Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das Solistenkonzert zeigt Musiker am Scheideweg

Am Ende des Jahres präsentieren sich die Besten der Hochschule Luzern – Musik in ihrem Abschlusskonzert im KKL. Es sind ausschliesslich Frauen, und sie präsentieren ein hochstehendes Programm.
Roman Kühne
Lucie Kočí bei ihrem Auftritt am Solistenkonzert im KKL. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 25.6.2019)

Lucie Kočí bei ihrem Auftritt am Solistenkonzert im KKL. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 25.6.2019)

Reicht es zum Star oder zumindest zum Orchestermusiker. Liegt die Zukunft in den kleinen Formationen, beim Kollektiv oder darf man gar allein brillieren? Die Musikerinnen des Solistenkonzertes vom Dienstagabend im KKL stehen zwar nicht mehr ganz am Anfang der Karriere. Ihre kommende Zeit und Laufbahn ist teils schon in die Bahn gebracht.

Die eine (Meghan Nenniger) ist Vorspielerin der ersten Violinen in der Bayerischen Staatsoper, eine andere (Aliya Battalova) spielte mit den Münchner Philharmonikern, und eine Dritte (Jana Telgenbüscher) ist Mitglied des Mahler Jugendorchesters, wo sie auch schon solierte. Dennoch, nervös sind sie alle, die sechs Solistinnen, welche ihr Abschlusskonzert dem Publikum präsentieren. Einerseits geht es um die Studiumsnoten. Andererseits sitzt sicher auch der eine oder andere Talentspäher unter den Zuschauern. So wurde zum Beispiel vor ein paar Jahren die Luzernerin Barbara Bossert vom Dirigenten des Sinfonieorchesters aus São Paulo vom Fleck weg als Soloflötistin engagiert.

Hohes Niveau und seltene Stücke

Dabei müssen sich die auftretenden Musikerinnen eigentlich wenig Sorgen machen. Wie jedes Jahr überzeugt das hohe Niveau der Absolventinnen, eine Bestätigung der Attraktivität des Musikplatzes Luzern und seiner hiesigen Hochschule Luzern – Musik. Auch ist das Programm geschickt gewählt. Sinnvollerweise setzen die Solistinnen eher auf Unbekanntes denn auf die Schlachtrösser der Sololiteratur, wo man jede Note kennt. Mit Ausnahme des 1. Klavierkonzerts von Sergei Prokofjew erklingen so Nummern, die man eher selten im Konzertbetrieb hört. Spannende Musik für Ohr und Seele, auch wenn die Auswahl sich etwas gar auf die melancholische Seite neigt. So spielt etwa die Ungarin Lucie Kočí das Violinkonzert in a-Moll von Alexander Glazunow mit einem vollen und warmen Ton in der Tiefe.

Zwar dürfte sie in der Interpretation etwas mehr an die Grenze gehen, doch vor allem die ruhigen Teile und der Tanz im dritten Satz entfalten einen überzeugenden Schmelz. Ein erster Höhepunkt ist der Auftritt der kanadischen Geigerin Meghan Nenniger. Sie spielt die «Poème» des Franzosen Ernest Chausson (op. 25) wesentlich dramatischer, entwickelt eine Geschichte aus Liebe und ihrem Triumph. Voll auch in der Höhe, mit weitem Bogenstrich, flammt ihre Violine im sehnenden Glühen. Tosend und lodernd.

Grosses Schlussbouquet

Da hat es die nachfolgende Aliya Battalova aus Kasachstan eher schwer. Das sperrige Oboenkonzert von Bohuslav Martinů, welches teils abrupt und giftig in die Höhe geht, ist trotz seinen jazzigen Elementen ein schwieriger Brocken. Neben der Lautstärke des Orchesters, die sich an der oberen Grenze bewegt, hätte man sich eine klarere, zeichnendere Linie gewünscht. Hervorragend spielt die Solistin den fröhlichen Tanz im dritten Satz, gestaltet die ruhigeren Teile körperhaft und einfühlsam. Auch bei anderen Solisten ist das Luzerner Sinfonieorchester teils etwas laut. Unter der genauen Leitung der taiwanesisch-amerikanischen Dirigentin Mei-Ann Chen überzeugen die Musiker jedoch mit viel Dialog und einem farbigen und flexiblen Klang.

Die Französin Elodie Théry singt das Cellokonzert von Arthur Honegger elegant und ausdrucksstark. Witzig sind die tänzerischen Wechsel mit den Bässen und Klarinetten, poetisch und leicht tönt die Schluss­sequenz. Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist das malerische «Adagio con variazioni» von Ottorino Respighi. Jana Telgenbüscher trifft gut den romantischen Tonfall und die klagende Stimmung des Stückes. Zusammen mit der Oboe d’Amore zieht sie schwelgende Kreise für die Ewigkeit. Ein sterbender Schwan nach Art der Italiener.

Zum Schluss das explosive und vielgespielte Klavierkonzert Nr. 1 von Sergei Prokofjew. Zwar gerät der Anfang etwas plakativ und breit, doch gibt die Russin Marina Vasilyeva dem Stück ein quirliges Profil, spielt akzentreich, ja manchmal etwas hart, aber klar und mit Ausstrahlung. Ein würdiges Schlussbouquet zu diesem Abend, ein Bouquet, dass mit den zahlreichen blumentragenden Gratulanten auch optisch unterstrichen wird.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.