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Interview

Marina Viotti im Luzerner Theater:
«Das Singen nimmt viel Kraft»

Die Mezzosopranistin Marina Viotti singt die Titelrolle in Offenbachs «Die Grossherzogin von Gérolstein». Im Interview erklärt sie, weshalb sie künstlerisch so vielseitig aufgestellt ist.
Interview: Stefan Degen
Fühlt sich im Luzerner Theater wie zu Hause: Marina Viotti. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 4. April 2019)

Fühlt sich im Luzerner Theater wie zu Hause: Marina Viotti. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 4. April 2019)

In der Spielzeit 2015/2016 ist Marina Viotti zum ersten Mal am Luzerner Theater aufgetreten – als Maddalena in Verdis «Rigoletto». Seither hat die Schweizerin hier weitere Rollen gestaltet, so die Isabella in Rossinis «L’Italiana in Algeri» und zuletzt vor einem Jahr die Elisabetta in ­Donizettis «Maria Stuarda». Jetzt stellt sie sich einer noch grösseren Herausforderung mit der ­Titelpartie der Grossherzogin in Jacques Offenbachs satirischer Opéra bouffe. Im Gespräch gibt sich die 32-jährige Sängerin und Tochter des 2005 verstorbenen Dirigenten Marcello Viotti sympathisch offen.

Was bedeutet Ihnen der erneute Auftritt am Luzerner Theater?

Marina Viotti: Ich habe hier nur gute Erfahrungen gemacht und immer auch etwas riskiert. Die Rolle der Grossherzogin ist eine gute Gelegenheit, eine grosse Partie in einem kleinen Haus auszuprobieren – und das ganz ohne Druck. Diese Arbeit ist mir später in einem grösseren Theater nützlich. Die Stücke in Luzern sind immer Qualitätsproduktionen, bei denen ich wichtige Erfahrungen sammeln kann. Ich fühle mich hier ganz zu Hause.

Haben Sie schon Erfahrungen mit Offenbach-Operetten?

In Rezitals habe ich schon öfters Stücke von Offenbach gesungen. In der kommenden Spielzeit werde ich in Lausanne die Rolle des Nicklausse in «Les contes d’Hoffmann» singen – eine grosse ­Herausforderung. Die Rolle der Grossherzogin ist sehr fordernd. Sie hat mehrere hohe Cs und ist fast ohne Unterbruch auf der Bühne. Die Partie ist auch schauspielerisch sehr interessant.

Können Sie etwas über die szenische und musikalische Umsetzung verraten?

Wir beziehen das ganze Theater mit ein, die Zuschauer sind mein Volk. Ich spreche sie direkt an und sie werden teilweise auch in die Handlung mit einbezogen. Die Kostüme sind eine Mischung aus Gucci, Barock und Moderne, sehr extravagant. Gesungen und gesprochen wird in zwei Sprachen: In Französisch für die offiziellen Äusserungen des Hofes, die intimeren Passagen und Liebesszenen sind in Deutsch. Die deutschen Dialoge waren ein hartes Stück Arbeit für mich. Es gibt im Verlauf des Stückes viele Überraschungen.

Wie würden Sie ihre Stimme charakterisieren?

Ein echter Mezzosopran mit einem sicheren hohen und tiefen Register, wobei die Mittellage meine grosse Stärke ist.

Sie sind erst spät zur Klassik gekommen, davor haben sie sich mit Metal, Gospel und Jazz befasst. Weshalb diese Vielseitigkeit?

Ich wäre nicht ganz glücklich nur mit der klassischen Musik, denn ich bin sehr neugierig auf unterschiedlichste Stilrichtungen, ­erkunde verschiedene Stimm­farben und kreiere auch eigene Shows. Ich liebe es, mit dem Publikum zu kommunizieren.

Sind Sie ausschliesslich freiberuflich tätig?

In Genf war ich eine Zeit lang im Ensemble engagiert. Seit diesem Jahr bin ich erstmals Freelancer. Ich mache heute das, was ich gut finde für mein künstlerisches Verständnis. Dies ist ein Luxus, und ich bin dankbar, so lange wie möglich diese Wahl zu haben.

Wo liegen derzeit die Schwerpunkte in Ihrem Repertoire?

Ich singe Werke von Rossini, Händel, Offenbach, bald auch von Mozart. Fünf Mal ist mir schon die Rolle der Carmen angeboten worden, aber ich habe jedes Mal Nein gesagt. Es ist noch zu früh dafür, obwohl ich die Partie gerne singen würde. Am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und in Dresden werde ich im nächsten Jahr die Rosina in «Il barbiere di Siviglia» singen. Mein Debüt an der Scala di Milano wird 2020 die Rolle des Stéphano in Gounods «Romeo et Juliette» sein. Später möchte ich weitere Partien von Donizetti und von Bellini ­singen. Meine Stimme wird wohl grösser, doch deren Gesundheit ist mir wichtig. Ich bleibe vorsichtig, denn ich habe noch genug Zeit für alles, was kommt. Sopranpartien nehme ich nicht an, obschon ich glaube, in ferner Zukunft ein dramatischer Sopran zu werden.

Wie organisieren Sie Ihr Privatleben neben der Arbeit als Künstlerin?

Ich versuche, ein möglichst normales Leben zu führen mit meiner wunderbaren Familie, mit meinem grossartigen Partner und Freunden. Es braucht einen festen Rhythmus und Disziplin, was nicht immer einfach ist für das soziale Leben. Ich bin aber ein superaktiver Mensch. Meine Hobbys sind Surfen, Snowboarden, Golf , Rugby und Padel. Und ich reise gerne in die Ferne, um mich zu erholen. Dann singe ich keine einzige Note. Das Singen nimmt viel Kraft vom Körper und ist auch mental fordernd. Eines Tages möchte ich meine eigene Familie – das ist wichtig für die Balance im Leben.

Was folgt auf Ihre Auftritte in Luzern?

In Monthey im Wallis produziere ich eine eigene Cabaret-Show mit dem Titel «About last night». Diese habe ich selbst kreiert mit Musik von Poulenc, Barber, Schönberg und anderen. Ich liebe es, völlig frei zu sein und realisieren zu können, was ich mag. Rap, Piano und Jazz kommen in dieser Show vor – und die Carmen.

Premiere von Offenbachs «Die Grossherzogin von Gérolstein» heute, 13. April 2019, um 19.30 Uhr im Luzerner Theater. Vorstellungen bis 12. Juni.

CD-Tipp: «Aureliano in Palmira» von Gioachino Rossini mit Marina Viotti als Arsace (Naxos).

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