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Regionale Ausstellungen rund um William Turner: «Das Unscharfe schärft die Wahrnehmung»

Anlässlich der Ausstellung «Turner. Das Meer und die Alpen» hat das Kunstmuseum Luzern verschiedene regionale Institutionen angefragt, auf das Werk des englischen Malers zu reagieren.
Giulia Bernardi
Monika Müller: «Ways of Turner 36 (Keld)», Graphitpulver, Farbstift und Bleistift. (Bild: Bea Weinmann)

Monika Müller: «Ways of Turner 36 (Keld)», Graphitpulver, Farbstift und Bleistift. (Bild: Bea Weinmann)

Was uns heute an den Landschaftsbildern von Joseph Mallord William Turner fasziniert, sorgte früher für Entsetzen: Der englische Maler folgte nicht der naturgetreuen Darstellung seiner Umgebung, wie diese an Akademien des frühen 19. Jahrhunderts gelehrt wurde. Vielmehr interessierten ihn die durch Licht oder Wetter hervorgerufenen Stimmungen. Die Ruhe eines Sonnenaufgangs, die Wucht eines Sturms.

Diese flüchtigen Atmosphären versuchte Turner festzuhalten. Er verwendete glühende Farben und versuchte die Schönheiten und Bedrohungen der Natur am eigenen Leib zu erfahren. Für sein Gemälde «The Slave Ship» von 1840 liess er sich sogar an den Mast eines Schiffes fesseln, um einen Sturm hautnah zu erleben. Die Gewalt des aufgewühlten Meeres ist auf der Leinwand förmlich spürbar: Die Gischt verschlingt das Schiff, lässt Wasser und Himmel ineinanderfliessen.

Schnittstelle zwischen Dichtung und Malerei

Die Natur vermochte nicht nur den englischen Maler in ihren Bann zu ziehen; auch für die Dichterinnen und Dichter der Romantik war sie eine willkommene Muse. Die Ausstellung «I wandered lonely as a cloud…» im Sankturbanhof Sursee bewegt sich an dieser Schnittstelle und vereint literarische und visuelle Beiträge. Die Werke dreier Künstlerinnen und Künstler reagieren formal oder inhaltlich auf Turner und werden durch Passagen aus romantischer Dichtung erweitert.

Etwa die Werke der Luzernerin Monika Müller. Auf einer Reise durch Nordengland fotografierte und skizzierte sie die Landschaft, um sie dann zu zeichnen. So kartografierte die Künstlerin in «Ways of Turner» jene Umgebung, die der Maler vor gut 200 Jahren selbst besucht hatte. «Ich trete gewissermassen in seine Fussstapfen, gehe aber meinen eigenen Weg», sagt sie. Indem Monika Müller ihre Zeichnungen nicht vor Ort, sondern nachträglich anfertigt, lässt sie, wie es Turner damals tat, den topografischen Charakter ihrer «Sample Studies» mit ihren subjektiven Erinnerungen verschmelzen.

Tageslicht dehnt sich unterschiedlich aus

Ein Dialog mit Turner entsteht auch über raumgreifende Installationen. «Cloud» der Luzernerin Carola Bürgi ist ein wolkenähnliches Gebilde aus 1400 Plastikflaschen, die als grosses Konglomerat im Sankturbanhof von der Decke hängen. Die Installation ist so positioniert, dass sich das Tageslicht jeweils unterschiedlich im Raum ausdehnt: Je nachdem, wie dicht die Flaschen nebeneinander angeordnet sind, kann das Licht mehr oder weniger durch sie hindurchdringen. Für Turner war «Licht eine Farbe», wie ein bekanntes Zitat von ihm lautet.

Eine weitere Parallele zieht die Wahlluzernerin Anna-Sabina Zürrer in der Ausstellung «TURNERline» im Kunstraum Hochdorf. In ihrer Performance «Auslese (Malerei) IV» taucht sie Diapositive, auf denen Gemälde von Turner abgebildet sind, in Säure und projiziert diese anschliessend an die Wand. Turners Landschaften verflüchtigen sich vor den Augen der Besuchenden zu dünnen Linien – Himmel wird zu Wasser, Wasser zu Himmel.

Diese und weitere Ausstellungen in der Region, etwa im Kunstraum Benzeholz in Meggen, greifen Turners Verständnis von Malerei auf. Diese ist keine strenge Komposition, die durch klare Strukturen bestimmt wird. Sondern ein Raum für das Unkenntliche, das neue Denkräume öffnet, ein «Raum für das Unscharfe, das die Wahrnehmung schärft», wie es Carola Bürgi beschreibt.

Ausstellung im Kunstraum Hochdorf bis 28. Juli. Vernissage am Sonntag, 30. Juli, 17 Uhr, Performance von Anna-Sabina Zürrer um 17.30 Uhr. Lavendelstr. 8, Hochdorf. www.kunstraum-hochdorf.ch

Ausstellung im Sankturbanhof bis 10. November. Vernissage am Sonntag, 30. Juli, 11 Uhr. Theaterstr. 9, Sursee. www.sankturbanhof.ch

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