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Das stille Lächeln über den Selfie-Hype: Italien hätte gern Mona Lisa zurück, für Paris ist das ausgeschlossen

Durch Panzerglas geschützt, zieht das berühmteste Gemälde der Welt im Pariser Louvre-Museum jeden Tag 20'000 Besucher an. Kein Wunder, hätte Italien die Mona Lisa gerne zurück. Doch in Paris denkt man nicht daran.
Stefan Braendle, Paris
Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)
Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)
Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)
Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. Auch von Prominenten wie Beyoncé und Jay Z. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)Selfie-Hype vor «Mona Lisa» im Pariser Museum Louvre. Auch von Prominenten wie Beyoncé und Jay Z. (Bild: Bilder: Instagram, Alamy)
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Das stille Lächeln über den Selfie-Hype

Hätte Leonardo da Vinci das Porträt gemalt, wenn er geahnt hätte, was er damit anrichtete? Jeden Tag sorgt das Gemälde im Louvre für einen Massenauflauf. Kaum gehen morgens die Pforten des ehrwürdigen Museums auf, stürmen die Besucher die Kassen unter der Glaspyramide; dann hetzen sie durch die Gänge, achtlos vorbei an weltberühmten Skulpturen wie der Venus von Milo. Sie hasten die Treppen hoch und in einen Saal, in dem einmalige Werke der Kunstgeschichte von Tizian bis Veronese hängen. Doch deswegen sind die Besucher nicht gekommen. Sie haben nur Augen für ein 55 mal 77 Zentimeter grosses Rechteck aus Pappelholz, auf dem eine mysteriös lächelnde Dame zu sehen ist. Mona Lisa hängt hinter einer 40 Millimeter dicken, vierschichtigen, bruchsicheren und erst noch reflexfreien Glasscheibe. Jahreszeiten kennt sie nicht, denn ihre Raumtemperatur liegt konstant bei 20 Grad, die Luftfeuchtigkeit bei 50 Prozent.

Ohne zu blinzeln verfolgt Mona Lisa den gewaltigen Rummel, den fast 20 000 Besucher täglich vor ihr veranstalten: Touristen aus allen Weltgegenden stellen sich mit dem Rücken zu ihr hin, um sich mit ihr per Selfie zu verewigen; Hochzeitsreisende aus Fernost nehmen sie aus allen Blickwinkeln auf, Schulklassen ­kreischen ihr vor der Nase herum.

Das Lächeln bleibt unverwüstlich

Das Lächeln der Gioconda bleibt unverwüstlich. Möglicherweise gehörte es einmal einer Florentinerin namens Lisa Gherardini. Von ihr weiss man nur, dass sie 1495 den Seidenhändler Francesco del Giocondo heiratete. Das verhalf dem Bild zum Übernamen. Dank dem französischen König Franz I., der da Vinci an seinen Hof holte, kam die «Monna Lisa», wie man sie damals nannte, von Florenz nach Paris. Und dort ist sie seither geblieben, wenn man von kleineren Ausflügen absieht.

1911 war das schon damals weltberühmte Gemälde einmal geraubt worden. Zwei Jahre später wurde die Diebesbeute endlich in einem Hotel in Florenz sichergestellt. Der Maler namens Vicenzo Peruggia gestand die Tat und begründete sie damit, er habe die expatriierte Bürgersfrau in ihre Heimat zurückschaffen wollen. Lisas Lächeln tat dies keinen Abbruch. 1963 reiste «la Joconde» nach Washington und New York, wo sich ­sogar John und Jackie Kennedy vor ihr ablichten liessen. Seit bald fünfzig Jahren hat Mona Lisa den Louvre nicht mehr verlassen. Einen Säureanschlag und einen Steinwurf hat sie überstanden.

Heute ist ihr Konterfei längst ein Mythos. Kein Gemälde wird häufiger besucht, keines häufiger kopiert, imitiert oder parodiert wie das der illustren Florentinerin. An die 60 naturgetreue Nachahmungen sollen existieren, zwei davon im Louvre-Lager selbst. Botero, Warhol und der Dadaist Marcel Duchamp steuerten Versionen bei. Noch einen Superlativ hat Mona L zu bieten: Kein Gemälde wird so genau überwacht wie ihres. Und zwar nicht nur durch das ­geheime Sicherheitsdispositiv. Die Forschungsabteilung des Louvre registriert jede noch so minime Veränderung durch 3D-Fotos, Infrarotaufnahmen, Pigmentanalysen und Röntgenbilder.

Alle Technik vermag aber nicht die Frage zu klären, ob Mona Lisa wirklich die Florentinerin Lisa Gherardini darstellt. An Alternativvorschlägen mangelt es nicht. Experten schliessen nicht aus, dass sich Leonardo in dem Bild zum Teil selber porträtiert habe. Stellt Mona Lisa sein weibliches Ich dar? Ein Argument lieferte Sigmund Freud, als er aufgrund langjähriger Analysen auf Leonardos Homosexualität schloss. Der italienische Forscher Silvano Vincenti behauptet, da Vinci habe seine männliche Muse Salaì verewigt. Rätselhaft bleibt auch das Lächeln. Ein Renaissance-Exkurs über die weibliche Schönheit hielt damals fest, die leichte Anhebung der Mundwinkel sei ein Zeichen von Eleganz. Auffällig ist, dass ausgerechnet die Mund- und Augenpartien unpräzis gehalten sind. Dabei lernen schon Zeichenstudenten, dass diese Gesichtspartien den Charakterausdruck weitgehend bestimmen. Einige Kunsthistoriker schliessen daraus, dass Leonardo bewusst die Spuren verwischen wollte, die auf die dargestellte Person und ihren Gesichtsausdruck verweisen konnten. Die unterschiedlich hohe Horizontlinie und die nicht identischen Gesichtshälften hat das Malgenie wohl bewusst eingesetzt: Dank dieser Stilmittel ändert la Joconde ihren Gesichtsausdruck je nach Gemäldeteil.

Die Italiener verstehen bis heute nicht, warum das Meisterwerk nicht in Florenz hängt. Seit dem Antritt der Rechtsregierung in Rom kommen dazu diplomatische Querelen mit Frankreichs Präsidenten Macron. Im März kündigte Innenminister Matteo Salvini an, er sei mit dem französischen Botschafter in Rom «im Gespräch, um die Gioconda nach Italien zurückzuholen». Eine kulturpolitische Bombe! Doch um eine weitere politische Krise mit Paris zu vermeiden, fügte Salvini sogleich an, das sei «natürlich ein Scherz». Auch Mona Lisa musste natürlich schmunzeln.

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