Das spurlos verschwundene Talent

Lesbar Krimi

Drucken
Teilen

picture-1854565265-accessid-355416.jpg

Philip Kerr: Die falsche Neun, Tropen 2015, 367 S., Fr. 19.90

In seinen Kriminalromanen verfolgt der Schotte Philip Kerr zwei verschiedene Spuren: Er lässt seinen Ermittler Bernie Gunther im Dritten Reich und im Kalten Krieg Fälle von politischer Dimension lösen. Und er begibt sich, da begeisterter Anhänger von Arsenal London, ins Fussballmilieu. Auch hier arbeitet er mit einem Serien-Ermittler. Es ist Scott Manson, dessen Karriere als Fussballtrainer in der englischen Premier League in «Die falsche Neun» gerade an ein vorübergehendes Ende gekommen ist, und der nun eine neue Stelle sucht. Seine Agentin findet, er könnte es doch in China probieren. Doch ein gut dotiertes Angebot aus Shanghai entpuppt sich als Intrige. Da bittet ihn der FC Barcelona, einen spurlos aus seiner Pariser Luxuswohnung verschwundenen Fussballer zu suchen, ohne dass die Öffentlichkeit Wind bekommt. Viel Geld winkt, wie immer, wenn es um Spitzenfussball geht. Über sieben Ecken löst Scott Manson den Fall, und man kann sich seine etwas kaltschnäuzige Art gut im realen Fussballzirkus vorstellen. Denn Philip Kerr verbindet viel Fussball-Hintergrundwissen mit einer reichen Portion britischen Humors. Was die ganze Sache dann zu einem grossen, durchaus lehrreichen Vergnügen macht.

picture-1854565633-accessid-355415.jpg

John le Carré: Der heimliche Gefährte, Ullstein 2016, 400 S., Fr. 17.90

Unfähigkeit regiert die Welt der Geheimdienste

Noch haben sie nicht ausgedient, die Geheimdienste. Und sie werden es wohl niemals tun. Und weil das so ist, lohnt sich die Lektüre der Geheimdienstromane John le Carrés nicht nur, weil der Mann gerade 85 geworden ist – sondern weil sich in ihnen viel Wahrheit findet über das Wesen des Menschen. Le Carré ist überzeugt, dass «nicht Verschwörungen, sondern Unfähigkeit die Welt der Geheimdienste regiert», wie er im Vorwort von «Der heimliche Gefährte» erklärt. Das letztes Jahr neu aufgelegte Buch schildert einen Ausbildungslehrgang im englischen Geheimdienst, zu dem sein Leiter Ned den erfahrenen George Smiley einlädt. Der erzählt von kuriosen und erschütternden Fällen. Den erschütterndsten hat le Carré nach einem realen Vorbild geschaffen. Er handelt von einem gestrauchelten Jesuitenpater, der in den Indochina-Kriegen für seine Tochter durchs Feuer geht.

Rolf App

Aktuelle Nachrichten