Vorstellungen: Do, 24.5. und Sa, 26.5. Lokremise St.Gallen, jeweils 20 Uhr

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