«De Herbscht packt sini Sibesache zeme»

Rainer Stöckli
Merken
Drucken
Teilen

Gut viereinhalb Jahre Poesie in der «Ostschweiz am Sonntag»: Es dürften an die 240 Texte gewesen sein, die seit März 2013 Sonntag für Sonntag ans Licht gekommen sind. Im Extrem Gedichte noch aus den Nachkriegsjahren, häufig jedoch und absichtsvoll erst einzweidrei Monate junge, also frische Lyrik, gerne aus der Ostschweiz, dann und wann Unveröffentlichtes, das im hiesigen Licht noch geblinzelt hat.

Meist aber waren’s Augenaufschläge! Viereinhalb Jahre Sonntagmorgenhelle, weder Scheinwerfer noch Dreipolstecker taten not, einzig das Zitat mit Angaben zu Verfasser/Verfasserin und Textquelle. Mit der heutigen Ausgabe ist der «Ostschweiz am Sonntag» zwar nicht der Strom genommen, aber dem «Sonntagsgedicht» auf hellgrau unterlegtem Feld, postkartengross, die Belichtung. Statt mit einem Nachruf quittiere ich den Dienst mit drei Monatsstrophen. Gedicht-Zyklen zu den zwölf Monaten und Jahreszeiten-Lyrik sind uralte, schon im Hochmittelalter und dann in der Barockzeit beliebte poetische Gefässe; auch in neuerem Literaturschaffen sind kalendarische Lyrik und Dutzende von Monatsgedicht-Folgen geborgen respektive versteckt. Die Wahl der Strophen aus Mühlemann-Messmers «Kalenderjoor» (Mundart des Appenzeller Hinterlandes) möchte als Beschluss unserer Langsequenz von «Sonntagsgedichten» passen. Nämlich uns daran erinnern, es habe manches auf Erden seine Zeit (sein «Von» und sein «Bis»), aber im Vorübergehen sei nicht bloss Fortgang, sei stets auch Heimkehr.

Rainer Stöckli

Sein Wissen um die Lyrik in der Ostschweiz hat diese Rubrik erst möglich gemacht. Wir danken dem Autor, Essayisten, Literatur- und Sprachforscher Rainer Stöckli für seine feine Auswahl – Sonntag für Sonntag. (red)