Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DEAR TO ME: Das ist keine Ausstellung

Das Kunsthaus Bregenz und sein Architekt Peter Zumthor feiern sich zum 20. Geburtstag ausgiebigst selbst: Auf vier Stockwerken zeigt der Bündner, dass ihn Musik, Bücher und Gärten inspirieren.
Christina Genova
Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger haben für Peter Zumthor einen Garten angelegt – den zartesten ihrer Karriere. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger haben für Peter Zumthor einen Garten angelegt – den zartesten ihrer Karriere. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Christina Genova

christina.genova

@tagblatt.ch

An der meterlangen Bar werden Drinks in Blau, Rot und Grün gereicht. Samtene Sessel in warmen Farben laden zum Entspannen ein, auf dem Boden liegt ein roter Teppich, mitten im Raum steht ein Flügel. Das minimalistische Foyer des Kunsthauses Bregenz ist kaum wiederzuerkennen. Dessen Verwandlung in eine einladende Lounge hat Peter Zumthor, der Architekt des Kunst­hauses höchstpersönlich zu verantworten. Zum 20. Geburtstag des Baus hat er dort «Dear to me» eingerichtet – «eine Ausstellung, die keine Austellung ist», wie Direktor Thomas D. Trummer nicht müde wird zu betonen. Wohl um keine falschen Erwartungen zu wecken – denn anders als vor zehn Jahren, als Zumthor im Kunsthaus eine Retrospektive zeigte, hat der Architekt für sein zweites Heimspiel ein völlig anderes Konzept gewählt. Er umschreibt es folgendermassen: «Ich möchte Ihnen Dinge zeigen, die mir lieb sind und mit Ihnen teilen.» In Zumthors Auswahl offenbart sich, was auch in seiner Architektur zum Ausdruck kommt: ein neugieriger, zutiefst humanistischer Mensch.

Lieb sind Zumthor alle Künste: Die Lounge im Erdgeschoss bildet den Rahmen für über 160 Konzerte und Lesungen. Ausserdem lädt Peter Zumthor an elf Sonntagen Menschen, die ihn interessieren, zu Gesprächen ein. Ganz auf eine Retrospektive mochte man aber nicht verzichten: Teil der Schau ist eine Filmcollage von Christoph Schaub zu Zumthors Schaffen.

Sechzehn Meter Musik

Im ersten Obergeschoss greift die Musik in den Raum hinaus. Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth hat speziell für die Ausstellung das Stück «Tinkle for P. Z.» geschrieben – für eine Spieluhr, an der die Besucher drehen können. Zwölf Minuten dauert es, bis die sechzehn Meter Musik abgespult sind, das Lochkartenband ist bis an die Decke gespannt. An den Wänden hängt eine Serie von Schwarz-Weiss-Bildern der Fotografin Hélène Binet. Sie zeigen den Weg, welcher die Akropolis hoch zum Parthenon führt. Gestaltet wurde er in den 1950er-Jahren von Zumthors Lieblingsarchitekten Dimitris Pikionis. Für die Pflästerung verwendete er, was vor Ort vorhanden war: Athener Bauschutt und antike Spolien. Pikionis’ Sensibilität für den Ort und seine Geschichte faszinieren Zumthor und sind auch seinem Schaffen eigen.

Der zweite Stock ist ganz den Büchern gewidmet: Ein Labyrinth aus Regalen trägt rund 40000 Bände – lesen ist erlaubt. Es ist die Bibliothek des Churer Antiquars Walter Lietha. Ein Garten von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger wächst im obersten Geschoss. «Lungenkraut» heisst die filigrane Installation, die der Luft gewidmet ist. Körperwärme genügt, um die aus natürlichen und künstlichen Elementen bestehenden Mobiles in Bewegung zu versetzen. Über die Installation, die in den letzten zwei Wochen vor Ort gewachsen ist, sagt Jörg Lenzlinger: «Der Raum hat eine so wahnsinnige Klarheit, dass es uns gelungen ist, den zartesten und fragilsten Garten unserer zwanzigjährigen Zusammenarbeit zu schaffen.»

Bis 7.1.; Rahmenprogramm unter www.kunsthaus-bregenz.at.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.