SRG-Fest
Das üppige Abschiedsfest des SRG-Präsidenten in der Kritik

Das Ausmass der Abschiedsfeier des SRG-Verwaltungsratspräsidenten Jean-Bernard Münch stösst auf Unverständnis: Die gebührenfinanzierte SRG buchte für das Fest vom letzten Freitag den ganzen Berner «Kornhauskeller» für mehrere 10'000 Franken.

Lorenz Honegger, Bern
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Jean-Bernard Münch kann die Kritik an seinem Fest nicht nachvollziehen. KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Jean-Bernard Münch kann die Kritik an seinem Fest nicht nachvollziehen. KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Grossanlässe im Berner «Kornhauskeller» in geschlossener Gesellschaft kosten schnell einmal mehrere zehntausend Franken. In den Wintermonaten November und Dezember sind die Tarife am höchsten. Nicht beeindruckt von den happigen Preisen waren die Verantwortlichen der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), als sie das Abschiedsfest ihres scheidenden Verwaltungsratspräsidenten Jean-Bernard Münch organisierten.

Luxus-Übernachtung angeboten

Für die grosse Sause im «Kornhauskeller» buchte der gebührenfinanzierte Betrieb das ganze Lokal. Am vergangenen Freitag erschienen dann 145 von Münchs Freunden und Weggefährten zur grossen Sause in der Berner Altstadt. Um eine rechtzeitige Heimreise mussten sich die Gäste nicht bemühen. Die SRG offerierte ihnen eine Unterkunft im feudalen Fünf-Sterne-Hotel Bellevue oder im Hotel Bern, das unmittelbar neben dem «Kornhauskeller» liegt.

Die opulente Abschiedsfete mit Gratisübernachtung im Hotel stösst im Bundeshaus auf wenig Verständnis. «Ich finde den Aufwand für diesen Anlass grenzwertig», sagt der Zuger CVP-Ständerat Peter Bieri. Auch ihn habe die SRG in den «Kornhauskeller» eingeladen. Hingegangen sei er nicht, weil er Jean-Bernard Münch gar nicht persönlich kenne.

«Frechheit» gegenüber Gebührenzahlern

Keine Einladung zum Fest erhielt der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner – eine Meinung dazu hat er dennoch. «Ich finde, ein Fest mit 145 Personen ist nicht akzeptabel. Ein Nachtessen im kleinen Kreis hätte ausgereicht», sagt er. Von «einer Frechheit gegenüber den Gebührenzahlern» spricht die profilierteste SRG-Kritikerin im Parlament, SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.

«Mit diesem Fest ist die SRG zu weit gegangen», sagt die Zürcherin, die bei einem privaten Vermarkter für TV-und Radio-Werbung arbeitet. Es sei nicht das erste Mal, dass sich eine SRG-Kaderfigur den eigenen Abgang derart teuer garnieren lasse.

Kein Verständnis

Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch kann die Kritik an seinem Abschiedsfest nicht nachvollziehen. «Die Tarife im ‹Kornhauskeller› sind für Berner Verhältnisse normal und überhaupt kein Luxus. Es war eine Anerkennung für jemanden, der der SRG 42 Jahre lang gedient hat», so Münch.

«Wenn ich für Novartis oder die Migros arbeiten würde, hätte das Fest ganz anders ausgesehen.» Die SRG-Pressestelle teilt mit, der Anlass mit Hotelübernachtung sei nicht nur für Münch, sondern auch zur Würdigung von zwei weiteren abtretenden Verwaltungsräten durchgeführt worden: «Die Feier fand in angemessenem Rahmen statt und hat allen Anwesenden Freude bereitet.»

Keine Transparenz

Genaue Zahlen zu den Kosten von Münchs Abschiedsfest nennt der Konzern nicht. Nationalrätin Rickli findet dies bedenklich: «Die SRG kann mit den Konzessionsgeldern machen, was sie will. Sie ist den Gebührenzahlern keine Rechenschaft schuldig.»

In der Tat muss die SRG keine detaillierten Angaben zu ihren Ausgaben veröffentlichen. Das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen verpflichtet den Konzern lediglich zur Einhaltung der Vorschriften, die für private börsenkotierte Aktiengesellschaften gelten. Auf eine Interpellation Ricklis antwortete der Bundesrat letztes Jahr, er sehe keine Veranlassung, von dieser Berichterstattungsform abzuweichen.

Parteien fordern Transparenz

Inzwischen hat Ricklis St. Galler Nationalrats- und Parteikollege Lukas Reimann die Forderung nach mehr Transparenz in Form einer Motion beim Bundesrat eingereicht. Wird der Vorstoss von beiden Kammern des Parlaments angenommen, muss die SRG in Zukunft die Kosten für Feste wie jenes am letzten Freitag transparent machen.

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